Kürzlich am Timmendorfer Strand:
Mich blicken rund 160 Augen erst sehr konzentriert, dann begeistert, im Verlauf auch empört, später wissend und heiter an. Ich erzählte eine Geschichte. Meine Geschichte. Ich baue sie etwas dramaturgisch auf. Ich beginne bei dem Jungen Justus, stolpre über Nebenerzählungen, biege kurz in die Wissenschaft ab, zeige Bilder und Videos – und fasse diese Emotionen in Worten zusammen. Ich spreche vom „bösen“, vom Kämpfen, von legendären sportlichen Auseinandersetzungen, von Neid, Hass, Rache, und am Ende trotzdem von Versöhnung. Warum? Weil erst dann, erst am Ende dieser Geschichte jeder versteht, was hinter einen einzigen Meisterschaftsmedaille steckt.
Diese Geschichte erzähle ich jedes Jahr. Es ist eine Erzählung mit Märchencharakter. Ein Märchen aus dem Leistungssport. Der Leistungssport hat alles, was eine gute Gebrüder Grimm Geschichte so lesenswert macht: Helden und Bösewichte, schier unüberwindbare Hindernisse, Versuchungen und Verrat, bittere Niederlagen und wundersame Wendungen. Es gibt Neid und Missgunst, Mut und Entschlossenheit, den Kampf zwischen „Gut und Böse“. Ja und manchmal, manchmal sogar ein Happy End.
Natürlich endet auch der Vortrag mit entsprechender Mentalität. Denn was ist das Dankbarste an der Arbeit als Referent? Es ist das freudige, zugleich grübelnde Mienenspiel der Zuhörer zu begutachten, wenn der letzte Satz gesprochen ist. Trotzdem, so sehr man sich als Referent auch bemüht, wird man niemals jeden Zuhörer gleichermaßen erreichen.
Ein Mensch allerdings kam diesem Ideal meines Erachtens erstaunlich nahe. Deshalb stehen seine Worte auch am Ende meiner Vorträge. Denn letztlich geht es um etwas ganz Einfaches: die Freude an der menschlichen Natur. Am Menschen, der von Natur aus für Bewegung geschaffen ist. Und genau so sollte auch jede Geschichte hinter Medaillen und sportlichen Erfolgen maßgeblich davon geprägt sein.
Zum Schluss darf Ich zitieren:
„Es gibt sie wirklich,
die Welt der Mühelosigkeit,
die Welt der Leichtigkeit,
die Welt, in der der Mensch gewinnt, ohne sich anzustrengen.
Die Welt, in der Ihnen buchstäblich Flügel wachsen, in der Sie abheben, fliegen, Überblick haben, gewinnen mit innerer Heiterkeit.“
~ Dr. med. Ulrich Strunz