Seit Jahrzehnten raten Ärzte zu reduziertem Salzkonsum bei Bluthochdruck. Das hat sich so sehr in die Gehirne eingebrannt, dass es als Selbstverständlichkeit hingenommen wird. Fast niemand hinterfragt diese Annahme. Glücklicherweise gibt es aber Wissenschaftler, die genauer hinsehen. Mehrere kontrollierte Studien an Menschen zeigen inzwischen, dass eine stark salzarme Ernährung den Bluthochdruck nicht senkt, sondern ihn sogar verstärken kann. Der Grund liegt in der Insulinresistenz.


Warum wenig Salz insulinresistent macht
Wenn wir sehr wenig Salz essen, gerät der Körper in Alarmbereitschaft. Er aktiviert ein hormonelles Notfallsystem, das Salz und Wasser zurückhalten soll. Dabei steigen Stresshormone und bestimmte Botenstoffe an. Diese Hormone stören die Wirkung von Insulin in Muskel und Leber. Die Zellen reagieren schlechter auf das wichtige Hormon. Eine bestehende Insulinresistenz wird dadurch verstärkt, wenn noch keine Insulinresistenz vorhanden war, kann die Reduktion des Salzkonsums zu einer führen.

Steigt das Insulin im Blut, wie bei einer Insulinresistenz üblich, wirkt sich das auf die Nieren aus. Es sorgt dafür, dass mehr Natrium und Wasser im Körper zurückgehalten werden. Zuerst steigt das Blutvolumen und dann der Blutdruck. Genau das wollte man mit der Salzreduktion eigentlich verhindern.


Aktuelle Studie aus Malaysia
In einer sehr interessanten Studie mit 51 gesunden jungen Männern wurde die eine Hälfte der Teilnehmer eine Woche lang einer stark salzarmen Ernährung mit weniger als 50 mmol Natrium pro Tag unterzogen, während die andere Hälfte eine salzreiche Ernährung mit über 165 mmol pro Tag erhielt. Der Blutzucker blieb in beiden Phasen praktisch gleich. Entscheidend war jedoch das Insulin. Unter der salzarmen Kost stieg das Nüchterninsulin deutlich an, ebenso der HOMA-IR als Maß für die Insulinresistenz. Weniger Salz führte trotz unverändertem Blutzucker zu einer messbar schlechteren Insulinwirkung. Die Autoren folgern daraus, dass eine sehr starke Natriumreduktion die Insulinsensitivität bei gesunden Menschen nicht verbessert, sondern eher verschlechtert. Das Gleiche gilt für Personen mit Bluthochdruck oder Insulinresistenz.


Hohe Natriumwerte sind oft ein Regulationsproblem
Erhöhte Natriumwerte im Körper werden häufig als Beweis für zu viel Salz in der Nahrung gewertet. Das ist jedoch häufig gar nicht der Fall, viel wahrscheinlicher eine Fehlregulation.

Bei Insulinresistenz arbeitet die Niere anders. Durch dauerhaft erhöhte Insulinspiegel wird Natrium stärker zurückgehalten. Zusätzlich verändert sich das Zusammenspiel verschiedener Hormone, die normalerweise für ein Gleichgewicht sorgen. Das Problem ist also nicht primär die Salzzufuhr, sondern der gestörte Stoffwechsel.


Die eigentliche Stellschraube
Wer Bluthochdruck ursächlich angehen möchte, sollte die Insulinresistenz verbessern. Weniger schnell verfügbare Kohlenhydrate, mehr Bewegung, mehr Muskelaktivität. Das senkt den Insulinspiegel, normalisiert die Nierenfunktion und bringt das hormonelle System wieder ins Gleichgewicht.



Quellen:

Aye NN, Oo AM, Lwin O, Oo MS, Myint KT, Yee YT, Maw MM, Han M, Aung TT, Khin PP, Thwin MM. The impact of low and high salt intake on insulin resistance in healthy individuals. Biomed Pharmacol J. 2025;18(4). DOI : https://dx.doi.org/10.13005/bpj/3325



Über die Autorin:

"Dr. Kristina Jacoby arbeitet seit 2014 Dr. U. Strunz bei der Erstellung seiner Bücher zu. Besonders fasziniert ist sie von den physiologischen Abläufen im Organismus sowie den Möglichkeiten diese mit Lebensstilveränderungen positiv zu beeinflussen.
Physiologie und Genetik waren ihre Schwerpunkte in ihrem Biologie-Studium, welches sie 2002 abschloss. Von 2004 bis 2010 studierte und promovierte sie an der Deutschen Sporthochschule Köln. Seit 2008 beschäftigt sie sich intensiv mit Meditation und praktiziert täglich.

Das sagt sie selbst zu Ihrer Tätigkeit:

„Jede Krankheit basiert auf Schieflagen im Organismus, die man aufspüren und verändern kann. Davon bin ich überzeugt. Mittlerweile gibt es etliche wissenschaftliche Veröffentlichungen, die das bestätigen. Leider ist das Wissen noch nicht in den Arztpraxen angekommen. Daher möchte ich dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen von diesen Möglichkeiten der Heilung erfahren und in die Lage versetzt werden, sie umzusetzen.“"


Das Bild zeigt ein Porträt der News-Autorin Dr. Kristina Jacoby.