Weitere wichtige Informationen zu Cholin
Ich möchte gern noch einige Aspekte der Studie von Steven Zeisel zum täglichen Cholinbedarf von letzter Woche vertiefen. Kurz zur Erinnerung, in der Studie wurden 57 Teilnehmer zunächst für zwei Wochen auf den in den USA angedachten Tagesbedarf von 550 mg gesetzt, um danach für maximal 42 Tage einen Cholinmangel mit dann nur 50 mg Cholin in der Nahrung zu simulieren. Sobald sich die Leberwerte oder der Parameter CK-Gesamt für die Muskelgesundheit verschlechterten, wurde den Teilnehmer Schritt für Schritt wieder mehr Cholin gegeben. Das Ziel der Studie war, dass man den individuellen Tagesbedarf feststellt. Man erkennt diesen Plan in der folgenden Abbildung:

Das Spannende ist jedoch, dass die Forscher festgestellt haben, dass Frauen wie auch Männer vollkommen unterschiedliche Tagesbedarfe haben und dass die in den USA geltenden 550 mg und erst recht die Vorgabe der DGE von 400 mg bereits durch diese Studie widerlegt sind. Denn es fanden sich Männer, die sich bei 825 mg Cholin wieder normalisierten und denen 550 mg bereits zu wenig waren. Auf der anderen Seite gab es auch Teilnehmer, die mit 150 oder 275 mg Cholin keine auffälligen Blutwerte mehr aufzeigten. Bei den Frauen zeigte sich ein sehr ähnliches Bild, wobei der Bedarf generell massiv nach dem Ende der Menopause stieg.
Neben diesen beiden bereits extrem wichtigen Stoffwechselpfaden hat Cholin weitere sehr bedeutsame Funktionen. Cholin unterstützt den Abbau von Homocystein. Bei erhöhten Homocysteinwerten denkt man zunächst immer an Methylfolat. In Zukunft sollte man auch an Cholin denken. Zudem hilft Cholin beim Abbau von Giftstoffen aus der Leber und durch die Umwandlung zu Acetylcholin ist Cholin ein Faktor für unsere Stressachse, da Acetylcholin für den Parasympathikus von großer Bedeutung ist. Somit ist Cholin, über den Weg Acetylcholin, essentiell für eine gute Verdauung, eine Entspannung des Darms und den Abbau von Adrenalin. Von Peter Osborne habe ich zudem gelernt, dass Cholin hilft, Entzündungen zu reduzieren und zu einer schnelleren Erholung nach einer Operation beiträgt.
Und dann gibt es noch einen spannenden Punkt für alle Träger des gefürchteten ApoE4-Gens. Hier zeigt Cholin in der Studie von Grzegorz Sienski, dass es die beobachtete Störung des Fettstoffwechsels in den Astrozyten deutlich verbessert.
Was nehmen wir mit?
Der Cholinbedarf ist individuell verschieden und bei vielen Menschen deutlich höher als die Tagesempfehlung. Wenn Sie erhöhte Leberwerte, eine erhöhte Creatinkinase (CK-Gesamt) oder einen erhöhten Homocysteinwert haben, den Sie sich nicht erklären können, wäre meine Empfehlung: Einfach mal ein gutes Cholinprodukt ausprobieren und zudem auf eine gute Versorgung mit Cholin über die Nahrung achten. Zudem kann man auch einmal die beiden wichtigen Polymorphismen (genetische Abweichung) ermitteln lassen.
Quellen:
Common genetic polymorphisms affect the human requirement for the nutrient choline, Steven H Zeisel et al., 2006, DOI: 10.1096/fj.06-5734com
The impact of choline supplementation on oxidative stress and clinical outcomes among patients with non-alcoholic fatty liver disease: a randomized controlled study, Sylvia S. Sedhom et al., 2025, DOI: 10.1177/20406223251358659
APOE4 disrupts intracellular lipid homeostasis in human iPSC-derived glia, Grzegorz Sienski et al., 2021, DOI: 10.1126/scitranslmed.aaz4564
Über den Autor:
“Robert Krug beschäftigt sich seit 2016 intensiv mit dem Thema Gesundheit und Ernährung im Hinblick auf die Biochemie des Menschen. Seit 2019 veröffentlicht Robert Krug Bücher zu den Themen genetisch korrekte Ernährung und zur ganzheitlichen Betrachtung des Menschen. Doch lassen wir ihn selbst einmal zu Wort kommen, wie er seinen Weg zur Biochemie gefunden hat:
"Ich liebe es, Probleme zu lösen. Das wird mit ein Grund dafür gewesen sein, dass ich 1994 Wirtschaftsinformatik studiert und warum ich leidenschaftlich gern Software programmiert habe.
Mein Weg zur ganzheitlichen Medizin erfolgte aus der Not heraus, da ich in 2016 selbst erkrankte und von der Schulmedizin leider keine Hilfe bekam. So fing ich an, mich Stück für Stück mit meinen Problemen zu beschäftigen und zu lesen, um den Problemen auf den Grund zu gehen. Also das gleiche Vorgehen wie bei der Arbeit. Das war sozusagen der Start für mein inzwischen leidenschaftliches Interesse an der Biochemie und somit der Start meiner Reise."
”
