Tausende von Menschen laufen in Deutschland jedes Jahr einen Marathon. Tausende laufen ihn schnell. Tausende laufen ihn langsam. Tausende legen Gehpausen während der Strecke ein. Aber Hundertausende sind einfach nur Läufer. Die Kilometer sind ihnen egal. Wäre das was für Sie?

Ich denke an das herrliche Treiben bei Sportveranstaltungen. Schon als Zuschauer treibt es einem die Energie in die Beine.

„Ich will auch!“

Einmal von diesem Fieber infiziert, machen Sie sich auf die Socken: Der erste Laufschuh, das erste Training, der erste Lauf. Während der Eine erst mit dem Laufen anfängt, jagt der Andere die eigene Bestzeit im Sekundenbereich. Wir lassen uns davon inspirieren.

Wie es nun mal mit einer Passion so ist, erkennt auch der Algorithmus von Instagram und TikTok die eigenen Vorlieben recht schnell. Wir werden mit Inhalten überladen. Und plötzlich schwindet die Motivation. Frust breitet sich aus. Sie schmälern Ihre Leistung. Schämen sich dafür! Aber – Warum?!

Auf den sozialen Medien sehen wir Athleten, die trotz Vollzeitjob noch Marathon laufen, die Familie versorgen und nebenbei aufgesetzt grinsend in die Kamera plappern. Zusätzlich teilen virtuelle Freunde ihre Sportergebnisse: Ein Strava-Link hier, ein Foto vom Laufen dort:

„Heute wieder Long-Run vorm Frühstück – 20 km mit entspanntem 4:30er Pace“

Ehe Sie es verstehen, ist es schon zu spät. Sport wird in den sozialen Medien instrumentalisiert. Bilder und Videos vom Sporttreiben sind schon lange kein Ausdruck mehr von Freude, Freiheit und Leichtigkeit. Sie zeigen uns, was für ein toller Hengst, und der Vollständigkeit halber auch, was für eine geile Stute, hier gerade das eigene Ego frönt.

Da fällt mir doch glatt ein sehr beherzter Ausruf einer Kinderbuchprotagonistin aus Schweden ein: „Pfui Teufel!“. Danke, liebe Lotta aus der Krachmacherstraße, das trifft es auf den Punkt.

Das Ende meiner News-Reihe zur Sucht nach sozialen Medien greift heute explizit dieses Thema auf, weil es für mich eines der fundamentalsten menschlichen Fähigkeiten außer Kraft setzt: Bewegung als Intuition.

Nicht nur, dass wir auf unseren faulen Ärschen rumhocken, wenn wir auf das Handy glotzen. Nein, schlimmer. Die eigentlich tief verankerte menschliche Realität verschiebt sich vom kecken Kind zum dummen Dicken. Ständig vergleichen wir uns, suchen externe Bestätigung bei Menschen, die wir eigentlich nicht gut kennen und verlieren dabei die Freude an kleinen Errungenschaften.

Ein Anfang für alle wäre es doch, Eliud Kipchoges dringendem Rat an die nächste Generation von Sportlern zu folgen: Den Morgen zuerst den eigenen Zielen, dem Training und der Konzentration zu widmen – und das Handy erst zu nutzen, wenn man am Tag schon etwas erreicht hat.

Schritt für Schritt könnte damit alles zurückkommen: Stolz, Freude, Liebe, Leichtigkeit. Das zählt natürlich nicht exklusiv für den Läufer! Jeder bewegte Mensch kann davon zehren. Egal welche Distanz, welche Geschwindigkeit, welches Gewicht oder welche Übung – Hauptsache, es treibt Ihnen ein Lächeln auf die Lippen.