Die Zeitschrift „The Guardian“ beschreibt die Kurzgeschichten von elf Lesern. Alle haben ein GLP-1-basiertes Medikament (Glucagon-like-Peptide-1) ausprobiert und tatsächlich haben die meisten Teilnehmer viel bis sehr viel Gewicht verloren. Der Grundtenor der Geschichten ist Verzweiflung, denn die Teilnehmer wollten unbedingt Gewicht verlieren und hatten teilweise eben auch Angst, da sie adipös sind und sich über die Folgen im Klaren waren.
Eine Geschichte ist mir ins Auge gefallen, da sie nicht ins Negative läuft wie so viele andere Beschreibungen, wo der Partner bisweilen ärgerlich reagiert, weil er entweder um die Nebenwirkungen des Medikaments fürchtet oder aber den Spiegel vorgesetzt bekommt, warum er nicht selbst sein Gewicht reduziert. So enden einige Geschichten traurigerweise mit Scheidung bzw. Trennung. Aber bleiben wir bei der Geschichte mit positivem Ausgang, denn hier hat eine Frau sage und schreibe 35 Kilogramm an Gewicht verloren und danach das Gewicht auch halten können, da sie mit ihrem Partner zusammen – und jetzt kommt der spannende Teil – ihr Leben komplett verändert hat. Sie machen nun beide regelmäßig Sport und gehen viel spazieren, was sie vorher nicht gemacht haben. Zudem schreibt die Leserin, dass ihre Portionen heute nur noch halb so groß seien wie sie einmal waren.
An der Stelle hake ich einmal ein, denn mit diesen Umstellungen und dem Bewusstsein sind wir schon nahe dran am Strunz’schen Ansatz, den Professor Layman auch so schön in einer Studie dokumentiert hat. Laymans Lebenswerk als Biochemiker und Forscher lag unter anderem darin, übergewichtigen Frauen zu helfen. Seine Eckpfeiler in den Abnehmstudien waren 125 Gramm Eiweiß am Tag und die Kohlenhydrate auf ein vernünftiges Maß (120 Gramm) herunterzubringen. Durch diese Maßnahmen sowie ein wenig Krafttraining haben die Frauen genau das Gewicht verloren, das man verlieren möchte, nämlich Fett. Ein wichtiger Erklärungsansatz liegt in der veränderten Insulinreaktion, da Layman zeigen konnte, dass bei dieser Ernährungsform Insulin nicht nur sinkt, sondern eben nach dem Essen auch viel weniger ansteigt im Vergleich zu einer Ernährung basierend auf Kohlenhydraten. Um den Verlust an Muskelmasse nahezu komplett zu reduzieren, hat Layman noch Krafttraining in seine Studien integriert, zusätzlich zur Ernährungsumstellung.
Was nehmen wir mit?
Es braucht keine Medikamente mit Nebenwirkungen (hier u.a. der Verlust an Muskeln und Knochenmasse, siehe News vom 09.09.2025 ), um das Ziel zu erreichen, den Körper auf ein gesundes Gewicht zu bringen. Es braucht vor allem die Aufklärung, wie man sich zu ernähren hat und dass man den Bewegungsapparat, in dem wir leben, auch ein paar Mal die Woche bewegt. Denn auch wenn die letzte Geschichte von Erfolg geprägt war, so hat auch diese Dame reichlich Muskel- und Knochenmasse verloren, was sie dann durch ihren Lebenswandel kompensieren konnte. Ohne diese Umstellungen kommt in der Regel fast das gesamte Gewicht wieder drauf, nachdem das Medikament abgesetzt wird.
Quellen:
- A Reduced Ratio of Dietary Carbohydrate to Protein Improves Body Composition and Blood Lipid Profiles during Weight Loss in Adult Women, Donald K. Layman et al., 2003, DOI: 10.1093/jn/133.2.411
- Dietary Protein and Exercise Have Additive Effects on Body Composition during Weight Loss in Adult Women, Donald Layman et al, 2005, DOI: 10.1093/jn/135.8.1903
- Weight regain and cardiometabolic effects after withdrawal of semaglutide: The STEP 1 trial extension, John P. H. Wilding et al., 2022, DOI: 10.1111/dom.14725
- Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity, Robert F. Kushner et al, 2021, DOI: 10.1056/NEJMoa2032183
- Once-weekly semaglutide versus placebo in adults with increased fracture risk: a randomised, double-blinded, two-centre, phase 2 trial, Morten Frost et al., 2024, DOI: 10.1016/j.eclinm.2024.102624