Wir alle kennen Melatonin im Zusammenhang mit dem Thema Schlaf. Der Körper produziert gegen Abend eine kleine Menge dieses Hormons und wir werden müde. Dann wissen wir, dass die körpereigene Produktion, ausgehend von Tryptophan über Serotonin, stattfindet und dass man das Thema Blaulicht beachten sollte, sprich, sich am Abend davor schützen sollte. Dafür gibt es entsprechende Brillen und Geräteeinstellungen, die Blaulicht herausfiltern.
Doch was ich so noch nicht wusste: Melatonin kann Entzündungsmarker senken, oxidativen Stress reduzieren und bei Sepsis-Patienten die Sterblichkeit signifikant reduzieren. Das schauen wir uns nun einmal gemeinsam genauer an. In der Studie des Teams um Zainab Thanon Hasan wurden insgesamt 158 Erwachsene mit einem schweren Verlauf von COVID-19 in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe mit 82 Personen bekam zusätzlich zur Standardtherapie 10 mg Melatonin, während 76 Patienten nur die Standardtherapie bekamen. Hier die wichtigsten Punkte:
- In der Gruppe mit Melatonin erlitten 9 Personen binnen 17 Tagen eine Thrombose, in der Gruppe ohne Melatonin 18.
- In der Gruppe mit Melatonin erlitten 7 Personen binnen 17 Tagen eine Sepsis, in der Gruppe ohne Melatonin 27.
- In der Gruppe mit Melatonin starb eine Person, in der Gruppe ohne Melatonin 13.
Das sind sehr überzeugende Argumente für ein Medikament mit einem bemerkenswerten Sicherheitsprofil, beziehungsweise sogar eher ein Nahrungsergänzungsmittel. Der biochemische Hintergrund für dieses erstaunliche Ergebnis ist natürlich nicht nur der Schlaf, sondern die Reduzierung des oxidativen Stresses und der Schutz der Mitochondrien, unserer Kraftwerke. Bestätigt wird dieses Ergebnis in der Meta-Studie von Junpeng Guo. Dort wurden insgesamt sieben Interventionsstudien mit 421 Patienten ausgewertet, die mit einer Sepsis diagnostiziert wurden. Man stellte fest, dass die Patienten, die zwischen 20 mg und 60 mg Melatonin bekamen, signifikant weniger Entzündungsmarker aufwiesen und ebenfalls eine deutlich reduzierte Sterblichkeit zeigten, denn die Wahrscheinlichkeit lag hier nur bei 42 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe.
Was nehmen wir mit?
Die Anwendung von Melatonin wurde in Studien bis zu einer Dosierung von 60 mg pro Tag gut vertragen. In Studien zur Sepsis kamen beispielsweise Dosierungen von 50 bis 60 mg Melatonin pro Tag über mehrere Tage zum Einsatz. Melatonin hat kaum Nebenwirkungen und kann den Heilungsprozess im Körper auf verschiedenen Ebenen stark verbessern. Auf Basis dieser Daten werde ich bei der nächsten Erkältung oder Grippe eine Dosis von 10 mg Melatonin einnehmen, da man eben ganz offensichtlich nicht nur besser schläft.
Quellen:
- The Effect of Melatonin on Thrombosis, Sepsis and Mortality Rate in COVID-19 Patients, Zainab Thanon Hasan, 2021, DOI: 10.1016/j.ijid.2021.10.012
- Efficacy of melatonin as adjunctive therapy for sepsis: A meta-analysis of randomized controlled trials,Junpeng Guo et al, 2025, DOI: 10.1016/j.ctim.2025.103147
- Melatonin as a potential therapy for sepsis: a phase I dose escalation study and an ex vivo whole blood model under conditions of sepsis, Helen F. Galley et al., 2014, DOI: 10.1111/jpi.12134