Die Woche hat sieben Tage. Was würden Sie mit einem extra Tag anfangen? Etwa Sport treiben? Die Familie besuchen? Wandern gehen? Oder endlich renovieren?

Über sowas brauchen wir uns hier aber leider gar nicht unterhalten. Ganz einfach deswegen, weil dieses Vorhaben sowieso hoffnungslos zu sein scheint: Der Durchschnitts-Deutsche verbringt diese 24 Stunden lieber am Smartphone (1). 24 Stunden pro Woche! Das sind in einem Lebensjahr Jahr stolze 52 Tage, also fast zwei Monate im Jahr, die wir mit einem Gerät verbringen, das uns zwar permanent verbindet, aber gleichzeitig unsere Aufmerksamkeit fragmentiert.

Und genau hier beginnt das eigentliche Problem: Es kostet uns nicht nur Zeit.

Nein, wir zahlen für die Nutzung einen höheren Preis. Wir pokern mit unserer Aufmerksamkeitsspanne, verzocken dabei Emotions- und Gedankenreichtum, überhören Hilferufe unseres Körpers und ertrinken jämmerlich im Bann der Algorithmen.

Wieder einmal wird dieser Zusammenhang auch beim Sportler deutlich: Exzessiver Smartphone-Konsum reduziert Leistungsfähigkeit nicht primär durch Zeitverlust, sondern durch neurokognitive Veränderungen. Die Aufmerksamkeitsspanne wird fragmentiert, mentale Ermüdung steigt, Selbstkontrolle sinkt und das dopaminerge Belohnungssystem wird zunehmend auf kurzfristige digitale Reize konditioniert. Gleichzeitig schwächen digitale Ablenkung und sozialer Rückzug Trainingsqualität, Motivation und Teamdynamik (2).

Im Alltag betrifft uns das genauso. Unregulierte Smartphone-Nutzung baut Leistungsfähigkeit ab, weil Aufmerksamkeit, Schlaf, Reaktionsfähigkeit und mentale Frische leiden. Die eigentliche Belastung entsteht dabei durch die ständige Reizdichte: Tausende Benachrichtigungen, Kurzvideos, Kommentare, Bilder, Audios und die sozialen Rückkopplungsmechanismen von sozialen Medien greifen in unsere Aufmerksamkeitsnetzwerke, Belohnungssysteme und präfrontalen Kontrollfunktionen ein. Was für den Sportler die Trainingsgruppe ist, ist für Sie das Team auf Arbeit. Was der Wettkampf ist, sind für Sie Kundengespräche, Präsentationen, Verhandlungen oder Entscheidungen unter Zeitdruck. Ihr Spielfeld ist das Büro, die Werkhalle, der OP-Saal, das Klassenzimmer oder der Verhandlungstisch. Hier wollen Sie funktionieren.

Was Sportler, Schüler, Studenten und Berufstätige eint? Wir kratzten nur noch an der Wasseroberfläche. Wir gehen den Weg des geringsten Widerstands und sinken. Wie befreiend es aber sein kann, wenn die Flucht gelingt und der Kopf zum Atmen wieder aus dem Wasser ragt. Das, liebe Leser, lohnt sich herauszufinden: Einfach bis zur nächsten News die Luft anhalten.



Quellen:

  1. (1) Zugriff am 12.05.2026; 22:12 Uhr
    https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Nutzung-Smartphone-180-Minuten-pro-Tag
  2. (2) Mei Z, Zhang Y, Fan Q, Luo S and Luo S (2024) The effects of mobile phone dependence on athletic performance and its mechanisms. Front. Psychol. 15:1391258. doi: 10.3389/fpsyg.2024.1391258