Viele Menschen schlucken Eisen und wundern sich, warum der Ferritinwert trotzdem nicht steigt. Verantwortlich für dieses Problem ist häufig ein bestimmtes Hormon namens Hepcidin.


Hepcidin, der Wächter über das Eisen
Hepcidin wird in der Leber gebildet und steuert, wie viel Eisen aus dem Darm ins Blut gelangt und wie viel aus den Speichern freigesetzt wird. Es bindet an Ferroportin, das ist das Transportprotein, über das Eisen aus Darmzellen und Makrophagen ins Blut abgegeben wird. Wird Ferroportin durch Hepcidin blockiert, bleibt das Eisen in den Zellen gefangen und geht beim natürlichen Zellverlust verloren. Im Blut kommt weniger an.

Ein klassischer Auslöser für erhöhtes Hepcidin sind chronische Entzündungen. Die Zytokine IL-6 und IL-1β aktivieren die Hepcidinproduktion. Auch bakterielle Bestandteile, sogenannte LPS, treiben Hepcidin stark nach oben. LPS sind Bestandteile der Zellwand gesundheitsschädlicher Bakterien. Bei einer Ernährung, die viele einfach aufgebaute Kohlenhydrate enthält, vermehren sich solche Keime verstärkt. Ist die Darmschleimhaut durchlässig, man spricht von Leaky Gut, gelangen LPS in den Blutkreislauf. Das Immunsystem reagiert alarmiert. Es schüttet IL-6 und IL-1β aus. Diese Botenstoffe erhöhen Hepcidin. Das ist ursprünglich ein Schutzmechanismus um Bakterien auszuhungern, denn Bakterien brauchen Eisen. Chronisch aktiviert führt er jedoch dazu, dass die Eisenaufnahme dauerhaft gebremst wird.


So entsteht ein Teufelskreis. Dysbiose fördert LPS. LPS fördern Entzündung. Entzündung erhöht Hepcidin. Hepcidin blockiert Eisen.

Aber nicht nur chronische Entzündungen und Darmprobleme hindern die Eisenaufnahme, auch psychischer Stress spielt hinein. Über die Aktivierung der HPA-Achse steigt die Ausschüttung von Glukokortikoiden. Diese fördern über IL-6 wiederum die Hepcidinbildung. Chronischer Stress kann so indirekt die Eisenverwertung sabotieren.

Ein weiterer Baustein ist Vitamin A. Ein Mangel begünstigt entzündliche Prozesse und erhöht IL-6 sowie IL-1β. Dadurch steigt ebenfalls Hepcidin. Der Körper bleibt im Alarmmodus.


Erst Darmheilung, Stressreduzierung und gegebenenfalls Vitamin A – dann Eisen
Wenn Eisen trotz oraler Supplementierung nicht steigt, lohnt es sich, den Fokus zu verschieben. Zuerst die Darmgesundheit stabilisieren, Dysbiose und Leaky Gut angehen. Psychischen Stress reduzieren, Magnesium ausreichend zuführen, um das Stresssystem zu beruhigen und Cortisol besser abzubauen. Und prüfen lassen, ob genügend Vitamin A vorhanden ist, damit die entzündlichen Zytokine nicht zusätzlich angefacht werden.



Quellen:

Ganz T. Hepcidin, a key regulator of iron metabolism and mediator of anemia of inflammation. Blood. 2003;102(3):783-788. doi:10.1182/blood-2003-03-0672 Ruchala P, Nemeth E. The pathophysiology and pharmacology of hepcidin. Trends Pharmacol Sci. 2014;35(3):155-161. doi:10.1016/j.tips.2014.01.004




Über die Autorin:

"Dr. Kristina Jacoby arbeitet seit 2014 Dr. U. Strunz bei der Erstellung seiner Bücher zu. Besonders fasziniert ist sie von den physiologischen Abläufen im Organismus sowie den Möglichkeiten diese mit Lebensstilveränderungen positiv zu beeinflussen.
Physiologie und Genetik waren ihre Schwerpunkte in ihrem Biologie-Studium, welches sie 2002 abschloss. Von 2004 bis 2010 studierte und promovierte sie an der Deutschen Sporthochschule Köln. Seit 2008 beschäftigt sie sich intensiv mit Meditation und praktiziert täglich.

Das sagt sie selbst zu Ihrer Tätigkeit:

„Jede Krankheit basiert auf Schieflagen im Organismus, die man aufspüren und verändern kann. Davon bin ich überzeugt. Mittlerweile gibt es etliche wissenschaftliche Veröffentlichungen, die das bestätigen. Leider ist das Wissen noch nicht in den Arztpraxen angekommen. Daher möchte ich dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen von diesen Möglichkeiten der Heilung erfahren und in die Lage versetzt werden, sie umzusetzen.“"


Das Bild zeigt ein Porträt der News-Autorin Dr. Kristina Jacoby.