Endlich Sommer, endlich Sonne, endlich der lang ersehnte goldbraune Farbton auf der winterblassen Haut….dumm nur, wenn sich plötzlich auch weiße Flecken auf der gebräunten Haut im Gesicht, an den Armen oder am Oberkörper zeigen. Das versetzt viele in Panik: Ist das etwa die gefürchtete Weißflecken-Krankheit (Vitiligo), eine Autoimmunkrankheit?

Die (halbwegs) gute Nachricht vorweg: Weitaus häufiger handelt es sich Studien und Klinikberichten zufolge bei den hellen Hautflecken um eine Pilzinfektion mit dem lipophilen Hefepilz Malassezia; lipophil heißt, dass der Hautbesatzer Hautfette und Talg für seine Vermehrung nutzt. Seine „Netzwerke“ blockieren dann auf der Haut die UV-Strahlung – befallene Stellen werden also nicht gebräunt…

Etwa 13 Arten zählen zu dieser Spezies, die Hauterkrankung nennt sich „Pityriasis“, auch als „Kleienflechte“ bekannt. Forschern zufolge gehören diese Hefen zur normalen Hautflora und breiten sich bei Gesunden nur unter bestimmten Umständen aus. Zu diesen Faktoren zählen u.a. starkes Schwitzen, fettige Haut, übermäßige Talgproduktion oder hohe Androgenspiegel (regt die Talgproduktion an).

Die weniger gute Nachricht: Die Krankheit wird immer noch häufig verkannt und oft auch falsch behandelt. Denn je nachdem, welcher Malassezia-Vertreter auf der Haut dominiert, variieren auch die Symptome: Während Malassezia alba häufig für die weißen Flecken (die auf blasser Haut bräunlich erscheinen) verantwortlich ist, schaffen es andere Artgenossen, entweder für juckende Schuppen auf der Kopfhaut zu sorgen, das Bild einer seborrhoischen Dermatitis zu erzeugen, Rosacea-ähnliche Hauterscheinungen auszulösen (Pityriasis rosea) oder eine Haarbalgentzündung (med.: Pityrosporum Follikulitis) im Gesicht oder am Oberkörper zu verursachen.

Gerade Letzteres wird nicht selten mit Akne vulgaris verwechselt und falsch behandelt, oft fatalerweise mit Antibiotika, da Bakterien und nicht Pilze als Auslöser vermutet werden. Das kritisierte in der peer-reviewten Fachzeitschrift „Archives of Dermatological Research“ auch ein amerikanisch-kanadisches Forscherteam in einem Review. Übrigens wird Akne oft auch mit Azelainsäure therapiert. Die Substanz soll Verhornungen lösen und durch Hemmung der Melaninproduktion dunkle Aknenarben aufhellen. Dumm nur: Azelainsäure ist ausgerechnet ein Stoffwechselprodukt des Hefepilzes Malassezia furfur, dem Auslöser dieser „Pilz-Akne“ und der hellen Hautflecken...

Was hilft? Klassischerweise wird äußerlich mit antimykotischen Cremes, Lotionen oder Shampoos (bei Kopfschuppen) behandelt, bei starker Ausprägung auch systemisch mit pilztötenden Medikamenten.

Wichtig: Mikronährstoffe checken – und „auftanken“! Einige Studien zeigten einen deutlichen Vitamin D-Mangel bei Patienten mit Pityriasis im Vergleich zu hautgesunden Probanden. Ebenso kritisch: Zinkmangel – erhöht das Risiko für diese Art von Pilzinfektionen. Cremes mit Zinkpyrithion (nur noch im nicht-EU-Ausland erhältlich, wurde 2022 in der EU verboten), Zinkoxid oder Zinksulfat können das Pilzwachstum auf der Haut hemmen. Auch Eisenmangel schwächt das Immunsystem und die Hautbarriere, begünstigt Pilzinfektionen. Testen hilft heilen! Und vor allem: Immer schön den Blutzuckerspiegel flach halten! Heißt: Kohlenhydrate reduzieren; auch wenn dieser Pilz lieber Fette und Öle futtert, wurde er in Studien bei vielen Diabetikern nachgewiesen.




Quellen:

Green M, Feschuk AM, Kashetsky N, Maibach HI. Clinical characteristics and treatment outcomes of Pityrosporum folliculitis in immunocompetent patients. Arch Dermatol Res. 2023 Aug;315(6):1497-1509. doi: 10.1007/s00403-022-02506-0. Epub 2022 Dec 14. PMID: 36517586; PMCID: PMC9750048.

https://www.sciencedirect.com/org/science/article/pii/S1874372219000038

Chen, Xiao-Yi; Xiao, Jing; Ji, Xiu-Wai; Gao, Hai-Mei; Zhong, Lian-Sheng*. Assessment of Serum Vitamin D Levels in Children With Pityriasis Alba: A Retrospective Study. International Journal of Dermatology and Venereology 6(1):p 40-42, March 2023. | DOI: 10.1097/JD9.0000000000000203