Immer wieder werde ich – auch aus den Reihen der Strunz-News-Leserinnen und -Leser – gefragt, wie viel Jod Kinder eigentlich benötigen. Ich freue mich immer über diese Frage, denn bei Vitamin D oder Omega-3 denken viele Eltern inzwischen ganz selbstverständlich an eine ausreichende Versorgung ihrer Kinder. Jod dagegen haben nur wenige im Blick.

Dabei ist Jod keineswegs nur während der Schwangerschaft und Stillzeit wichtig. Auch Schulkinder und Jugendliche benötigen täglich ausreichend Jod. Der Körper braucht das Spurenelement vor allem zur Herstellung der Schilddrüsenhormone T4 und T3. Diese wiederum spielen eine wichtige Rolle für Stoffwechsel, Wachstum sowie die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem.

Dass das Thema durchaus relevant ist, zeigen aktuelle Zahlen: Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) weisen 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ein Risiko für eine zu geringe Jodzufuhr auf. Die DGE beruft sich hierbei auf Daten des Robert Koch-Instituts. Zudem ist die Jodversorgung in Deutschland in den vergangenen Jahren wieder schlechter geworden.

Ein Grund könnte sein, dass viele Kinder nur wenig Fisch und andere marine Lebensmittel essen. Gleichzeitig wird nicht in jedem Haushalt Jodsalz verwendet. Auch Milch und Milchprodukte sind in Deutschland wichtige Jodquellen, unter anderem, weil das Tierfutter mit Jod angereichert wird. Bei Kindern, die wenig oder keine Milchprodukte essen und stattdessen pflanzliche Alternativen verwenden, sollte deshalb darauf geachtet werden, ob sie ausreichend mit Jod versorgt sind.

Die DGE hat ihre Referenzwerte für Jod 2025 überarbeitet. Für Kinder und Jugendliche gelten derzeit folgende Empfehlungen:

0 bis unter 12 Monate: 80 µg Jod pro Tag
1 bis unter 4 Jahre: 90 µg pro Tag
4 bis unter 7 Jahre: 90 µg pro Tag
7 bis unter 10 Jahre: 120 µg pro Tag
10 bis unter 13 Jahre: 120 µg pro Tag
13 bis unter 15 Jahre: 150 µg pro Tag
15 bis unter 19 Jahre: 150 µg pro Tag

Damit erreicht die empfohlene Jodzufuhr bereits ab dem 13. Lebensjahr den Wert für Erwachsene von 150 µg täglich.

Schilddrüsenhormone sind für die normale Entwicklung des Gehirns von großer Bedeutung. Bei ausgeprägtem Jodmangel können die körperliche und neurologische Entwicklung sowie die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigt werden.

Das Schwierige daran: Eine leichte Unterversorgung macht sich häufig gar nicht eindeutig bemerkbar und kann deshalb längere Zeit unentdeckt bleiben. Konzentrationsprobleme, Müdigkeit oder schlechte Schulnoten bedeuten natürlich nicht automatisch, dass ein Jodmangel dahintersteckt. Solche Beschwerden können natürlich zahlreiche andere Ursachen haben.

Bei einem ausgeprägteren oder länger bestehenden Jodmangel können sich beispielsweise eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) oder Störungen der Schilddrüsenfunktion entwickeln. Bei den üblichen Vorsorgeuntersuchungen von Kindern und Jugendlichen wird keine routinemäßige Bestimmung der Jodversorgung oder der Schilddrüsenwerte durchgeführt. Das bedauere ich sehr. Eltern müssen oft sehr darauf drängen, dass Schilddrüsenwerte ihrer Kinder bestimmt werden.

Gerade weil die Jodversorgung in Deutschland wieder schlechter geworden ist, lohnt sich für Eltern ein Blick auf den Speiseplan: Wird zu Hause Jodsalz verwendet? Isst das Kind regelmäßig Fisch oder andere geeignete Jodquellen? Werden Milchprodukte gegessen oder jodangereicherte pflanzliche Alternativen verwendet?

Das Thema kenne ich übrigens auch aus dem eigenen Familienalltag: Ich habe selbst zwei Kinder, die Fisch leider nicht besonders gerne essen. Und vermutlich geht es vielen Eltern ähnlich. Umso wichtiger finde ich es, einmal bewusst darauf zu schauen, aus welchen Lebensmitteln die Kinder eigentlich regelmäßig Jod aufnehmen.

Bei Meeresalgen, z. B. Algen-Chips, sollte man übrigens genauer hinschauen. Sie können zwar sehr viel Jod enthalten, der Jodgehalt schwankt jedoch erheblich und kann bei manchen Produkten extrem hoch sein.

Auch von einer eigenständigen Jodsupplementierung mit Lugolscher Lösung ist vor allem bei Kindern abzuraten. Bereits einzelne Tropfen können – je nach Konzentration der Lösung – Jodmengen im Milligrammbereich enthalten und damit weit über dem altersabhängigen Tagesbedarf liegen. Eine zu hohe Jodzufuhr kann die Schilddrüsenfunktion stören. Für die normale Jodversorgung eines Kindes ist die Lugolsche Lösung daher nicht geeignet.

Und wenn ein Kind über die Ernährung nicht genügend Jod aufnimmt? Dann ist eine gezielte, altersgerechte Supplementierung sinnvoll. Ähnlich wie wir es auch bei Vitamin D oder Omega-3-Fettsäuren praktizieren (sollten).

Interessant finde ich dabei eine Gemeinsamkeit: Jod und die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA stammen aus dem Meer, und auch Vitamin D ist über fettreichen Seefisch verfügbar. Gerade diese maritimen Nährstoffe gehören heute zu denen, bei denen es sich lohnt, die Versorgung von Kindern genauer im Blick zu behalten.




Quelle:

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Jod – Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, www.dge.de

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Jodversorgung in Deutschland wieder rückläufig – Tipps für eine gute Jodversorgung, aktualisiert 9. Februar 2021.