Man stelle sich vor, es gäbe ein Öl, welches das Denkvermögen und die Gedächtnisfunktion verbessern, fiese Haut und Darmpilze vertreiben, die Insulinempfindlichkeit verbessern und schnelle Energie ganz ohne Kohlenhydrate liefern könnte...Gibt’s nicht? Gibt’s doch! Es heißt MCT-Öl.

„MCT“ steht für „Medium Chain Triglycerides“ (= Mittelkettige Fettsäuren). Diese Fettsäuren bestehen aus Ketten von sechs bis 12 Kohlenstoff-Atomen; je kürzer die Kette, desto schneller kann sie der Körper in Energie umwandeln. Diese Fette gelangen ohne Aufspaltung durch Gallensäuren oder Pankreas-Enzyme direkt über die Darmschleimhaut ins Blut und in die Leber. Dort werden Ketone gebildet, die die Blut-Hirnschranke passieren und im Oberstübchen als „alternativer Treibstoff“ genutzt werden können.

Zu den MCT-Fetten zählen Capronsäure (6 C-Atome), Caprylsäure (8 C-Atome), Caprinsäure (10 C-Atome) und Laurinsäure (12 C-Atome). In der Natur kommen sie isoliert nicht vor; sie werden deshalb meist aus Kokosfett gewonnen. Einige dieser mittelkettigen Fettsäuren (allen voran Capryl-und Caprinsäure) entfalten offenbar eine so positive Wirkung auf das Mikrobiom und das Gehirn, dass mancher Industriezweig sich wünschen würde, er hätte sie erfunden und patentiert. Hier ein kleiner Überblick.

Gehirn-Booster

Die tägliche Dosis MCT-Öl (C8, C10, 12 Gramm/Tag) pusht die geistige Performance auch bei jungen gesunden Erwachsenen im Vergleich zu einem kohlenhydrathaltigen Placebo-Gel schon nach 2-3 Wochen messbar – fünfwöchige randomisiert-Placebo-kontrollierte Studie von britischen Forscher im Journal „Physiology & Behavior“. Auch bei Älteren mit Alzheimer scheinen die Fette zu helfen: In einer 15 monatigen randomisiert-kontrollierten Crossover-Studie der kanadischen University of Alberta in Edmonton bewirkten täglich 1,8 Esslöffel/42 Gramm MCT-Öl (mit Caprylsäure, C8) bei 80 Prozent der Probanden nach sechs Monaten eine Stabilisierung oder deutliche Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten. Noch besser waren die Resultate nach neun Monaten.

Pilz-Schreck

Kleienpilz-Flechte (Pityriasis), verursacht durch den Hefepilz Malassezia und Auslöser von u.a. seborrhoischer Dermatitis, Kopfschuppen, Akne-, Rosacea- oder Vitiligo-ähnlichen Hauterscheinungen sowie oft beteiligt an Blepharitis (Lidrand-Entzündung der Augen), ist eine oft therapie-resistente Pilz-Plage. Dermatologen der Universität Gießen fanden bereits1999 heraus: MCT-Fettsäuren (C6-C10) sind die einzigen Fettsäuren, die der Talg-und Hautfett-futternde Hefepilz nicht verstoffwechseln kann – sie wirken toxisch und hemmen seine Vermehrung. Aber Achtung: Das gilt nicht für die Laurinsäure (C12) aus Kokosöl.

Auch gegen übermäßiges Candida-Wachstum im Darm scheinen die MCT-Fette zu helfen: Bei Frühgeborenen hemmte in einer Studie vor allem die Caprinsäure (C10) in MCT-Öl die Candida-Überwucherung.

Diabetes & Übergewicht

MCT-Öl (C8, C10) verbessert die die Insulin-Empfindlichkeit der Zellen und die Glukosetoleranz Studien zufolge signifikant, fördert die Stabilisierung des Blutzuckerspiegels und die Gewichtsreduktion, da dieses Fett nicht in der Leber gespeichert, sondern in Energie umgewandelt und zur Fettverbrennung genutzt wird. 2007 zeigte eine randomisierte US-Pilotstudie der Boston University School of Medicine mit 40 moderat übergewichtigen Typ II-Diabetikern: Im Vergleich zu Maisöl verbesserte MCT-Öl (18g/Tag) in 90 Tagen die Insulinsensitivitä, den Taillenumfang und die Gewichtsabnahme infolge erhöhter Sättigung deutlich – und senkte auch noch das Gesamtcholesterin... Seither sind klinische Studien zum Thema eher rar geworden.

Das ist nur ein kleiner Teil der heilsamen Wirkungen der MCT-Fettsäuren. Deren Wirkung, insbesondere was die Gehirngesundheit angeht, sind so beachtlich, dass sogar das US-Magazin „Forbes“ das Thema aufgegriffen hat. Und noch meine zwei Cent dazu: MCT-Öl gehört meiner Auffassung nach in jede Hausapotheke. Schon als Prävention. One Tablespoon a day keeps the doctor away...




Quellen:

https://www.forbes.com/health/supplements/what-is-mct-oil/

Carolina B Castro, Cintia B Dias, Heidi Hillebrandt, Hamid R Sohrabi, Pratishtha Chatterjee, Tejal M Shah, Stephanie J Fuller, Manohar L Garg, Ralph N Martins, Medium-chain fatty acids for the prevention or treatment of Alzheimer’s disease: a systematic review and meta-analysis, Nutrition Reviews, Volume 81, Issue 9, September 2023, Pages 1144–1162, https://doi.org/10.1093/nutrit/nuac104

Ashton JS, Roberts JW, Wakefield CJ, MacLaren DPM, Marwood S, Malone JJ. Medium chain triglycerides with a C8:C10 ratio of 30:70 enhances cognitive performance and mitigates the cognitive decline associated with prolonged exercise in young and healthy adults. Physiol Behav. 2023 Oct 1;269:114284. doi: 10.1016/j.physbeh.2023.114284. Epub 2023 Jun 30. PMID: 37394051.

Mayser, P., Mach, K., & Papavassilis, C. (1999). Medium-chain triglycerides inhibit growth of Malassezia: Implications for prevention of systemic infection. Critical Care Medicine, 27(9), 1781–1786.

Arsenault AB, Gunsalus KTW, Laforce-Nesbitt SS, Przystac L, DeAngelis EJ, Hurley ME, Vorel ES, Tucker R, Matthan NR, Lichtenstein AH, Kumamoto CA, Bliss JM. Dietary Supplementation With Medium-Chain Triglycerides Reduces Candida Gastrointestinal Colonization in Preterm Infants. Pediatr Infect Dis J. 2019 Feb;38(2):164-168. doi: 10.1097/INF.0000000000002042. PMID: 29596218; PMCID: PMC6604858.

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