Mit Kaffeesäure gegen bakterielle Endometritis
Chronische Endometritis, eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut, zählt nicht nur zu den häufigen Ursachen von Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten oder fehlgeschlagenen künstlichen Befruchtungen (30 bis 50 Prozent der Fälle, je nach Studie), sondern auch zu den häufig nicht erkannten chronischen Infektionen. Sie kann auch nach Geburten auftreten und wird meist verursacht durch aufgestiegene multimikrobielle Infektionen, etwa aus der der Scheide oder aus dem Darmtrakt. Die Beschwerden sind oft unspezifisch (z.B. Unterbauchschmerzen, Blutungen, Ausfluss) oder verlaufen nur mild.
Eine solche chronische Infektion ist meist schwer zu therapieren, da es sich häufig um Mischinfektionen mit verschiedenen Keimen handelt, die nicht selten gegen mehrere Antibiotika resistent sind. Zu den dominierenden bekannten Erregern wie u.a. Streptokokken oder Chlamydien zählt auch das tückische grampositive Bakterium Staphyloccus aureus. Eine Forschergruppe der Jilin University in Changchun (China) untersuchte jetzt im Zellkultur-und Tierversuch, ob Kaffeesäure eine wirksame und nebenwirkungsärmere Therapie gegen eine durch Staphylokokken verursachte Endometritis sein könnte. Ihre Resultate publizierten sie im peer-reviewten „Journal of Cellular and Molecular Medicine“.
Für ihre Studie injizierten die Forscher einem Teil der Mäuse Staphylokokken in unterschiedlicher Konzentration in die Gebärmutterschleimhaut; einem Teil der Tiere wurde zusätzlich Kaffeesäure injiziert und ein weiterer Teil der Mäuse diente als Kontrollgruppe. 24 Stunden später wurde die Schleimhaut auf pathologische Veränderungen untersucht. Ergebnis: In der Staphylokokken-infizierten Gebärmutterschleimhaut waren Entzündungsbotenstoffe wie TNF-alpha oder Interleukin-1 Beta stark erhöht; in den Gewebeproben aus der Mäusegruppe, die zusätzlich Kaffeesäure erhalten hatte, hatten sich diese wieder stark verringert.
Mehr noch: Staphylokokken verfügen über einen besonders tückischen Mechanismus, Zellen in den „Selbstmord“ zu treiben: Abhängig von der Eisenzufuhr, die der Keim für seine Vermehrung braucht, fördern sie die Zerstörung und den Tod von Zellen, etwa der roten Blutkörperchen. Ferroptosis wird dieser Prozess genannt, der auch bei der Entwicklung einer Endometritis eine Rolle spielt. In ihrer Studie konnten die chinesischen Forscher zeigen, dass auch dieser fatale Prozess durch die Gabe von Kaffeesäure verringert werden kann.
Gut zu wissen: Kaffeesäure, chemisch: 3,4-Hydroxyzimtsäure, ist ein sekundärer Pflanzenstoff und zählt zu den Polyphenolen. Er kommt nicht nur in Kaffee, sondern auch unter anderem in Kakao, Äpfeln, Heidelbeeren und Kräutern wie Rosmarin vor. Studien zufolge weist der Pflanzenstoff eine beachtliche antifungale (z.B. Candida) und antimikrobielle Wirkung auf und hemmt insbesondere die Biofilmbildung von Erregern wie Staphylokokken.
Mein Senf zur Studie: Auch wenn es „nur“ eine Tierstudie ist – in Sachen Endometritis und deren Behandlung ist noch vieles ungeklärt und Studien zum Thema sind nicht üppig gesät. Angesichts wachsender Antibiotika-Resistenzen von Bakterien sind auch Tierstudien wie diese von Nutzen.
PS: Strunz-News-Leser wissen natürlich bereits, dass es auch aus der Vitamin-Welt spannende Ansätze zur Stärkung der Abwehr und gegen Infektionen gibt. Z.B. Vitamin C. Hier noch einmal zum Nachlesen: https://www.strunz.com/news/das-starke-comeback-von-vitamin-c.html?srsltid=AfmBOooEDE15WND4QFBcw7YX38qo5tKUHmp2iNrLGJ-hVeS3beXWcbnJ
Quellen:
Cao L, Liu J, Ye C, Hu Y, Qin R. Caffeic acid inhibits Staphylococcus aureus-induced endometritis through regulating AMPKα/mTOR/HIF-1α signalling pathway. J Cell Mol Med. 2024 Oct;28(20):e70175. doi: 10.1111/jcmm.70175. PMID: 39462269; PMCID: PMC11512753.
Bao L, Zhao Y, Duan S, Wu K, Shan R, Liu Y, Yang Y, Chen Q, Song C, Li W. Ferroptosis is involved in Staphylococcus aureus-induced mastitis through autophagy activation by endoplasmic reticulum stress. Int Immunopharmacol. 2024 Oct 25;140:112818. doi: 10.1016/j.intimp.2024.112818. Epub 2024 Jul 30. PMID: 39083924.
Holzer, I. Relevanz der chronischen Endometritis bei Frauen mit Kinderwunsch. J. Gynäkol. Endokrinol. AT 33, 112–114 (2023). https://doi.org/10.1007/s41974-023-00280-z
Über die Autorin:
Marion Meiners ist ausgebildete Verlagskauffrau und Journalistin und arbeitete viele Jahre für Zeitschriften als Redakteurin für Gesundheit und Ernährung. Zusammen mit Labor-Professor Hans-Peter Seelig schrieb sie das Buch „Laborwerte klar und verständlich“.
Ihre Begeisterung für Medizinthemen entdeckte sie in frühen Berufsjahren, nachdem ihr eine Verwandte einen Pschyrembel schenkte. Seither heißt ihr digitales „Wohnzimmer“ PubMed und die Faszination für die Ursachen-Fahndung bei Krankheiten sowie die Effekte von Ernährung und Lebensstil auf die Gesundheit hält an.
Das sagt sie über ihre Tätigkeit:
„Alles hängt mit allem zusammen im Körper. Das ist leider in unserer „Schubladen“-Medizin noch nicht so ganz angekommen. Ein Nährstoffmangel kann etwa ebenso fatale Auswirkung auf alle Organsysteme haben wie z.B. ein kranker Zahn. Umgekehrt kann schon eine veränderte Zusammenstellung der Makro-oder Mikronährstoffe in der Ernährung gigantische therapeutische Effekte entfalten. Welche, und wie gut belegt diese sind – darüber möchte ich informieren.“
