Der Anthropologe Bill Schindler lebte vor einigen Jahren im Rahmen eines Sabbaticals für mehrere Monate in Irland. Für ihn und seine Frau war es ein tolles Erlebnis, ihre drei Kinder haben das ein klein wenig anders wahrgenommen. Nach einigen Wochen entstand so etwas wie ein Lagerkoller.

Bill hatte an diesem Morgen eine Eingebung, die sicherlich ein klein wenig beeinflusst wurde von seinem Beruf: Er hatte die Idee, dass alle zusammen heute einmal im Wald sammeln gehen sollten. Nachdem vor allem die Kinder ein klein wenig an seinem Verstand zweifelten, fuhren sie alle zusammen im Auto los in den Wald und gingen den ganzen Tag sammeln. Es stellte sich im Laufe des Tages heraus, dass die gesamte Familie einen mystischen und tollen Tag im Wald verbrachte und auch aufgrund der Kenntnisse von Bill eine Vielzahl verschiedener Beeren und Kräuter sammelte. Sie verbrachten den ganzen Tag draußen und waren sich einig: Das war ein toller Tag. Auf dem Weg nach Hause fragt ihn sein Sohn:

„Papa, was essen wir heute Abend?“

Nach Contenance ringend betrachtete Bill den Sammelerfolg des gesamten Tages aller Familienmitglieder und stellte fest: Sein Sohn hat Recht, das reicht bestenfalls als Nachtisch und Beilage.

Die Anthropologen sprechen dabei von einem sinnvollen Einsetzen der eigenen Energie. Das ist im Jahr 2023 natürlich nicht mehr von Bedeutung, aber bis vor wenigen Tausend Jahren entschied dieses Verhalten über Leben und Tod. Buchstäblich. Denn wenn Sie jeden Tag mehr Energie verbrauchen, als Ihnen die Nahrung zurückgibt, werden Sie verhungern. Sie verlieren nach und nach Ihr Fett und – schlimmer noch - Ihre Muskeln, da der Körper im Notfall immer Ihre Muskeln zu Glukose umwandeln muss, um den Tagesbedarf an Glukose (ca. 100 Gramm) zu decken.

Anhand dieser einfachen Logik erkennt man: Ohne die Dickmacher, die man sich heutzutage an jedem Busbahnhof, U-Bahn oder S-Bahnstation in Form von Süßteilchen kaufen kann, ist es gar nicht so leicht, auf die täglich benötigte Energie zu kommen. Aber anscheinend haben wir homo sapiens und davor homo erectus das trotzdem prima geschafft. Der Grund ist natürlich in der Nahrung begründet. Wir waren und sind – aufgrund unseres Gehirns – durch den Einsatz von Waffen der Topjäger des Planeten. Wir haben zwar keine Klauen, keine Reißzähne, keine besondere Geschwindigkeit beim Jagen und auch keine besonderen Muskeln. Aber wir haben unser Gehirn, was alle anderen Tierarten aussticht. Und wir benutzen schon über Millionen von Jahre Waffen wie Messer, Speere, Pfeile und wir benutzen Feuer zum Zubereiten von Nahrung. Durch unseren enormen Jagderfolg in der Gruppe konnten wir dieses „teure“ Gehirn ausbilden.

Das Problem an dieser Historie, die sich in unseren Genen verschrieben hat, ist: Wir brauchen diese Nahrung, um gesund und fit bis ans Lebensende zu bleiben. Richtig ist, wir haben auch gesammelt. Keine Frage. Aber die primäre Nahrung kam von Wildtieren, vornehmlich Weidetieren, wie auch alles an Fischen und Krustentieren.


Quellen:
Origins and evolution of the Western diet: health implications for the 21st century, Loren Cordain et al., 2005, DOI: 10.1093/ajcn.81.2.341

The paradoxical nature of hunter-gatherer diets: meat-based, yet non-atherogenic, Loren Cordain et al., 2002, DOI: :10.1038/sj.ejcn.1601353


Über den Autor:


“Robert Krug beschäftigt sich seit 2016 intensiv mit dem Thema Gesundheit und Ernährung im Hinblick auf die Biochemie des Menschen. Seit 2019 veröffentlicht Robert Krug Bücher zu den Themen genetisch korrekte Ernährung und zur ganzheitlichen Betrachtung des Menschen. Doch lassen wir ihn selbst einmal zu Wort kommen, wie er seinen Weg zur Biochemie gefunden hat:

"Ich liebe es, Probleme zu lösen. Das wird mit ein Grund dafür gewesen sein, dass ich 1994 Wirtschaftsinformatik studiert und warum ich leidenschaftlich gern Software programmiert habe. Mein Weg zur ganzheitlichen Medizin erfolgte aus der Not heraus, da ich in 2016 selbst erkrankte und von der Schulmedizin leider keine Hilfe bekam. So fing ich an, mich Stück für Stück mit meinen Problemen zu beschäftigen und zu lesen, um den Problemen auf den Grund zu gehen. Also das gleiche Vorgehen wie bei der Arbeit. Das war sozusagen der Start für mein inzwischen leidenschaftliches Interesse an der Biochemie und somit der Start meiner Reise." ”