Lange nichts mehr gehört von Bor… Kennen Sie nicht? Doch, bestimmt. Denn schon bei unseren Großeltern gehörte das Spurenelement, bekannt als „Borax“ (chemisch: Natriumtetraborat) in jeden Haushalt – als Waschmittelzusatz und Wasserenthärter oder zur Desinfektion und Schädlingsbekämpfung. Später entstand ein wahrer Hype um das Mineral als Wundermittel gegen Arthrose und Osteoporose. Und dann… Schweigen.
Bis vor einigen Jahren. Von vielen fast unbemerkt, feiert das Spurenelement in der Wissenschaft ein Comeback. Aktuell beleuchten Studien die Rolle von Bor gegen Krebs – sowohl als Vorbeugung wie auch als Therapie gegen Tumorleiden. Erst vor kurzem zeigte eine türkische Forschergruppe im Fachjournal „Food Bioscience“ anhand von Zellkultur-Studien, dass die Bor-Derivate Natriumpentaborat-Pentahydrat und Natriumperborat-Tetrahydrat deutliche Anti-Krebseffekte bei Prostatakrebs entfalten, indem sie selektiv den Energiehaushalt und die Mitochondrien in den Tumorzellen hemmen, das Tumorwachstum bremsen und die Apoptose von Krebszellen fördern.
Eine weitere Laborstudie türkischer Forscher in „Gene“ sieht in Borsäure (neben Boraten die häufigste Form, in der Bor in der Natur vorkommt) einen vielversprechenden Therapieansatz bei Eierstockkrebs, da diese die Energieversorgung der Tumorzellen blockiert und den Zelltod fördert. Epidemiologische Studien deuten zudem darauf hin, dass eine Bor-reiche Ernährung mit einer signifikanten Verringerung des Risikos für Prostata-und Gebärmutterhalskrebs und einem deutlich geringeren Lungenkrebs-Risiko für rauchende Frauen einhergeht.
Auswertungen der Daten aus der US-Bevölkerungsstudie NHANES III zeigten, dass das Prostatakrebs-Risiko für Männer, die täglich über die Nahrung mehr als 1,8 Milligramm Bor aufnahmen, um 52 Prozent niedriger lag als bei Männern, die weniger als 0,9 Milligramm konsumierten. Auch die Wahrscheinlichkeit, eine gutartige Prostata-Vergrößerung zu entwickeln, scheint durch eine Bor-reiche Ernährung zu sinken. Vermutet wird, dass dabei die anti-oxidative und anti-entzündliche Wirkung von Bor (u.a. Senkung von Entzündungsbotenstoffen wie TNF-alpha, Interleukin-6 und auch des C-reaktiven Proteins) eine Rolle spielt.
Interessant zu wissen: Bor hat auch eine anti-parasitäre Wirkung, z.B. gegen den Erreger Trichomonas vaginalis, der im Verdacht steht, Gebärmutterhals-sowie Prostata-Krebs und gutartige Vergrößerungen zu begünstigen (siehe News vom 08.06.2026). Ebenso gilt Bor als wirksam gegen verschiedene Pilze (u.a. Fuß-, Nagelpilz, auch Candida albicans). Ob das aber eine Rolle in Sachen Krebsschutz spielt – unklar.
Bor beeinflusst den Hormonstoffwechsel, moduliert den Vitamin D-Stoffwechsel sowie die Spiegel von Kalzium und Magnesium (verhindert zu hohe Ausscheidung, ist deshalb wichtig für starke Knochen und Gelenke). Das Spurenelement steckt v.a. in pflanzlichen Lebensmitteln (u.a. Trockenfrüchte, Obst, Avocados, Erdnüsse, Hülsenfrüchte – aber auch in Kaffee…). Es gilt als nicht essentiell für Menschen – dennoch können bei einem Mangel vielfältige gesundheitliche Störungen auftreten. Bei Verdacht lässt sich der Bor-Gehalt im Blut und Urin messen.
Mehr dazu hier: News vom 08.02.2025
Quellen:
Yanar, S., Bal Albayrak, M. G., Kasap, M., Erman, G., Deveci Ozkan, A., & Sahin, F. (2025). Proteomic insights into the anti-cancer mechanisms of boron-based compounds in prostate cancer. Food Bioscience, 68, 106558. https://doi.org/10.1016/j.fbio.2025.106558
Cabus U, Secme M, Kabukcu C, Cil N, Dodurga Y, Mete G, Fenkci IV. Boric acid as a promising agent in the treatment of ovarian cancer: Molecular mechanisms. Gene. 2021 Sep 5;796-797:145799. doi: 10.1016/j.gene.2021.145799. Epub 2021 Jun 25. PMID: 34175401.
Müezzinoğlu, T., Korkmaz, M., Neşe, N. et al. Prevalence of Prostate Cancer in High Boron-Exposed Population: A Community-Based Study. Biol Trace Elem Res 144, 49–57 (2011). https://doi.org/10.1007/s12011-011-9023-z
Pizzorno L. Nothing Boring About Boron. Integr Med (Encinitas). 2015 Aug;14(4):35-48. PMID: 26770156; PMCID: PMC4712861.