So wie damals unsere Mutter, um uns schlagartig zu beruhigen, zu besänftigen, uns die Angst zu nehmen, um uns ZU FÜHREN.

… an die Hand nehmen. Die Antwort auf die wohl häufigste kritische Frage, den zweifelnden Einwand meiner Kollegen … nehmen wir die Psychiater und Psychologen:

Soeben wieder in einer Kongress-Zusammenfassung zum x-ten Mal der doch sensationelle Satz


Bei leichter und mittelschwerer Depression
hilft BEWEGUNG stärker als jede Tablette,


die ja meist nur sediert, entrückt, das Problem zudeckt … bis hin, als Nebenwirkung, zu einer leider, leider neu ausgelösten Psychose.

BEWEGUNG also. Wieder einmal. Wie kommt es zu solch (banalen) Studien in der wissenschaftlichen Psychiatrie? Nun, reine Not, Hilflosigkeit. Da hört plötzlich auch der überforderte Fachmann mal der simplen Natur zu. Und legt – weil´s nun mal nicht weiterbringt – die Prospekte der Pharmafirma beiseite.

ABER! Ein immer wieder mir entgegengerufenes, zunächst völlig gerechtfertigtes ABER:


WIE kriegen Sie einen depressiven Patienten dazu, sich zu bewegen, lieber Doktor?
Regelmäßig zu laufen? Das schaffen auch Sie, lieber Doc, nie und nimmer nicht.


Tja. Wie hat´s Ihre Mutter gemacht? Wenn Sie nicht mitkommen wollten? Die hat Sie an die Hand genommen.

Also hab auch ich Sie AN DIE HAND GENOMMEN. In der Praxis. Mit samt Ihrer Depression. Und bin mit Ihnen gelaufen. Den Gang entlang. Und wieder zurück. Und wieder hin. Und zurück, bis sich Ihre Mundwinkel so ganz, ganz leicht gehoben hatten … hat mich immer fasziniert.

Leicht verständlich: es war halt leicht lächerlich, das Ganze. Einverstanden.

Aber: dieser Patient hat sich´s gemerkt. Und hat, nur um mir einen Gefallen zu tun, mit dem Laufen angefangen. In der Wohnung. Dann vor dem Haus. Und dann im Wald … Sie kennen diesen Mechanismus. Der bei vielen – bei Leibe nicht allen – meiner depressiven Patienten geholfen hat.

Sie haben schon verstanden: hier handelt es sich um ein generelles Problem. Wie kriege ich den Herzinfarktpatienten zum leichten Trippeln? Krieg ich die vollfette Madame (oder Sir) zum Marathonlaufen? Alles fängt einmal an. Mein Tipp heute an meine Kollegen: AN DIE HAND NEHMEN. Buchstäblich.

Ein völlig neues Bild von Medizin. Forever young heute.