Zwei dunkelrote Ohren

02.12.2014
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sind ein sehr hübsches, eindrucksvolles Bild für eine sonst sehr fähige, junge Dame mit Facharzttitel. Beschrieben vom Patienten. Dummerweise hat der Patient immer recht. Immer. Also darf ich den folgenden Brief auch wirklich weiter geben.

Manisch-depressive Patienten gibt es viel mehr, als Sie glauben. Die laufen ja auch – viele vor sich hin leidend – ohne Ärztekontakt durchs Leben. Sie ahnen, wir wissen woher die Krankheit kommt. Ich vertraue hier Prof. Dr. Dr. med. F. Holsboer, Max Planck Institut München, der diese Erkrankungen „biologisch“ charakterisiert. Man kann die Ursachen also im Blut finden. Kann! Das isses leider… Also los:

Ein Patient fühlt sich geheilt. Von seiner manischen Depression. Indem er alle Tabletten weggeworfen hat, zu laufen begann und anders aß. Abschlussgespräch mit seiner Neurologin:

„Frage an meine Neurologin, von der ich mich verabschiedete: „Warum messen Sie eigentlich nicht sofort den Lithiumspiegel und das Vitamin D 3? Dann hätten Sie mir zwei Jahre meine Leber geschont. Fettleber und Gewichtszunahme vom Antidepressivum (10 kg)“

Ein Gesicht, eingerahmt von zwei dunkelroten Ohren: „…ist halt laut WHO eine sehr schwere Erkrankung, Ihre bipolare Störung. Halt wohl ein Stoffwechselproblem…?“

Meine Antwort: „Stoffwechselprobleme kann man im Blut mittels Molekularmedizin messen!“

Antwort der zwei „roten Ohren“: „Denken Sie daran, damit werden Sie noch schwer abstürzen – Sie haben jetzt wohl eine extrem manische Phase!“

Ich wieder: „Diese Manie ist für mich Glück, das ist normal. Ich denke, unsere Wege trennen sich. Ich habe 27 Jahre lang mit meinen Kollegen (er ist Pharmareferent) in Ihrer Praxis Ihnen einen solchen Unsinn auch erzählt!“

Lieber Herr Dr. Strunz, ich kenne keine Depressionen mehr – bin ich eigentlich schwer krank, nur weil es mir gut geht?

Naja, bin jetzt „schwer manisch“… Liebe Neurologin: Sie haben keine Ahnung. Und es freut mich, dass ich Ihnen einen Satz roter Ohren geschenkt habe!“

Dass der junge Mann jetzt wirklich gesund ist, beweist er mit seinem letzten Satz. Er kann plötzlich analysieren. Über sich selbst nachdenken. Aus sich selbst heraustreten. Und meint, seine Depressionen kamen nur „von meinem verlogenen, unbefriedigenden, manipulativen Job“! Ja mei, irgendwie muss man sich sein Geld halt verdienen. Notfalls auf Kosten der anderen. 

Überhaupt nicht schlimm. Vergleichsweise. Ich hab Tag und Nacht vor mir das Bild des dünnen, langen Oppenheimers. Unter dessen Leitung die erste Atombombe gebaut wurde. Und dann abgeworfen. Von zivilisierten, christlichen Menschen, die jeden früh in der Bibel lesen. Finde ich ein bisschen schlimmer, lieber Herr Pharmareferent.

 
 
 

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