Wieder einmal etwas dazugelernt, und wieder einmal ein zusätzliches Argument für Ausdauer-Training wie Joggen, Biken oder Walken entdeckt: Regelmäßiges aerobes Training kräftig nicht nur, was hinlänglich bekannt ist, das Herz – es verkabelt quasi dessen Elektrik neu, indem es die Herzschlag-steuernden autonomen Nerven neu verschaltet und sie unterschiedlich auf der rechten und linken Seite des Herz-Nervensystems beeinflusst.
Zu dieser Erkenntnis kamen Forscher der britischen Universität Bristol (UK) in einer Tierstudie mit Ratten, die im Journal „Autonomic Neuroscience“ publiziert wurde. Nach zehnwöchigem moderaten Training untersuchten die Wissenschaftler mithilfe einer hochauflösenden 3D-Bildgebung die so genannten Stellatum-Ganglien, die das Herz steuern. Dabei entdeckten sie bei den Tieren auffällig asymmetrische Veränderungen in eben diesem Herz-Nerven-Netzwerk, das im unteren Nacken und oberen Brustbereich beim Menschen angesiedelt ist.
Verglichen mit den „unsportlichen“ Tieren fanden sich bei den trainierten Versuchstieren auf der rechten Seite des Nervennetzwerks viermal so viele Nervenzellen im Vergleich zu den untrainierten Ratten. Auf der linken Seite dagegen hatten sich die Nervenzellen fast auf das Doppelte vergrößert– während sie sich auf der rechten Seite verkleinerten.
Die Forscher erklären sich das Phänomen damit, dass aerobes Training wie ein Dimm-Schalter auf das Nervennetzwerk des Herzens wirkt – und dass diese „Umschaltung“ erklären könne, warum sportliche Menschen seltener unter Herzrhythmusstörungen litten.
Leitautor Dr. August Coppi von der University Bristol sagte gegenüber der Plattform „Science Daily“, diese Entdeckung enthülle ein bislang verkanntes „Rechts-Links“-Muster im Herz-spezifischen „Autopilot-System“ des Körpers.
Zu ähnlichen Erkenntnissen war bereits 2003 ein kanadisches Forscherteam der Simon Fraser University in Burnaby, British Columbia, in einem Review in „Sports Medicine“ gekommen: Sie hatten u.a. herausgefunden, dass langfristiges Ausdauertraining im Ruhezustand zu einer signifikanten Änderung der autonomen Herzsteuerung führt, indem die parasympathischen Nerven aktiver (Vagus-Tonus) und die Aktivität der sympathischen Nerven (Kampf-oder-Flucht-Modus) geringer wird. Und: Nimmt im Alter die Aktivität der parasympathischen Nerven ab (und es wird weniger Acetylcholin im Herzen produziert), lässt sich mit Ausdauersport gegensteuern.
Fazit: Es ist höchste Zeit, die Laufschuhe zu schnüren...
Quellen:
Fernando Vagner Lobo Ladd, Aliny Antunes Barbosa, Renato Albuquerque de OliveiraCavalcanti, Larissa Freitas, Reinaldo Barreto Oriá, Ricardo Mario Arida, Mariana Pereira deMelo, Andrzej Loesch, A. Augusto Coppi. Asymmetric neuroplasticity in stellate ganglia:Unveiling side-specific adaptations to aerobic exercise. Autonomic Neuroscience, 2025;262: 103338 DOI: 10.1016/j.autneu.2025.103338
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1566070225001006
Carter, J.B., Banister, E.W. & Blaber, A.P. Effect of Endurance Exercise on Autonomic Control of Heart Rate. Sports Med 33, 33–46 (2003). https://doi.org/10.2165/00007256-200333010-00003