Sie, als Dr. Strunz News Leser, achten vermutlich sehr genau darauf, was auf Ihren Teller kommt. Ich nehme an, dass Sie kaum Zuckerbomben, noch Weißmehl-Industriebrötchen oder Fertiggerichte verzehren. Sie wissen, was diese Lebensmittel im Körper anrichten. Sie essen keinen Müll.
Aber sind Sie sich auch darüber im Klaren, was einige Sinneseindrücke im Gehirn anrichten? Sind Sie bei Ihren Sinneseindrücken genauso wählerisch wie beim Essen? Oder nehmen Sie täglich geistigen Müll auf, ohne es zu merken, weil er normal wirkt? Ich denke hier an den Krimi im Fernsehen, oder True Crime Dokumentationen bei den Streaming Anbietern, an den Kriminalroman, aber auch an die täglichen Nachrichten oder einige Computerspiele.
Was im Gehirn passiert
Sieht oder liest man etwas Bedrohliches, schlägt die Amygdala Alarm. Die Amygdala ist ein mandelförmiger Kern tief im Gehirn, der Reize blitzschnell auf Bedrohung prüft und bei Gefahr die Angst- und Stressreaktion auslöst. Neben der Amygdala wird auch der Hypothalamus aktiv, eine seepferdchenförmige Struktur im Schläfenlappen. Er startet die Stressreaktion, die HPA-Achse schüttet Cortisol aus. Der Körper geht in Hab-Acht-Stellung, als drohe echte Gefahr. Zugleich arbeitet der Präfrontale Cortex schlechter, der Sitz der Selbstkontrolle. Bei weniger Selbstkontrolle gewinnen Impulse und Gewohnheiten die Oberhand, während überlegtes Abwägen und das Steuern von Emotionen schwächer werden. Ist alles nicht so prickelnd, oder?
Kleiner Selbst-Test
Achten Sie zwei Wochen lang darauf, ob Sie nach Krimis, True Crime oder Schreckensnachrichten regelmäßig:
- gedanklich immer wieder zum Gesehenen zurückkehren,
- noch stundenlang aufgedreht und unruhig sind,
- schlechter und unruhiger schlafen oder
- immer mehr davon brauchen, während die Wirkung abstumpft.
Sollte einer oder mehrere Punkte auf Sie zutreffen, lohnt es sich zu überlegen, ob Ihr Gehirn lieber mit Sinneseindrücken verwöhnt und nicht belästigt werden möchte. Mit welchen Sinneseindrücken können Sie Ihrem Gehirn etwas Gutes tun?
Quelle:
Zwiky E, König P, Herrmann RM, et al. How movies move us: movie preferences are linked to differences in neuronal emotion processing of fear and anger, an fMRI study. Front Behav Neurosci. 2024;18:1396811. doi:10.3389/fnbeh.2024.1396811