Sie schlafen gut ein und werden dann gegen drei oder vier Uhr nachts wach. An Weiterschlafen ist erst einmal nicht zu denken. Eventuell klopft auch Ihr Herz stark, oder Sie sind stark geschwitzt. Oder Sie schlafen zwar durch, aber Sie wachen morgens erschöpft oder wie gerädert auf. Es gibt verschiedene Gründe, die zu diesem Problem führen, aber auf einen kommt man erst einmal nicht so schnell: Es könnte an einem zu niedrigen Blutzuckerspiegel liegen. Betroffene ernähren sich meistens sehr streng Low Carb oder ketogen, fasten dazu noch lange und treiben viel Sport.
Wenn dem Körper nachts der Brennstoff ausgeht
Beim Sport nehmen die Muskeln viel Glukose auf, es wird für die Bildung von ATP, dem Energiemolekül, benötigt. Damit der Blutzucker stabil bleibt, gibt die Leber gespeichertes Glykogen ab und stellt neue Glukose her. Ist die Nahrungszufuhr aber sehr gering und die Trainingsbelastung sehr hoch, reicht diese Eigenproduktion irgendwann nicht mehr aus. Die Speicher der Leber leeren sich, und der Blutzucker kann im Schlaf zu stark absinken. Vor allem dann, wenn nach der Belastung zu wenig gegessen wird.
Warum erst die Kombination gefährlich wird
Eine strenge Low Carb-Ernährung allein löst bei gesunden Menschen selten eine Unterzuckerung aus. Der Körper passt sich an, kurbelt die Glukoseneubildung an und verbrennt mehr Fett. Kritisch wird es im Zusammenspiel. Wenig Kohlenhydrate, dazu zu wenig Kalorien insgesamt, lange Essenspausen und wiederholtes intensives Training. Dann leeren sich die Speicher schneller, als sie sich füllen.
Was die Forschung zeigt
Eine Untersuchung zeigte, dass moderates Training am Abend nach einer Mahlzeit bei vielen Menschen einen kurzen Blutzuckerabfall auslösen kann. Und eine aktuelle Studie fand, dass schon kleine Mengen Kohlenhydrate während der Belastung eine trainingsbedingte Unterzuckerung verhinderten und die Ausdauer verbesserten. Die Verfügbarkeit von Glukose zählt also, sobald der Energiebedarf hoch ist.
Was Sie tun können
Wer nachts regelmässig so aufwacht, sollte prüfen, ob Essensmenge und Trainingspensum zusammenpassen. Nach intensiven Einheiten hilft eine ausreichende Mahlzeit zur Regeneration. Auch die letzte Mahlzeit vor dem Schlafengehen sollte genug Energie liefern. Streng bedeutet eben nicht automatisch besser. Der Körper braucht Brennstoff, gerade in der Nacht.
Quellen:
Porter JW, Pettit-Mee RJ, Ready ST, et al. Post Meal Exercise May Lead to Transient Hypoglycemia Irrespective of Glycemic Status in Humans. Front Endocrinol (Lausanne). 2020;11:578. Published 2020 Sep 2. doi:10.3389/fendo.2020.00578
Prins PJ, Noakes TD, Buga A, et al. Carbohydrate ingestion eliminates hypoglycemia and improves endurance exercise performance in triathletes adapted to very low- and high-carbohydrate isocaloric diets. Am J Physiol Cell Physiol. 2025;328(3):C710-C727. doi:10.1152/ajpcell.00583.2024