22.08.2015
Danke, Irene! Und gern geschehen ;-)! Ich glaub nicht immer alles, was man sich heutzutage so erzählt, insbesondere dann nicht, wenn es allem, was bisher als „gesichert“ galt, widerspricht und in populäre Allgemeinmedien Einzug findet. Drum verlasse ich mich bei solchen Themen nicht gerne aus Informationen aus dritter, vierter, fünfter Hand, sondern lese zuweilen selbst.
Dich als Frau könnte noch ein Punkt interessieren, der mir in der Studie aufstößt:
In die Studie (oder zumindest in die veröffentlichte Auswertung) wurden bekanntlich 10 Männer und 9 Frauen aufgenommen. Jetzt wissen wir natürlich alle, dass Männer und Frauen gleich (gleichwertig) sind, aber in Bezug auf diese Studie sind Mann und Frau eben NICHT gleich. Denn Frauen haben so etwas wie einen Zyklus. Zumindest bei den Studienteilnehmerinnen kann man bei einem Durchschnittsalter von 32,7 Jahren ( +/- 2,78 Jahre ) annehmen, dass sie einen Zyklus hatten.
Jetzt weiß aber wohl jeder, dass die Fähigkeit, Fett (Wasser, Glykogen,…) zu speichern bzw. umgekehrt loszuwerden, bei Frauen auch stark zyklusphasenabhängig ist bzw. durch den Einfluss von hormonellen Verhütungsmitteln ebenfalls beeinflusst wird. Das mag jetzt über einen längeren Betrachtungszeitraum (zumindest über ein, zwei volle Zyklen) bei jenen Damen, die nicht mittels Hormonbeeinflussung verhüten, nicht so relevant sein. Sehr wohl aber, wenn man lediglich so einen kurzen Beobachtungszeitraum von gerade mal SECHS Tagen hat!
Die 17 StudienautorInnen (davon übrigens rund die Hälfte weiblich) äußern sich hierzu nicht. Sie sagen lediglich mal, dass die Unterschiede zwischen Mann und Frau berücksichtigt worden seien. Aber nicht wirklich, wie. Mich interessiert aber sehr wohl, ob die weiblichen Probanden in Bezug auf ihre jeweilige Zyklusphase während der Versuchsdurchführung über den weiblichen Zyklus gleichmäßig verteilt waren, oder ob sich diese – gewollt oder ungewollt – alle in einer ganz bestimmten Phase „häuften“. Jetzt weiß ich zwar, dass die Zyklusphasen Einfluss haben und man in manchen Phasen sensibler auf Carbs und/oder Fett reagiert als in anderen (in welche Richtung auch immer), aber ich weiß nicht, welche das sind. Wenn jemand das aber weiß, dann könnte er doch ganz bewusst Frauen in das Experiment aufgenommen haben, die sich während der sechs Tage in einer ganz bestimmten Phase ihres Zyklus befanden. Ich will da absolut nichts unterstellen, aber ich denke, es wäre eine Erwähnung wert gewesen, wie man mit diesem Thema umgegangen ist.
Im Zuge der Studie mussten ja alle Probanden (männlich und weiblich) zwei Durchläufe absolvieren. Die eine, zufällig ausgewählte, Hälfte begann mit 5 Tagen „baseline diet“ gefolgt von 6 Tagen KH-Reduktionsdiät, woran sich 2 bis 4 Wochen sog. „washout-Phase“ anschlossen, bevor zum nächsten Zyklus übergegangen wurde, nämlich 5 Tage „baseline diet“ gefolgt von diesmal 6 Tagen Fettreduktionsdiät. Die andere Hälfte machte es genau umgekehrt herum. Also erst Fettreduktion nach „baseline diet“ und nach 2 bis 4 Wochen „washout“ dann „baseline diet“ mit anschließender KH-Reduktionsdiät. Und da machen mich diese „2 bis 4“ Wochen „washout-Phase“ schon wieder stutzig. Hat man darauf geachtet, dass die einzelne Frau in beiden Diätphasen jeweils in der gleichen Phase ihres jeweiligen Zyklus gewesen ist (was bei einer „washout-Phase“ von rund 17 bis 18 Tagen bei den Frauen annähernd gewährleistet gewesen wäre) und die Frauen obendrein gleichmäßig über die Zyklusphasen verteilt waren? Dann wären aggregierte Ergebnisse weitgehend zulässig gewesen (die Frage der „Pille“ bliebe aber noch immer). Vielleicht haben die Studienautoren das ja genau so gemacht und die Männer – zwecks gleichmäßiger Auslastung der Laborausstattung – dazwischen geschummelt, dann würden sich diese „2 BIS 4 Wochen“ erklären lassen. Nur leider sagen die Studienautoren dazu überhaupt nichts. Bei einem Fettverlustvorteil von lediglich 60 Gramm nach sechs Tagen finde ich das aber sehr relevant. Insbesondere dann, wenn in den finalen Auswertungstabellen Männer und Frauen vermantschgert (zusammengefasst) werden. Und ja, ich weiß schon, dass die Zykluslänge sehr variieren kann. Bei stark Übergewichtigen vielleicht sogar ganz besonders stark. Nur … wurde das eben berücksichtigt? Darauf hätte man leicht und platzschonend hinweisen können.
Ein weiterer Punkt: 19 Personen (zehn Männer und neun Frauen) begannen die Studie (n=19). Aber in die Endauswertung fanden nur noch 17 Personen Einzug (n=17). Soll vorkommen. Jedoch geben die Autoren lediglich zu einem „Ausfall“ Auskunft. Eine Frau zeigte demnach beim DXA-Scan (Körperfettmessung) derart ungewöhnliche Werte, dass sie für die Auswertung nicht herangezogen wurde. Leider sagen die Autoren nicht, in welche Richtung ihr Körperfettanteil „aus dem Rahmen gefallen war“. Vielleicht war sie ja aufgrund ihres Zyklus die Einzige, die die „richtigen“ Ergebnisse zeigte (wieder keine Unterstellung!). Ebenso verschweigen die Autoren, was mit der 19. Person, dem zweiten „Ausfall“ geschah. War das ebenfalls eine Frau? Die sich vielleicht in einer ganz speziellen Zyklusphase befand und daher extrem viel abspeckte oder zulegte? Oder wurde ihr/ihm bloß das sicher anstrengende Laborexperiment zu anstrengend? Oder wie oder was? Leider findet sich hierzu keine Aussage. Das wäre alles kein Thema, wenn man nicht Frauen und Männer in der veröffentlichten Endauswertung zusammengemischt hätte. Hätte man es getrennt, so wie auch in der einleitenden Tabelle, wo Männer und Frauen mit ihren Werten während der „baseline diet“ ja brav separat aufgeführt wurden, dann hätte man vielleicht gesehen, dass man mit dieser Versuchsanordnung zumindest für Frauen nichts aussagen kann (etwas, was ich für meinen Teil auch erwarten würde). Oder man hätte – unbeabsichtigt, per Versehen quasi - neuerlich beweisen können, dass es für Frauen in Bezug auf Fettreduktion eine zumindest kurzfristige Abhängigkeit von Zyklusphasen gibt (so man über die jeweiligen Phasen, in denen sich die Teilnehmerinnen befanden, überhaupt Buch geführt hat). Das wäre jedenfalls ein brauchbareres Ergebnis gewesen, als dieses „Calorie for Calorie, Dietary Fat Restriction Results in More Body Fat Loss than Carbohydrate Restriction in People with Obesity“. Wenn man aber Männer und Frauen verquirlt,… ?
Ein weiterer Punkt: die Frauen (32,7 Jahre +/- 2,78 Jahre) waren im Schnitt um fünf Jahre jünger als die Männer (37,7 Jahre +/- 2 Jahre). Die Abweichung zeigt, dass wohl (fast) alle Frauen jünger waren, als selbst der jüngste Mann. Warum? Wenn man nun aus zahlreichen anderen Studien weiß, dass insbesondere Frauen mit zunehmendem Alter sich schwer tun, Fett zu verlieren, und eine low carb Ernährung umso eher bei Frauen Ergebnisse zeigt, je älter sie werden (im Vergleich zu jeweils gleichaltrigen Männern), dann scheint mir dieser Altersunterschied von im Mittel fünf Jahren in diese Richtung sehr wohl signifikant. Wären die Frauen im Mittel um fünf Jahre älter gewesen, hätte mich das aufgrund der genannten Punkte beeindruckt. Aber so … Ein Versehen? Waren keine anderen Frauen oder Männer zu finden? Falls ja, warum sagt man nichts dazu? Oder war es Absicht? Ein Schelm, der hier Böses denkt ;-). Nochmals, ich will hier absolut nichts unterstellen. Ist mir nur aufgefallen. Und ich will auch nicht alles schwarzsehen. Ich finde es nur regelmäßig bedenklich, wenn Dinge unkritisch übernommen und – noch dazu stark simplifiziert - wiedergekäut werden.
Und noch ein Punkt (dann höre ich schon auf, versprochen!): Während der vorbereitenden Phasen der „baseline diet“ wurden die Frauen mit 2.740 kcal pro Tag gefüttert, die Männer sogar mit 2.990 kcal. Jetzt muss man bedenken, dass es sich dabei um mehr oder weniger stark Übergewichtige handelte (die Frauen waren während der „baseline diet“ im Schnitt 103kg schwer, Männer 110kg), die im Laufe ihres Lebens wohl schon so manche Kalorienreduktionsdiät hinter sich hatten. Ja, sich vielleicht sogar unmittelbar vor dem Laborexperiment deutlich weniger Kalorien gönnten. Denn wenn sich jemand für so ein schwieriges Experiment zur Verfügung stellt, dann muss der „Leidensdruck“ schon einigermaßen groß gewesen sein, finde ich. Man darf daher davon ausgehen, dass 2.740 kcal/Tag bei der Frau und 2.990 kcal/Tag beim Mann für den einen oder die andere fast schon paradiesische Zustände gewesen sein mussten. Ich sprach ja bereits bewusst von einer „Mast“. Sicher nicht bei allen, denn sonst wären sie kaum so schwer geworden. Aber bei so manchem/mancher könnte ich mir das gut vorstellen. Nur, wenn das zumindest im Einzelfall dann wirklich so war, dass Personen über ihre übliche Gewohnheit hinaus erst einmal angefüttert worden waren, was will man dann mit den Werten aus den anschließenden sechs Tagen Reduktionsphase anfangen?
Ohne irgendetwas unterstellen zu wollen, aber all diese Punkte (und sicher noch einige mehr, die mir noch gar nicht aufgefallen sind) müssen doch den Studienautoren bewusst gewesen sein! Warum fand sich in der Prosa keinerlei Hinweis dazu? Der Umstand, dass man (frau) sich darüber ausschweigt – auf so breiter Front –, lässt mich vermuten, dass die Wahrheit vielleicht das genaue Gegenteil dessen sein könnte, was diese Studie zu Tage gebracht hat. Und ich sag nicht, dass das mit Absicht geschah. Aber der Mensch neigt wohl dazu, das zu sehen und für bare Münze zu nehmen, was seinen Meinungen und Vermutungen entspricht, während er Widersprechendes gerne „ausblendet“. Nur von guter Wissenschaft würde ich mir erwarten, dass man sich dieses menschlichen Fehlers bewusst ist und ganz zielgerichtet seine eigenen Annahmen laufend hinterfrägt. Ist hier vielleicht eh passiert. Nur schweigt sich die Veröffentlichung darüber aus.
Erst gestern wurde ich wieder von einem Bekannten, der weiß, dass ich ein Fan von very low carb bin, mit den Worten begrüßt: „hast schon von der neuen Studie gehört, die beweist, dass low fat doch besser ist als low carb?“ Ein Jammer :-(! Für all diese Leute hab ich mich nach vielen Jahren des stillen Mitlesens bei den News und gelegentlich hier im Forum nun doch angemeldet. Um meinen Senf beizusteuern. Möge er gut bekommen ;-)!
Liebe Grüße,
Günther