Immer mehr Menschen überwachen inzwischen ihren Schlaf mit einer Smartwatch, einem Fitnessring oder einer App. Ich gehöre auch dazu. Und nicht selten folgt morgens die Ernüchterung: Schon wieder viel zu wenig Tiefschlaf! Dabei ist gerade diese Schlafphase für die körperliche Erholung von großer Bedeutung.

Warum fällt es manchen Menschen so schwer, zur Ruhe zu kommen, abzuschalten und vor allem zu ausreichend Tiefschlaf zu kommen? Damit sind wir bei einem meiner Lieblingsneurotransmitter: GABA, der Gamma-Aminobuttersäure.

Ich bezeichne GABA gerne als das „körpereigene Valium“. Natürlich ist das medizinisch etwas vereinfacht. Aber der Vergleich beschreibt ganz anschaulich, worum es geht: GABA ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter unseres Gehirns. Er hilft dabei, die Aktivität unserer Nervenzellen zu regulieren und gewissermaßen auf die Bremse zu treten. GABA wirkt beruhigend und entspannend, kann Angstreaktionen dämpfen und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation unseres Schlafes. Auch an der Entstehung und Aufrechterhaltung des Tiefschlafs ist das GABA-System beteiligt. Gerade in dieser wichtigen Schlafphase muss unser Gehirn schließlich zur Ruhe kommen, damit körperliche und neuronale Erholungsprozesse stattfinden können.

Tatsächlich setzen auch bekannte Beruhigungsmittel wie Diazepam am GABA-System an. Und selbst Alkohol beeinflusst die GABA-Rezeptoren im Gehirn. Das erklärt, warum wir uns nach einem Glas Wein häufig entspannter fühlen und manchmal auch leichter einschlafen. Alkohol ist deshalb noch lange kein gutes Schlafmittel! Er verändert die natürliche Schlafarchitektur, beeinflusst den REM-Schlaf und kann insbesondere in der zweiten Nachthälfte zu häufigeren Wachphasen führen. Wir schlafen vielleicht schneller ein, aber nicht unbedingt besser.

Während Glutamat, der Gegenspieler von GABA, überwiegend anregend wirkt, übernimmt GABA gewissermaßen die Funktion einer Bremse. Beide Botenstoffe müssen gut zusammenspielen. Schließlich wollen wir tagsüber leistungsfähig und konzentriert sein, abends aber auch wieder zur Ruhe kommen können.

Dr. med. Ulrich Strunz hat sich bereits in seiner News vom 24.10.2017 ausführlich mit GABA beschäftigt. Nun hat Dr. Bernd Guzek diesem faszinierenden Neurotransmitter sogar ein ganzes Buch gewidmet: „GABA - So kommt der Kopf zur Ruhe“. Und dieses Buch möchte ich heute ausdrücklich empfehlen.

Bernd Guzek schafft es, komplizierte neurobiologische Zusammenhänge so zu erklären, dass man dafür kein Medizinstudium benötigt. Das kann übrigens auch seine Frau Gaby hervorragend, wie sie u.a. mit ihrem Buch „Alkohol adé“ bewiesen hat. Auch mit Tryptophan hat sich Bernd Guzek bereits intensiv beschäftigt (siehe meine News vom 11.07.2026)

In seinem neuesten Buch geht es um die Fragen, warum unser Gehirn manchmal einfach nicht abschalten kann. Welche Rolle GABA bei Schlafstörungen, Ängsten, innerer Unruhe oder auch ADHS spielt. Und vor allem was wir selbst tun können, um unser Nervensystem zu unterstützen. Denn Schlaf, Entspannung und psychische Ausgeglichenheit sind keine Zufallsprodukte. Sie entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel unseres Nervensystems, unserer Hormone, unseres Stoffwechsels und unserer Lebensgewohnheiten. Was mir an dem Buch von Bernd Guzek besonders gefällt: Es lenkt den Blick weg von der reinen Symptombetrachtung und hin zu den physiologischen Prozessen, die hinter unserem Wohlbefinden stehen.

Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Neurotransmittern und finde es immer wieder faszinierend, wie eng unsere psychische Verfassung, unser Schlaf und unsere Mikronährstoffe miteinander verbunden sind.

GABA wird im Körper aus Glutamat gebildet. Dafür benötigen wir ein Enzym namens Glutamatdecarboxylase, das wiederum auf Vitamin B6 in seiner aktiven Form (Pyridoxal-5-Phosphat) angewiesen ist. Das bedeutet natürlich nicht, dass jede Schlafstörung auf einen Vitamin-B6-Mangel zurückzuführen ist. Es zeigt aber, wie wichtig eine ausreichende Mikronährstoffversorgung für die normale Funktion unseres Nervensystems ist.

GABA gibt es auch als Nahrungsergänzungsmittel. Ich setze solche GABA-Präparate in meiner Praxis ein, insbesondere bei Menschen, die abends schlecht abschalten können und unter innerer Unruhe oder Einschlafproblemen leiden. Allerdings gibt es eine spannende wissenschaftliche Frage: Kann oral eingenommenes GABA überhaupt die Blut-Hirn-Schranke überwinden? Lange ging man davon aus, dass dies kaum möglich sei. Inzwischen wird diskutiert, ob GABA möglicherweise auch über periphere Mechanismen und die sogenannte Darm-Hirn-Achse wirken könnte. Erste kleinere Studien liefern Hinweise darauf, dass oral eingenommenes GABA Stress reduzieren und auch bestimmte Schlafparameter verbessern könnte.

Wer sich näher mit GABA beschäftigen möchte, dem kann ich das neue Buch von Bernd Guzek nur empfehlen. Ich habe es jedenfalls mit großem Interesse gelesen.


Lesetipp: Bernd Guzek, GABA - So kommt der Kopf zur Ruhe: Mit dem Botenstoff GABA gegen Ängste, ADHS, Schlafstörungen und innere Unruhe Heyne Verlag München 2026