Rettet den Meniskus! Einmal mehr hat eine Studie, in diesem Fall die „FIDELITY STUDY“ (Finnish Degenerative Meniscal Lesions Study) der finnischen Universität Helsinki, gezeigt: Leichtfertige Eingriffe am Meniskus, bei denen schnell wegen vermeintlicher Verschleißerscheinungen Teile des Gelenkknorpel im Knie entfernt oder endoskopisch glatt geschliffen werden („Meniskusglättung), schaden meist mehr als sie nutzen und könnten sogar zu stärkerem Gelenkverschleiss führen – selbst die Resultate einer Schein-Operation sind langfristig besser.
Das ist zumindest das Ergebnis einer zehnjährigen randomisierten klinischen Studie eines finnischen Forscherteams, deren aktuelle Ergebnisse sie gerade als Brief im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichten. In die Studie waren zwischen 2007 und 2013 insgesamt 146 Probanden eingeschlossen worden, die im Schnitt 52 Jahre alt waren, mehr als drei Monate Schmerzen hatten und bei denen es klinische Hinweise auf einen Riss im Innenmeniskus gab.
Die Probanden wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt: 70 Patienten wurden operiert und die Chirurgen entfernten geschädigtes Meniskusgewebe, die übrigen 76 erhielten eine Scheinoperation, bei denen der lädierte Meniskus unangetastet blieb. Nach einer zehnjährigen Nachbeobachtung stellten die finnischen Ärzte fest: Die Patienten mit der Schein-Operation hatten deutlich weniger Schmerzen, seltener eine fortgeschrittene Kniearthrose und auch bessere Kniefunktionen im Vergleich zu den tatsächlich am Meniskus operierten Teilnehmern. Und: Acht der 70 tatsächlich operierten Knie-Patienten benötigten später ein künstliches Kniegelenk – aber nur drei der Probanden, die sich in der Studie einem Schein-Eingriff unterzogen hatten…
„Diese Operation basiert auf der Annahme, dass der Knieschmerz durch den Riss im Meniskus verursacht wird, was man chirurgisch beheben kann“, sagt Erstautor Raine Sihvonen, Orthopäde und Traumatologe am finnischen Pihlajalinna Kelloportti Hospital in Tampere. „Aber in diesem Fall hält diese Annahme einer kritischen Untersuchung nicht stand.“
PS: Rund 500.000mal unterzieht sich in Deutschland ein Patient einer solchen Meniskus-Teilentfernung. Das Geschäft brummt, von den potentiellen Risiken möchte kaum jemand etwas hören. Die Kosten können für Selbstzahler mehrere tausend Euro betragen. Dabei wäre es doch viel gesünder und preiswerter, mit Bewegung die Kniemuskulatur zu stärken, den Meniskus zu entlasten und dem Schmerz einfach davonlaufen (lesen Sie dazu auch hier: https://www.strunz.com/news/meniskus.html).
Mein Senf dazu: Mein Meniskus bestätigt die Studie! Vor vielen Jahren hatte ich mir bei einem Reitunfall das Knie verdreht – großes Aua… Ein konservativer Orthopäde drehte, tastete und vermutete ganz ohne Kernspin einen Meniskusanriss – und verordnete „zunächst“ mal einen Gips (damals noch in Mode). Als der Gips ab war, kaufte ich mir eine elastische Kniebandage mit Aussparung der Kniescheibe und trainierte das dünn gewordene schwächliche Bein durch Gehen und Laufen. Ergebnis: Schon nach wenigen Wochen spürte ich selbst bei Knie-Drehungen nichts mehr von einem zwackenden Kniegelenk – und das ist bis heute so geblieben! Viele Jahre später zeigte ein Kernspin vom Knie einem staunenden Orthopäden: „Oh, Sie hatten wohl mal einen Meniskus-Abriss?“ Tja, und den abgerissenen Teil hatte der Körper effektiv und preisgünstig selbst vollständig abgebaut...
Quellen:
Roope Kalske, Raine Sihvonen, Mika Paavola, Antti Malmivaara, Ari Itälä, Antti Joukainen, Juha Kalske, Heikki Nurmi, Pirjo Toivonen, Niko Sillanpää, Tommi Kiekara, Aleksandra Turkiewicz, Martin Englund, Simo Taimela, Teppo L.N. Järvinen. Arthroscopic Partial Meniscectomy for Degenerative Tear — 10-Year Outcomes. New England Journal of Medicine, 2026; 394 (17): 1757 DOI: 10.1056/NEJMc2516079t
https://www.sciencedaily.com/releases/2026/05/260505234603.htm