Zwei-Klassen-Sport

01.11.2010
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wird in der Sporthochschule Köln gelehrt. Einer der profiliertesten und wissenschaftlich glaubwürdigsten sportmedizinischen Einrichtungen, die wir in Deutschland haben. Und wenn die ihre Mitmenschen in zwei Klassen einteilen, dann müssen sie sich etwas dabei gedacht haben.

Erinnern Sie sich? Prof. Dr. Froboese hat uns Jogger, uns Läufer ja kürzlich vor dem Zucker gewarnt. Vor der Apfelschorle, um es präzise zu sagen. Die sei überflüssig. Wir hätten doch schon immer genügend Kohlenhydrate gespeichert in unserer Muskulatur. So lange unser Läufe nicht die zwei Stundengrenze überschritten, müssten wir keine Kohlenhydrate essen. Im Gegenteil: Diese seit Jahrzehnten von der Sportmedizin propagierten vorsorglichen Futtereien würden uns nur dick machen.

Stimmt.

Dass auch ein Prof. Froboese erst im Jahre 2010 mit dieser simplen physiologischen Tatsache glänzt, sollte man anmerken dürfen. Denn andere - nicht Professoren, nur Seiteneinsteiger - sprechen vom Nüchternlauf ja nun schon 21 Jahre. Begeistert. Weil sie es selbst ausprobiert haben. Und nachweislich schlank sind, schlank bleiben und mit dieser Methode sogar Ironman gewinnen.

In der Sporthochschule Köln gibt es aber auch andere. So Herrn Dr. Ramin Vafa, Diplomsportwissenschaftler. Und der hat soeben die Bildzeitung beraten. Die Bildzeitung zum Thema

So joggen Sie richtig

Löblich. Endlich. Die Bildzeitung hat 12 Millionen Leser. Und die werden dann mit der Zwei-Klassen-Medizin, dem Zwei-Klassen-Sport beglückt. Für die untere Klasse, also für die Bildzeitungsleser heißt es nicht laut Prof. Dr. Froboese: "Kohlenhydrate sind überflüssig, eher schädlich", sondern jetzt heißt es laut Dr. Vafa aus der gleichen Institution

"Joggen Sie aber nicht mit leerem Magen los. Dann fehlen wichtige Kohlenhydrate zur Energiebereitstellung"

Den Satz hören wir nun schon 50 Jahre. Und dieser kleine, unscheinbare Satz ist der Grund, weshalb die Menschen mit dem Joggen enttäuscht wieder aufhören. Die joggen nämlich nicht, weil sie Marathon laufen wollen, die joggen nicht „für die Gesundheit“, sondern die joggen, weil sie Gewicht verlieren wollen. Abspecken wollen. Endlich schlank werden wollen. Und genau das verhindert die Sporthochschule Köln in der Bildzeitung für 12 Millionen Leser sehr zuverlässig mit dem physiologisch verfehlten, falschen Ratschlag, man möge doch vor dem Loslaufen Kohlenhydrate futtern. Die bräuchte man für die Energie.

Darf ich erinnern? Ihre Mitochondrien, die Kraftwerke in den Zellen machen die Energie aus ATP. Und woher das kommt, ist den Kraftwerken völlig wurscht. Das wissen die auch gar nicht. Ob diese Energie sich aus Glukose oder aus Fettmolekülen herleitet.

Der übergewichtige Deutsche, also der Normalmensch, muss keine Kohlenhydrate essen. Der hat die Energie schon reichlich in etwa 1 Meter Höhe gespeichert. Und kann einfach loslaufen. Wir nennen das Nüchternlauf.

Auf Chefebene (Prof. Dr. Froboese): Kohlenhydrate sind überflüssig. Für's einfache Volk (Dr. Vafa): Kohlenhydrate sind wichtig vor dem Laufen. Zwei-Klassen-Sport.