Probiotika sollen die Verdauung verbessern, das Immunsystem stärken und zu mehr Wohlbefinden führen. Doch was sagt die Wissenschaft dazu?
Zunächst das Gute. Probiotika tun tatsächlich etwas. Bestimmte Stämme, vor allem Laktobazillen und Bifidobakterien, verbessern nachweislich die Darmbarriere. Die Tight Junctions, also die Verbindungen zwischen den Darmzellen, werden stabiler. Ein Leaky-Gut-Syndrom kann dadurch wieder zu einem dichten Darm werden. Außerdem können Probiotika Entzündungsmarker wie CRP, TNF-α und IL-6 signifikant senken. Daneben aktivieren sie Immunzellen wie Makrophagen und natürliche Killerzellen und fördern gleichzeitig regulatorische T-Zellen. Dadurch wird die Immunantwort ausbalanciert, statt sie einfach zu verstärken.
Was Probiotika konkret leisten:
- Sie stärken die Darmbarriere und reduzieren stille Entzündungen.
- Sie verkürzen die Dauer von Durchfallerkrankungen oder lindern Durchfälle während einer Antibiotika-Behandlung.
- Sie können das Risiko einer C. difficile-Infektion nach einer Antibiotika-Behandlung reduzieren.
- Sie unterstützen die Schleimhautimmunität, z. B. durch erhöhte sekretorische IgA-Spiegel.
- Sie modulieren das Immunsystem in Richtung Toleranz und weniger überschießender Reaktionen.
Was Probiotika wahrscheinlich nicht leisten:
Die Frage nach der Mikrobiom-Diversität ist weniger eindeutig. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2026 fand keine statistisch signifikanten Veränderungen der Diversität bei gesunden Personen. Einzelne Stämme erhöhen vorübergehend ihre eigene Konzentration im Darm, nicht aber die Artenvielfalt insgesamt. Mehrsträngige Präparate schneiden hier besser ab als Einzelstämme. Nach Absetzen der Präparate zeigten sich keine deutlichen Veränderungen zur Ausgangssituation.
Und wie lange sollte man Probiotika nehmen?
Probiotika verändern während der Einnahme wichtige Abläufe im Darm. Sie strukturieren das Mikrobiom im Darm jedoch nicht dauerhaft um. Wer sein Mikrobiom nachhaltig verändern möchte, kommt daher nicht umhin, seine Lebensweise entsprechend anzupassen: viel frisch zubereitetes Gemüse, wenige einfache Kohlenhydrate, kein oder kaum Alkohol, ausreichend Schlaf und Bewegung sowie Stressreduktion. In vielen Studien werden Einnahmezeiträume von zwei bis zwölf Wochen untersucht. Dieser Zeitraum bietet sich auch für Menschen an, die nicht an Studien teilnehmen.
Quellen:
Zheng Y, Zhang Z, Tang P, et al. Probiotics fortify intestinal barrier function: a systematic review and meta-analysis of randomized trials. Front Immunol. 2023;14:1143548. Published 2023 Apr 24. doi:10.3389/fimmu.2023.1143548
Éliás AJ, Földvári-Nagy KC, Al-Gharati YZ, et al. Effect of probiotic supplementation on the gut microbiota diversity in healthy populations: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. BMC Med. 2026;24(1):71. Published 2026 Jan 7. doi:10.1186/s12916-025-04602-0