Pack die T-Bone-Steaks ein, nimm’ dein kleines Schwesterlein, und dann nischt wie raus an den Freiluft-Grill… Gesundheit kann ja so gut schmecken! Denn Fleisch ist gesünder als oft behauptet und kann sogar vor Demenz schützen –das zumindest legt eine Langzeit-Beobachtungs-Studie einer Forschergruppe der schwedischen Karolinska-Universität in Stockholm nahe. Und es kommt noch besser: Mehr Fleisch zu essen als gemeinhin empfohlen, senkt das Demenz-Risiko auch mehr – vor allem für Menschen mit dem Alzheimer-Risiko-Gen APOE43/44...
Für ihre Studie, die frisch in JAMA (Journal of the American Medical Association) publiziert wurde, beobachtete eine Arbeitsgruppe aus Altersforschern, Neurobiologen und Epidemiologen 15 Jahre lang die Ernährungsgewohnheiten und den Gesundheitszustand von 2.157 Menschen, die zu Beginn der Studie nicht dement und im Schnitt 71,2 Jahre alt waren. Von den Probanden war mehr als jeder Vierte Träger des APOE43/44 Genotyps – und hatte damit ein genetisch erhöhtes Risiko für Demenzerkrankungen.
Das deutliche Ergebnis mag manche verblüffen: Höherer Fleischkonsum senkte bei den Probanden mit den APOE43/44-Genotypen das Risiko, an Alzheimer oder anderen Demenzformen zu erkranken, gegenüber den Wenig-Fleisch-Essern um 55 Prozent; auch waren die kognitiven Leistungen bei den Menschen mit hohem Fleischverzehr um 68 Prozent besser.
Diese aufsehenerregenden Resultate gelten für „unverarbeitetes“ rotes Fleisch und Geflügel – wer viel verarbeitetes Fleisch gegessen hatte, hatte der Studie zufolge ein um 14 Prozent erhöhtes Demenzrisiko. Als „verarbeitet“ definierten die Forscher Fleischbearbeitungsprozesse, zu denen auch Salzen, Pökeln, Fermentieren, Räuchern oder andere Verarbeitungsprozesse zählen. Als eine der Möglichkeiten, warum Fleisch speziell die genetische Risikogruppe vor Demenz schützt, vermuten die Wissenschaftler eine bessere Aufnahme von Vitamin B12 aus diesem Lebensmittel – und das schützt vor Hirnschrumpfung und ist überlebenswichtig für die Regeneration und den Schutz der Myelinscheiden von Nervenzellen.
Bemerkenswert: Diese Studie veranlasste selbst den bekennenden Vegetarier und Ex-Gesundheitsminister zu einem lobenden Post auf X (früher Twitter): „Das ist eine bedeutsame Studie...Wer ein erhöhtes genetisches Risiko für Demenz hat (ca. jeder Vierte), reduziert sein Risiko deutlich durch Fleischkonsum.“
Mein Senf zur Studie: Unbedingt den vollen Studientext lesen! Die Forscher haben darin auch enthüllt, dass ähnliche positive Ergebnisse für hirnschützenden Fleischkonsum von Menschen mit APOE4-Risiko-Genen zwar schon länger bekannt sind, aber in großen Studien wie etwa der Nurses Health Study“, der „Health Professionals Follow-up-Study“ oder in Datenanalysen, die auf Gesundheitsdaten aus der UK Biobank (493.888 Probanden!) basierten, einfach mal „unterschätzt wurden“ (eine höfliche Umschreibung für „ignoriert“). Dabei betrifft, wie die Autoren anmerken, der Risiko-Genotyp APOE34/44 etwa 70 Prozent aller Alzheimer-Fälle in Nordeuropa und Nordamerika…
Da kann man nur sagen: Auf die Grillhaxn, fertig, los…. Wohl bekomm’s!
Quellen:
Norgren J, Carballo-Casla A, Grande G, et al. Meat Consumption and Cognitive Health by APOE Genotype. JAMA Netw Open. 2026;9(3):e266489. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.6489
https://x.com/Karl_Lauterbach/status/2038672801251389806
Über die Autorin:
Marion Meiners ist ausgebildete Verlagskauffrau und Journalistin und arbeitete viele Jahre für Zeitschriften als Redakteurin für Gesundheit und Ernährung. Zusammen mit Labor-Professor Hans-Peter Seelig schrieb sie das Buch „Laborwerte klar und verständlich“.
Ihre Begeisterung für Medizinthemen entdeckte sie in frühen Berufsjahren, nachdem ihr eine Verwandte einen Pschyrembel schenkte. Seither heißt ihr digitales „Wohnzimmer“ PubMed und die Faszination für die Ursachen-Fahndung bei Krankheiten sowie die Effekte von Ernährung und Lebensstil auf die Gesundheit hält an.
Das sagt sie über ihre Tätigkeit:
„Alles hängt mit allem zusammen im Körper. Das ist leider in unserer „Schubladen“-Medizin noch nicht so ganz angekommen. Ein Nährstoffmangel kann etwa ebenso fatale Auswirkung auf alle Organsysteme haben wie z.B. ein kranker Zahn. Umgekehrt kann schon eine veränderte Zusammenstellung der Makro-oder Mikronährstoffe in der Ernährung gigantische therapeutische Effekte entfalten. Welche, und wie gut belegt diese sind – darüber möchte ich informieren.“
