Eine besorgte Leserin schreibt mich an, nachdem meine News zum Thema „Rotes Fleisch“ Ende November erschienen ist
( https://www.strunz.com/news/rotes-fleisch-wird-mal-wieder-entlastet.html). Der Focus habe über das Thema „Rotes Fleisch“ geschrieben, käme nur zu einem gänzlich anderen Ergebnis.

Also gut, schauen wir uns kurz an, was der Focus schreibt. Er schreibt in Fakten:

„Eine neue Studie ... zeigt, dass der Konsum von tierischem Protein das Sterblichkeitsrisiko erhöht, insbesondere bei einer Low-Carb-Ernährung.“

Hier kann man bereits den ersten Fehler anmerken. Eine epidemiologische Studie kann so etwas niemals aufzeigen. Kann sie rein technisch nicht. Was man anstelle schreiben darf: „In der Studie wurde ein Risiko ermittelt, wodurch wir den Verdacht äußern, dass rotes Fleisch das Sterblichkeitsrisiko erhöhen könnte.“ Das wäre ein korrekter Satz, denn eine epidemiologische Auswertung kann keinen Beweis liefern, sondern darf nur einen Verdacht äußern, daher Konjunktiv!

Dann schaue ich mir die Daten an und finde folgende Tabelle mit Risiken:



Man sieht anhand der Daten, dass man nichts sieht. Alle gefundenen Risiken sind deutlich unter dem Risikowert von 2,0. Das ist das zweite große Problem dieser Veröffentlichung, denn hier ist absolut kein Risiko zu finden, welches wirklich ins Auge fällt. Aber ich zeige Ihnen mal, was ich meine. Hier sehen Sie das Risiko von Männern, durch Rauchen von Zigaretten verschiedene Arten von Krebs zu entwickeln in Abhängigkeit der Menge, die sie rauchen:



Selbst wenn die beobachteten Männer in dieser Studie nur bis zu zehn Zigaretten am Tag geraucht haben, hatten sie ein erhöhtes Risiko um den Faktor 9,3. Rauchten sie mehr als 30 Zigaretten, so hatten sie einen Risikowert von 53,7. Die oben zitierte „Studie“ zum Thema rotes Fleisch argumentiert mit Faktoren wie 1,12 und 1,15. Epidemiologen waren sich eigentlich mal einig, dass man alles unter dem Faktor 2,0 als Grundrauschen ignoriert. Und wie man bei der Zigarettenstudie erkennt, ein echtes Risiko sieht man auch deutlich. So auch bei Diabetes Typ-2 und dem Entwickeln einer koronaren Herzerkrankung. Dort liegt der Risikowert über 10,0, wo man nicht mehr mit „Grundrauschen“ argumentieren sollte.

Und dann kommt noch der dritte Fehler ins Spiel, nämlich meine Auswertung, die ich Ihnen zum Thema „Rotes Fleisch“ präsentiert habe. Die Logik nach Popper besagt, dass ein schwarzer Schwan ausreicht, um zu zeigen, dass nicht alle Schwäne weiß sind. Denn wenn alle Schwäne weiß wären, dürfte es keinen schwarzen oder gelben Schwan geben. Korrekt? Ich habe ihnen jedoch eine „Studie“ gezeigt, die genau das Gegenteil darstellt und das ist nicht die Einzige.

Hinzu kommen dann noch solche Faktoren wie „healthy and unhealthy user bias“, sprich was „machen“ die Menschen, die mehr rotes Fleisch essen, ggf. anders als diejenigen, die weniger rotes Fleisch essen. Und da ist in der Regel mehr zu finden als Rauchen und Alkohol. Und was generell gar nicht berücksichtigt wird: Um was für eine Zubereitung handelt es sich? Ist das Fleisch in Form eines Burgers aus einer der großen Ketten, wo man weiß, dass die gern mitverzehrten Pommes extrem bedenkliche Moleküle bei der Zubereitung aufgesogen haben oder ist das ein Stück demeter zertifiziertes Rind, welches liebevoll im Bräter mit Kräutern aus dem Garten bei geringer Hitze zubereitet wurde. Es sollte mehr als logisch sein, dass himmelweite Unterschiede dazwischen liegen.

Was nehmen wir mit?

Epidemiologische Untersuchungen dürfen keine feste Aussage treffen, sie dürfen nur einen Verdacht äußern und sollten das dann auch nur tun, wenn die Risiken sichtbar sind und sich nicht mit anderen, exakt genauso durchgeführten Studien, widersprechen, was hier bei diesem Thema nun einmal der Fall ist.


Quellen:

Effect of Iso-Caloric Substitution of Animal Protein for Other Macro Nutrients on Risk of Overall, Cardiovascular and Cancer Mortality: Prospective Evaluation in EPIC-Heidelberg Cohort and Systematic Review, Rudolf Kaaks et al., 2023, DOI: 10.3390/nu15030794

Cigarette smoking and lung cancer – relative risk estimates for the major histological types from a pooled analysis of case-control studies, Thomas Brüning et al., 2012, DOI: 10.1002/ijc.27339



Über den Autor:


“Robert Krug beschäftigt sich seit 2016 intensiv mit dem Thema Gesundheit und Ernährung im Hinblick auf die Biochemie des Menschen. Seit 2019 veröffentlicht Robert Krug Bücher zu den Themen genetisch korrekte Ernährung und zur ganzheitlichen Betrachtung des Menschen. Doch lassen wir ihn selbst einmal zu Wort kommen, wie er seinen Weg zur Biochemie gefunden hat:

"Ich liebe es, Probleme zu lösen. Das wird mit ein Grund dafür gewesen sein, dass ich 1994 Wirtschaftsinformatik studiert und warum ich leidenschaftlich gern Software programmiert habe. Mein Weg zur ganzheitlichen Medizin erfolgte aus der Not heraus, da ich in 2016 selbst erkrankte und von der Schulmedizin leider keine Hilfe bekam. So fing ich an, mich Stück für Stück mit meinen Problemen zu beschäftigen und zu lesen, um den Problemen auf den Grund zu gehen. Also das gleiche Vorgehen wie bei der Arbeit. Das war sozusagen der Start für mein inzwischen leidenschaftliches Interesse an der Biochemie und somit der Start meiner Reise." ”


Das Bild zeigt ein Porträt des News-Autors Robert Krug.