Warum Nahrungsfette die Aktivität von Schilddrüsenhormonen verbessern
Gallensäuren werden oft nur mit der Fettverdauung in Verbindung gebracht. Tatsächlich sind sie jedoch viel mehr als das. Gallensäuren wirken teilweise wie Hormone. Sie senden Signale an Leber, Darm und Muskeln und beeinflussen dort den Energieverbrauch sowie die Wirkung von Schilddrüsenhormonen. Dabei steuern sie jedoch nicht die Produktion der Schilddrüsenhormone in der Schilddrüse selbst, sondern die Aktivierung der Hormone im Gewebe, insbesondere in der Muskulatur.
Wie Gallensäuren die Wirkung von Schilddrüsenhormonen steuern
Ein kleiner Teil der Gallensäuren, etwa fünf Prozent, diffundiert aus dem Darm in den Blutkreislauf. Über den Blutkreislauf erreichen die Gallensäuren somit auch die Muskulatur und aktivieren dort bestimmte Rezeptoren. Diese steuern wiederum Enzyme, die darüber entscheiden, wie viel aktives Schilddrüsenhormon in der Muskulatur entsteht. Aus dem Vorratshormon T4 wird bei Bedarf das aktive T3 gebildet. Mehr T3 führt wiederum zu einer vermehrten Energieherstellung in der Muskulatur. Die Muskeln werden leistungsfähiger. Das Gleiche passiert auch im braunen Fettgewebe. Dort werden durch den Anstieg von T3 Fettsäuren freigesetzt, die in den Mitochondrien für die Energieherstellung genutzt werden. Im Blut ist dieser Anstieg an T3 jedoch meistens nicht zu beobachten.
Gallensäuren trägt zum Recycling von Schilddrüsenhormonen bei
Schilddrüsenhormone werden in der Leber an andere Moleküle gebunden und über die Galle in den Darm ausgeschieden. Ein Teil davon kann durch Darmbakterien wieder freigesetzt und erneut aufgenommen werden. Dieser Kreislauf spart Hormone und stabilisiert die Versorgung. Wie gut dieser Kreislauf funktioniert, hängt stark vom Gallefluss ab.
Was bei sehr fettarmer Ernährung passiert
Fett ist der wichtigste Reiz für die Gallenblase. Erst ab etwa zehn Gramm Fett pro Mahlzeit gibt sie gespeicherte Gallensäuren in den Darm ab. Bei sehr fettarmer Ernährung bleibt dieser Mechanismus aus. Die Galle staut sich und der Fluss in den Darm wird langsamer. Die Gesamtmenge an Galle bleibt zwar ähnlich, sie wird aber schlechter genutzt.
Weniger Gallensäuren im Darm bedeuten schwächere hormonelle Signale. Das wirkt sich indirekt auf die Schilddrüsenhormone aus. Die Umwandlung zu aktivem T3 kann sinken, obwohl die Schilddrüse selbst völlig normal arbeitet.
Eine extrem fettarme Ernährung kann daher langfristig den Stoffwechsel bremsen. Bereits kleine Fettmengen von 10 bis 20 Gramm pro Mahlzeit reichen aus, um den Gallefluss zu aktivieren und diesen sensiblen Kreislauf zwischen Darm, Leber und Schilddrüsenhormonen zu stabilisieren.
Quelle:
Giles, C. Bile acids regulate energy homeostasis via a thyroid-hormone-signaling pathway. Nat Rev Endocrinol 2, 248–249 (2006).
Über die Autorin:
"Dr. Kristina Jacoby arbeitet seit 2014 Dr. U. Strunz bei der Erstellung seiner Bücher zu. Besonders fasziniert ist sie von den physiologischen Abläufen im Organismus sowie den Möglichkeiten diese mit Lebensstilveränderungen positiv zu beeinflussen.
Physiologie und Genetik waren ihre Schwerpunkte in ihrem Biologie-Studium, welches sie 2002 abschloss. Von 2004 bis 2010 studierte und promovierte sie an der Deutschen Sporthochschule Köln. Seit 2008 beschäftigt sie sich intensiv mit Meditation und praktiziert täglich.
Das sagt sie selbst zu Ihrer Tätigkeit:
„Jede Krankheit basiert auf Schieflagen im Organismus, die man aufspüren und verändern kann. Davon bin ich überzeugt. Mittlerweile gibt es etliche wissenschaftliche Veröffentlichungen, die das bestätigen. Leider ist das Wissen noch nicht in den Arztpraxen angekommen. Daher möchte ich dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen von diesen Möglichkeiten der Heilung erfahren und in die Lage versetzt werden, sie umzusetzen.“"
