…kann einen doch in den Wahnsinn treiben! Nicht?
Welche Pläne stehen diese Woche an? Wie sind die nächsten Wochenenden belegt? Wann muss das Auto nochmal zur Durchsicht? War ich gestern zu forsch gegenüber meinem Kollegen? Warum bringe eigentlich immer nur ich daheim den Müll raus?
Grübeln kann auch sinnstiftend sein, ohne Frage. Unser Gehirn entledigt sich auf die Weise von der unermesslichen Last, immer alles unter Kontrolle und im Blick zu haben.
Ohne provozieren zu wollen, darf ich sicher folgende These wagen und mit der ein oder anderen Unterstützung aus der Leserschaft rechnen. Denn einige unter uns trifft dieser Gedankensturm besonders hart: Die Mütter. Ich sage nur:
Schulversorgung, Hausaufgaben, Vereinstraining, Entwicklungsschübe, Kinderkrankheiten, Verpflegung, Klamotten, Geschenke, zu Bett bringen und so unendlich viel mehr…
Dabei sind hier nur die Bedürfnisse eines einzelnen Kindes aufgezählt. Wo fange ich an, wenn ich noch Partnerschaft, Beruf, Freunde und Hobbys mit einbeziehe?
Dass die erschöpfte Mutter dann am Abend im Bett liegt und trotz narkotisierender Müdigkeit wegen quälender Gedanken nicht in den Schlaf findet, ist kein Einzelfall. Freilich will ich nicht alle Beziehung derart abstempeln, das wäre naiv. Sie wissen, dass ich veranschaulichen will, worum es geht. Also stellen Sie sich, rein hypothetisch versteht sich, zum Beispiel den Vater vor, der nach wenigen Minuten in der Horizontalen schlafend den beneidenswerten Beweis liefert, dass Denken offenbar doch abschaltbar ist.
Der eigentliche Punkt bei dem Thema ist, dass Grübeln als wirklich quälend empfunden werden kann. Die Gedanken drängen sich in jede freie Minute ohne externe Ablenkung – sie fordern Zeit ein, die nicht da ist. Das bedeutet Hektik. Das ist Stress. Und es kann bis zum Wahnsinn führen: Erschöpfung, Trauer, Ängste, Depressionen, Panik- oder Zwangsstörungen.
Ja, das kenne ich gut. Was habe ich gelitten vor den großen Wettkämpfen. Da kochen die absurdesten Ängste hoch, obwohl doch eigentlich nichts Lebenswichtiges auf dem Spiel steht. Oder!?
Nach einiger Zeit, die ich unter diesem Gedankenkarussell litt, begegnete mir im Studium mein Physiologie Professor. Wir sprachen über den menschlichen Geist. Seither weiß ich, wie ich meine Gedanken ordnen kann.
Es ist die zusätzliche Laufeinheit am Sonntag: Schuhe an, Espresso, raus aus der Haustür – Freiheit spüren.
Es ist die konzentrierte ruhige Atmung, wenn ich im Bett liege: Genussvoll Ein- und Ausatmen – Frieden finden.
Es ist die Sauna nach dem Training: Den Körper anders spüren – Ruhe genießen.
Es ist Verzicht auf Ablenkungen, wenn ich Wege erledige.
Das ist es, was im Übrigen auch Dr. Michael Nehls als bewusst geschaffene Freiräume für unser Gehirn beschreibt. Momente, in denen wir äußere Reize reduzieren und unserem Geist wieder erlauben, das zu tun, wofür im durchgetakteten Alltag kaum noch Platz bleibt: Gedanken schweifen, sortieren und zu Ende denken.