Zwar – aber

17.06.2014
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Solche Briefe kriege ich natürlich auch. Da wird gemischter Erfolg gemeldet. Aber immerhin: wenn ein Teil der Wünsche schon nach wenigen Wochen in Erfüllung geht, dann – besteht ja Hoffnung. Könnte es auch mit dem Rest der Beschwerden noch klappen.

So eine Rheuma-Patientin. Die wirklich hervorragend in der Universität von Rheumatologen und Endokrinologen betreut wird. Nur: Schmerzen sind da. Werden nicht besser. Da wird man trübsinnig. Sieht so gar keinen Ausweg. Das Leben wird grau. Tja. Und dann kommt die Blutanalyse. Kommt molekulare Medizin. Und am Himmel glänzt ein Silberstreif. Darf ich?

"Die Rheuma-Hand ist noch nicht wirklich besser, obwohl ich tapfer einen weiten Bogen um alle Kohlenhydrate laut Pyramide mache.

Aber meine Lebensfreude kommt zurück, heute habe ich auf dem Weg in die Rheumaklinik laut zur klassischen Musik gesungen. Ich glaube, das letzte Mal kam das vor drei Jahren vor!

Der Himmel ist wieder blau und ich rieche den blühenden Raps beim Walken. Das ist überhaupt völlig genial für mich. Beim Joggen, das ich wegen der Bänder und Gelenke aufgegeben hatte, konnte ich mich anstrengen wie ich wollte, Glücksgefühle haben sich da nicht eingestellt.

Jetzt kehren der Hund und ich nach der täglichen Runde von fast einer Stunde zurück und ich bin direkt enttäuscht, dass es schon zu Ende ist. Das Krafttraining steht jetzt als nächstes auf dem Programm."

Also ich als kritisch-misstrauischer Arzt nenne das Erfolg. Der Brief zeigt übrigens ein Geheimnis, das ich schon mehrfach angedeutet habe: nehmen wir an, Sie bekommen eine Krankheit, eine Leid (Rheuma) nicht in den Griff. Na und? Kümmern Sie sich um den Rest des Körpers, habe ich Ihnen zugerufen. Verändern Sie Ihr Immunsystem, verändern Sie Ihre Stimmung, verändern Sie die Sauerstoffversorgung Ihres Körpers und...warten Sie ab. Sie werden schon sehen!

Genau das passiert hier gerade. Die Patientin folgt einem einfachen, naturwissenschaftlichen Schema: Sie läuft, sie isst genetisch korrekt, sie füllt Defizite im Blut auf...das hat ja zunächst mit dem Rheuma gar nichts zu tun. Glaubt sie. Ich weiß es besser.

Bin gespannt wie ein Flitzebogen auf den nächsten Brief.

 
 
 

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