Das wichtige Gleichgewicht von GABA und Glutamat
Unser Gehirn ist ein Hochleistungsorgan. Jede Sekunde tauschen Milliarden von Nervenzellen Informationen aus steuern Gedanken, Emotionen, Bewegung und vegetative Funktionen. Damit dieses komplexe System stabil funktioniert, braucht es vor allem eines: Balance. Eines der wichtigsten inneren Gleichgewichte im Gehirn ist das Zusammenspiel der beiden Neurotransmitter Glutamat und GABA.
Glutamat ist der wichtigste erregende Neurotransmitter des zentralen Nervensystems. Rund 80–90 % aller synaptischen Erregungsübertragungen im Gehirn laufen über Glutamat.
Glutamat ist entscheidend für:
- Lernen und Gedächtnisbildung
- Aufmerksamkeit und Wachheit
- Informationsverarbeitung
- Neuroplastizität (Anpassungsfähigkeit des Gehirns)
Ohne Glutamat wäre unser Gehirn träge und kaum leistungsfähig. Doch wie bei vielen biologischen Systemen gilt: Zu viel des Guten ist problematisch.
GABA (Gamma-Aminobuttersäure) ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter. Seine Aufgabe ist es, neuronale Aktivität zu dämpfen und zu regulieren.
GABA sorgt für:
- Beruhigung und Entspannung
- Stressreduktion
- Schlafqualität
- emotionale Stabilität
- Schutz vor Übererregung der Nervenzellen
Man kann sich GABA als die natürliche Bremse vorstellen, die verhindert, dass das Gehirn dauerhaft im „Alarmmodus“ läuft. Ich nenne GABA auch das „natürliche Valium“.
Viele moderne Medikamente (z. B. Benzodiazepine, Antiepileptika, bestimmte Antidepressiva) greifen direkt oder indirekt in dieses System ein; ein Hinweis auf seine zentrale Bedeutung.
Gesundheitlich entscheidend ist nicht die absolute Menge eines Neurotransmitters, sondern das Verhältnis von Erregung (Glutamat) zu Hemmung (GABA). Nur wenn beide Systeme gut aufeinander abgestimmt sind, kann das Gehirn flexibel reagieren: aktiv, wenn Leistung gefragt ist, und ruhig, wenn Erholung nötig ist. Denn manchmal ist die wichtigste Fähigkeit unseres Gehirns nicht das Denken, sondern das Abschalten.
Ein Überwiegen von Glutamat oder eine verminderte GABA-Wirkung können zu einer chronischen Übererregung des Nervensystems führen. Die Folgen sind innere Unruhe, Ängste, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Stressintoleranz und Muskelverspannungen. Umgekehrt kann eine zu starke Hemmung von Glutamat zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsstörungen führen. Bei Kindern und Erwachsenen, die mit ADHS diagnostiziert wurden, messe ich oft einen Mangel an Glutamat (und nicht einen Mangel an Dopamin oder Noradrenalin, wie die Diagnose vermuten lässt).
Das GABA-Glutamat-System reagiert empfindlich auf äußere und innere Einflüsse. Häufige Störfaktoren sind:
- chronischer Stress (erhöht glutamaterge Aktivität)
- Schlafmangel
- Nährstoffmängel
- Alkohol
- Dauerhafte Reizüberflutung (Medien, Lärm, Multitasking)
Besonders bei langanhaltendem Stress kann das Gehirn in einen Zustand geraten, in dem die „Bremse“ nicht mehr ausreichend greift.
Ein leistungsfähiges Gehirn ist nicht permanent „aufgedreht“, sondern regulationsfähig. Das fein abgestimmte Zusammenspiel von Glutamat und GABA ermöglicht genau das: Konzentration ohne Überforderung, Wachheit ohne Dauerstress, Ruhe ohne Antriebslosigkeit. Wer seine mentale Gesundheit langfristig erhalten möchte, sollte nicht nur auf „mehr Leistung“, sondern auf neuronale Balance achten, durch ausreichend Schlaf, Stressreduktion, eine sehr gute Nährstoffversorgung (in diesem Fall sind besonders Zink, Vitamin B6, Magnesium und L-Glutamin von zentraler Bedeutung) und Meditation.
Es gibt die Möglichkeit, beide Neurotransmitter über einen einfachen Urintest zu bestimmen und bei einer gestörten Balance unterstützend einzugreifen.
Quellen:
Andersen JV, Schousboe A, Verkhratsky A, Waagepetersen HS.
The glutamate/GABA-glutamine cycle: insights, updates, and advances. J Neurochem. 2025;164(2):123–145.
doi:10.1111/jnc.70029
The interplay between GABA and glutamate in systems physiology and pathophysiology. Front Synaptic Neurosci. 2025;17:1656759.
doi:10.3389/fnsyn.2025.1656759
Über die Autorin:
"Kyra Kauffmann, Jahrgang 1971, Mutter zweier kleiner Söhne, Volkswirtin, seit 20 Jahren niedergelassene Heilpraktikerin, Buchautorin, Dozentin, Journalistin und seit 3 Jahren begeisterte Medizinstudentin.
Zur Medizin kam ich durch meine eigene schwere Erkrankung mit Anfang 30, bei der mir seinerzeit kein Arzt wirklich helfen konnte. („Ihre Werte sind alle super – es ist alles rein psychisch!“). Hilfe bekam ich von Heilpraktikern, die zunächst einmal eine wirklich gründliche Labordiagnostik durchgeführt haben, ganz nach dem Vorbild von Dr. Ulrich Strunz. Es war eine neue Welt, die sich mir eröffnete und die Erkenntnisse, haben mich sofort fasziniert (ohnehin bin ich ein Zahlen-Daten-Fakten-Fan und habe nicht umsonst das Studium der VWL gewählt). Die Begeisterung war so groß, dass ich meinen alten Beruf an den Nagel hängte und Heilpraktikerin wurde. Meine Praxis führe ich seit 20 Jahren mit großer Begeisterung und bin – natürlich - auf Labordiagnostik spezialisiert und kann so oft vielen Symptomen auf den Grund gehen. In 2 Jahren hoffentlich dann auch als Ärztin.
