Neun Prozent Körperfett als Frau? Puh, kaum vorstellbar. Das ist in etwa das, was man sagt, dass Bodybuilderinnen hätten. Aber sicher möglich.
Nur ... der Körperfettanteil ist im Prinzip auch nur eine Zahl, wie das Gewicht, der BMI, das waist to hip ratio, der Bauchumfang und so weiter. Und als solche sind diese Werte individuell verschieden (zum Teil gibt es auch genetisch bedingte Grenzen), weil auch die Menschen individuell verschieden sind. Sie eignen sich daher nur eingeschränkt, um Menschen und vor allem deren Gesundheitszustand untereinander zu vergleichen. Sehr wohl sind sie aber tauglich, um für diesen einen Menschen eine Trendbeobachtung zu ermöglichen. Damit er/sie sehen kann, in welche Richtung es geht. Falls Deine Waage tendenziell unrealistisch niedrige Fettwerte anzeigen sollte, so kannst Du noch immer qualitative Aussagen für Dich treffen. "Wie geht´s mir, wenn meine Waage ´9%´ anzeigt, wie fühle ich mich hingegen bei ´12%´ auf derselben Waage?" Und so weiter. Aber Du darfst nicht Deine "9%" mit jenen "25%" vergleichen, die vielleicht Deine Freundin mit einer ganz anderen Waage für sich ermittelt hat. Vor allem aber sollte sich dann nicht Deine Freundin mit DIR vergleichen :-). Das könnte ziemlich frustrierend für sie sein ("pfffff, 9 Prozent, die Alte spinnt ja wohl!")
Was ein guter, ein (noch) gesunder Körperfettanteil ist, lässt sich daher nur individuell beurteilen. Wenn man glaubt, mann müsse unbedingt "einstellig" sein, weil das Leben anderenfalls sowieso keinen Sinn mehr hätte, oder wenn Mann glaubt, man müsse unbedingt unter sechs Prozent haben, um die 500PS des Autos vom verhassten Nachbarn irgendwie kompensieren zu können, dann ist bereits die Setzung dieses Ziels ungesund.
Es hat jedenfalls überhaupt keinen Sinn, Dir da eine Zahl zu nennen. Was Du aber machen kannst (und scheinbar eh schon gemacht hattest), ist, dass Du Dich einfach frägst, bei welchem Wert Du Dich noch wohl (besser: am wohlsten) fühlst. Bist Du glücklich, fühlst Du Dich energiegeladen, gesund, resilient (widerstandsfähig; fähig, Krisen zu meistern)? Hast Du Freude an Deinem Leben, hast Du eine ausreichend "dicke Haut", trägst Du vorrangig positive Gedanken in Dir? Möchtest Du der Welt einen Haxn ausreißen? Fühlst Du Dich straff, ja direkt geil? Und zusätzlich bei Frauen vor dem Wechsel: läuft Dein Zyklus rund (oder zumindest so, wie immer schon)? Wenn Du all das im Prinzip sagen kannst, dann denke ich, hast Du den richtigen Wert erreicht. Was für eine Ziffer das dann konkret ist ... völlig wurscht. Und wenn Dein Arzt, der Dich eben ausschließlich anhand dieser Ziffer beurteilt und mit dem Durchschnitt all derer, die den Weg in seine Praxis finden, vergleicht, meint, das wäre ungesund (weil Du nach unten aus dem Rahmen fällst),... wer kennt Dich und Deine Gefühlslage besser? Genau, DU! Wenn Du allerdings beim Arzt warst, weil Deine Regel plötzlich ausblieb oder komplett durcheinander geriet, obwohl Du noch jung (bzw. nicht schwanger) bist, ja, dann hätte er vielleicht nicht ganz unrecht.
Es geht also darum, wie DU DICH fühlst, wo Du Dich wohlfühlst. Aber Achtung: wir wissen natürlich, dass es Krankheitsformen gibt, die durch ein gestörtes Selbstbild geprägt sind. Bei denen sich Menschen, die - objektiv betrachtet und nicht bloß am Durchschnitt gemessen - viel zu dünn sind, immer noch als zu dick empfinden (und den umgekehrten Fall, wo eindeutig dicke Menschen immer noch meinen, eh schlank oder zumindest normal zu sein). Das muss man natürlich ausschließen. Wenn Du Dich nur wohl fühlst, wenn Du wieder alles erbrichst, was Du gegessen hast,... in diesem Fall scheitert dann meine Theorie der "Selbstbeobachtung". Weil die Selbstwahrnehmung hier nicht funktioniert. Da diese Frauen aber aufgrund der extremen (Nicht)Ernährungsgewohnheiten eine äußerst schlechte Körperzusammensetzung haben ("skinny fat" sind - also bloß äußerlich dünn sind, aber Fettanteile oft im Bereich über 20 Prozent haben), gehe ich mal davon aus, dass das - Waage hin oder her - nicht auf Dich zutrifft.
Wenn Du Dich damals "so unglaublich wohl fühltest" (und vielleicht obendrein die meisten der von mir skizzierten Wohlfühl-Indizien zutrafen), dann war das schon mal alles andere als ein schlechter Wert :-).
Vielleicht finden sich aber auch noch Leute, die Dir eine konkrete Zahl nennen können. Ich kann´s - und will´s - nicht ;-).