Wenn die Aktivierung der Schilddrüsenhormone in die falsche Richtung läuft
Reverse T3 ist die inaktive Variante des Schilddrüsenhormons T3. Gebildet wird es vor allem aus T4 und wirkt im Körper wie eine Bremse für die Energieproduktion.
Reverse T3 bindet zwar an dieselben Rezeptoren wie das aktive T3, allerdings auf eine etwas andere Art und Weise. Dies hat fatale Folgen. Reverse T3 aktiviert im Gegensatz zum aktiven T3 weder Gene für die Energieherstellung noch Programme für die Erneuerung der Mitochondrien. Wenn der Körper mehr Reverse T3 bildet, sinkt das T3-Signal in den Geweben. Die Mitochondrien arbeiten dann langsamer, die Produktion der Energiemoleküle (ATP) fällt und der Stoffwechsel reduziert sich. Dies ist in Fastenphasen über mehrere Tage oder Wochen sowie in Situationen, in denen der Körper Energie sparen möchte, zu beobachten. Auch bei schweren Erkrankungen tritt dieses Muster auf. Kurzfristig kann dieses Umschalten hilfreich sein, da Energie gespart wird. Entsteht jedoch immer und dauerhaft zu viel Reverse T3, führt das langfristig zu einem Zustand, der sich durch Müdigkeit und geringere Belastbarkeit bemerkbar macht.
Warum Reverse T3 entsteht
Es sind drei Enzyme, die darüber entscheiden, in welche Richtung T4 umgebaut wird. Zwei davon erzeugen das aktive T3, eines das Reverse T3. In vielen Stresssituationen steigt die Aktivität jenes Enzyms, das Reverse T3 bildet, während die beiden anderen weniger aktiv sind. Das führt dazu, dass Reverse T3 ansteigt und das aktive T3 sinkt. Entzündungssignale, wie sie bei Infektionen auftreten, verstärken diesen Prozess. Auch die Leber spielt eine große Rolle, denn sie baut Reverse T3 normalerweise ab. Ist sie geschwächt, steigt Reverse T3 weiter an. Davon sind viel mehr Menschen betroffen, als man zunächst annehmen würde, denn fast jeder dritte Erwachsene leidet an einer nicht alkoholischen Fettleber. Ebenso führen Nierenschäden zu einer Erhöhung von Reverse T3, da die Nieren an der Hormonklärung beteiligt sind.
Wenn Medikamente und Umweltfaktoren das Problem verstärken
Entzündungshemmende Medikamente wie Glukokortikoide fördern die Bildung von Reverse T3. Weitere Substanzen, darunter einige Betablocker und jodhaltige Kontrastmittel, können ebenfalls die Richtung des T4 Abbaus verändern. Auch Umweltgifte oder Stoffe, die die Leber belasten, stören das Gleichgewicht und verschieben es in Richtung Reverse T3.
Bei chronischem Energiemangel auch reverse T3 untersuchen lassen
Reverse T3 wird normalerweise nicht untersucht, ist aber ein wichtiger Indikator dafür, ob der Körper auf Energiesparen eingestellt ist. Sind die Werte für reverse T3 erhöht geht es um die Spurensuche, warum dies so ist. Mögliche Gründe sind psychischer Stress oder Traumata, eine Ernährung mit zu geringer Energiezufuhr, chronische Entzündungen, Giftstoffe, Leber- oder Nierenprobleme, akute Infektionen, bestimmte Medikamente oder eine Kombination mehrerer dieser Faktoren.
Quelle:
Halsall DJ, Oddy S. Clinical and laboratory aspects of 3,3',5'-triiodothyronine (reverse T3). Ann Clin Biochem. 2021 Jan;58(1):29-37. doi: 10.1177/0004563220969150. Epub 2020 Nov 4. PMID: 33040575.
Über die Autorin:
"Dr. Kristina Jacoby arbeitet seit 2014 Dr. U. Strunz bei der Erstellung seiner Bücher zu. Besonders fasziniert ist sie von den physiologischen Abläufen im Organismus sowie den Möglichkeiten diese mit Lebensstilveränderungen positiv zu beeinflussen.
Physiologie und Genetik waren ihre Schwerpunkte in ihrem Biologie-Studium, welches sie 2002 abschloss. Von 2004 bis 2010 studierte und promovierte sie an der Deutschen Sporthochschule Köln. Seit 2008 beschäftigt sie sich intensiv mit Meditation und praktiziert täglich.
Das sagt sie selbst zu Ihrer Tätigkeit:
„Jede Krankheit basiert auf Schieflagen im Organismus, die man aufspüren und verändern kann. Davon bin ich überzeugt. Mittlerweile gibt es etliche wissenschaftliche Veröffentlichungen, die das bestätigen. Leider ist das Wissen noch nicht in den Arztpraxen angekommen. Daher möchte ich dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen von diesen Möglichkeiten der Heilung erfahren und in die Lage versetzt werden, sie umzusetzen.“"
