Wenn wir an die Diagnostik der Knochengesundheit denken, fallen den meisten Menschen zuerst Calcium- und Vitamin D-Spiegel oder die Knochendichtemessung (DEXA-Messung) ein. Weniger bekannt sind die sogenannte Knochenmarker. Dabei handelt es sich um Laborwerte, die Hinweise darauf geben, wie aktiv der Knochen gerade auf- oder abgebaut wird. Sie ermöglichen einen Blick auf den Knochenstoffwechsel, lange bevor Veränderungen in einer Knochendichtemessung sichtbar werden.

Unsere Knochen werden ein Leben lang umgebaut. Spezialisierte Zellen bauen alte Knochensubstanz ab, während andere neue Knochenmatrix bilden. Dieser Prozess sorgt dafür, dass Mikroverletzungen repariert und die Stabilität des Skeletts erhalten werden. Normalerweise befinden sich Knochenaufbau und Knochenabbau im Gleichgewicht. Verschiebt sich dieses Gleichgewicht jedoch zugunsten des Abbaus, kann langfristig eine Osteoporose entstehen.

Knochenmarker sind Stoffe, die während des Knochenauf- oder Knochenabbaus freigesetzt werden und im Blut gemessen werden können. Sie liefern Informationen darüber, wie aktiv der Knochenstoffwechsel aktuell ist. Dabei unterscheidet man zwischen Markern des Knochenaufbaus und Markern des Knochenabbaus.

Der wichtigste Marker für den Knochenaufbau ist das P1NP (Prokollagen Typ 1 N-terminales Propeptid). Beim Aufbau neuer Knochenmatrix wird Kollagen Typ 1 gebildet. Die ist der wichtigste Eiweißbestandteil des Knochens. Dabei entsteht P1NP, das ins Blut gelangt und dort gemessen werden kann.

Ein erhöhter P1NP-Wert weist auf eine gesteigerte Knochenneubildung hin. Dies kann beispielsweise bei Kindern und Jugendlichen während des Wachstums, nach Knochenbrüchen oder unter bestimmten Osteoporose-Therapien beobachtet werden.

Der wichtigste Marker für den Knochenabbau ist das β-CrossLaps (CTX). Dieser entsteht, wenn Kollagen Typ I im Rahmen des Knochenabbaus zerlegt wird. Steigende Werte sprechen für eine erhöhte Aktivität der knochenabbauenden Zellen.

Erhöhte CTX-Werte können unter anderem bei Osteoporose, nach den Wechseljahren oder bei Erkrankungen auftreten, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen.

Hier sehen Sie als Beispiel meine eigenen Knochenmarker, die ich mittlerweile regelmäßig untersuchen lasse:



Anmerkung: Calcium gehört ebenfalls zu den erhobenen Parametern und wird routinemäßig mitbestimmt. Aus technischen Gründen konnte der Wert in dieser Darstellung jedoch nicht angezeigt werden.

Ich empfehle meinen Patientinnen, bereits ab der Lebensmitte – etwa ab Mitte 40 – eine erste Knochendichtemessung (DXA) durchführen zu lassen und gleichzeitig die wichtigen Knochenstoffwechselmarker bestimmen zu lassen. Erstaunlicherweise zeigen insbesondere Frauen, die früh in die Perimenopause eintreten, in diesem Alter nicht selten bereits auffällige Befunde. Häufig liegt sogar schon eine Osteopenie vor – die Vorstufe der Osteoporose.

Aber gerade in diesem Stadium lässt sich noch viel erreichen. Durch regelmäßiges Kraft- und Ausdauertraining, eine ausreichende Eiweißzufuhr sowie die gezielte Optimierung knochenrelevanter Mikronährstoffe wie Vitamin D, Vitamin K2, Magnesium, Zink, Bor und Calcium kann die Knochengesundheit häufig deutlich verbessert und einer späteren Osteoporose wirksam entgegengewirkt werden.

Eine besondere Bedeutung kommt Vitamin K2 zu: Ein Mangel kann die Knochenmineralisierung ungünstig beeinflussen. Zur Beurteilung bietet sich die Bestimmung von Osteocalcin im Serum an, einem weiteren wichtigen Marker des Knochenstoffwechsels.

Da Veränderungen der Knochendichte oft erst nach Monaten oder Jahren sichtbar werden, können Knochenmarker schon nach wenigen Wochen zeigen, ob eine Behandlung wirkt.

Knochenmarker unterliegen natürlichen Schwankungen. Besonders CTX zeigt deutliche Unterschiede im Tagesverlauf. Deshalb wird die Blutentnahme meist morgens und streng nüchtern (mindestens 12 Stunden keine Nahrungsaufnahme) empfohlen.




Quellen:

Gillett MJ, Vasikaran SD, Inderjeeth CA. The Role of PINP in Diagnosis and Management of Metabolic Bone Disease. Clin Biochem Rev. 2021 Feb;42(1):3-10. doi: 10.33176/AACB-20-0001. PMID: 34305208; PMCID: PMC8252919.

Bhattoa HP, Vasikaran S, Trifonidi I, et al.: Update on the role of bone turnover markers in the diagnosis and management of osteoporosis: a consensus paper from The European Society for Clinical and Economic Aspects of Osteoporosis, Osteoarthritis and Musculoskeletal Diseases (ESCEO), International Osteoporosis Foundation (IOF), and International Federation of Clinical Chemistry and Laboratory Medicine (IFCC). Osteoporos Int. 2025 Apr;36(4):579-608. doi: 10.1007/s00198-025-07422-3. Epub 2025 Mar 28. PMID: 40152990; PMCID: PMC12064614.