So wird keine Dopingkontrolle positiv!
Fast jeder zweite Deutsche kennt Nackenschmerzen – und oft entstehen sie dort, wo wir sie am wenigsten ernst nehmen: im Alltag. Was das mit Smartphones zu tun hat und wieso wir sprichwörtlich viele Stunden am Tag einen „Kasten Bier im Nacken tragen“, können Sie in meiner vorherigen News zu dem Thema lesen. Der nach vorn geneigte Kopf wirkt biomechanisch wie eine schwere Last auf die Halswirbelsäule und setzt eine Kettenreaktion von Spannungen im gesamten Körper in Gang. Was als lokales Ziehen beginnt, kann so zum Ausgangspunkt weitreichender orthopädischer Beschwerden werden.
Aber zum Glück sind nicht alle Lebewesen so blöd wie wir Menschen. Beobachten Sie einmal Hunde oder Katzen. Nach dem Liegen wird der Körper in die Länge gezogen, die Wirbelsäule bewegt sich wellenartig, Muskeln und Faszien werden aktiviert. Tiere bleiben selten lange in statischen Positionen. Genau dieser natürliche Wechsel fehlt uns Menschen im sitzenden Alltag. Die tägliche Arbeit muss aber trotzdem verrichtet werden.
Tja, heute haben Sie aber wieder einmal Pech gehabt. Denn die Gegenmaßnahmen sind denkbar einfach:
Sie könnten …
- beim Schuheanziehen oder Aufheben den Rücken lang lassen.
- das Handy auf Augenhöhe nutzen, um die Nackenmuskulatur zu entlasten.
- beim Arbeiten gelegentlich langsam gehen (z. B. 2–3 km/h), statt lange statisch zu stehen oder zu sitzen. (Es gibt Menschen, die sich unterm Schreibtisch ein Laufband aufbauen!)
- den Laptop mit einem Ständer auf Augenhöhe bringen und eine externe Tastatur sowie Maus verwenden.
- vorhandene Bildschirmarbeits- und Ergonomieschulungen nutzen, die der Arbeitgeber nach Arbeitsschutzgesetz zahlen muss.
- den Arbeitsweg zu Fuß zurücklegen.
- im Homeoffice den Arbeitstag mit einem kurzen Spaziergang beginnen und beenden.
- die Mittagspause bewusst für Bewegung einplanen.
- auf Arbeit Bewegungssnacks einbauen, anstatt in die Snackbox zu fassen.
Die grundlegende Regel ist recht simpel: Wer viel sitzt, muss viel zappeln.
Bei unseren Faszien geht es nicht darum, die perfekte Haltung zu suchen, sondern diese regelmäßig zu wechseln. Dynamik ist für sie wichtiger als Haltung. Vom Kreisen des Handgelenks, der Schulter oder des Nackens bis hin zu Schwungübungen am Arbeitsplatz mit der unterm Tisch versteckten Kettlebell stehen Ihnen hier alle Wege offen. Mit einem ausgeglichenem Sportprogramm aus Ausdauer-, Kraft- und Beweglichkeitstraining und der richtigen Dosis Alltagsmotorik haben Sie bereits das beste Werkzeug für geschmeidige Faszien gebucht.
Die Funktionalität dieser empfindlichen Systeme ist wichtig für unser Wohlbefinden. Sie wollen sich doch nicht den ganzen Tag wie nach dem Aufstehen fühlen: Bewegungen fühlen sich zäh und steif an, die ersten Schritte sind schwerfällig, und erst nach einigen Minuten Bewegung kommt das Gefühl von Leichtigkeit zurück.
Auch ich litt im Verlauf meiner Karriere wiederholt unter diesem Ungleichgewicht. Gerade im Leistungssport lässt sich eine chronische Überlastung des Bewegungsapparates nur begrenzt kompensieren.
Faszien spielen dabei eine zentrale Rolle, weil sie Bewegungen nicht nur verbinden, sondern deren Ökonomie bestimmen: Sind sie verdichtet oder überlastet, geht elastische Rückfederung verloren, Kraftübertragung wird ineffizient und der Energieaufwand für Bewegungsabläufe steigt. Da eine nachhaltige Umorganisation mit Bewegungstherapie Wochen bis Monate dauert, habe ich mir vor wichtigen Wettkämpfen mein ganz persönliches „Dopingmittel“ erlaubt: Rund acht Wochen vor dem Großereignis war ich bei einem Faszientherapeuten zu einer mehrstündigen Behandlung, in der Spannungen im gesamten System gezielt reduziert wurden.
Das half nicht, weil dadurch neue Kraft entstand, sondern weil unnötige Widerstände entfernt wurden. Wenn das Gewebe wieder gleitet und Energie speichern kann, arbeitet der Körper wieder effizient: Leistungssteigerung durch Bewegung – ein Konzept, das sogar jeder Dopingtest überlebt.
Über den Autor:
“Justus Mörstedt widmete sich bis zu seinem 14. Lebensjahr in seiner Freizeit dem Triathlon, bevor er sich endgültig auf sein Lieblingselement, das Wasser, fokussierte und Finswimmer wurde. Seit 2019 ist er Sportsoldat und studiert und trainiert im Leistungszentrum Leipzig.
Doch lassen wir ihn selbst zu Wort kommen: „Hier lebe ich meinen Traum: Leistungssport und Medizinstudium. Mich fasziniert es, das neu Erlernte im Sportleralltag in die Praxis umzusetzen und somit den oft trockenen Inhalten ein wenig Leben einzuhauchen.“
Diese Kombination macht sich bezahlt: im Juli 2024 wurde er zweifach Weltmeister. Über 200 m Streckentauchen hält er den Weltrekord. Falls Sie neugierig geworden sind, was Finswimming ist, sehen Sie sich in den News um, oder werfen eine beliebige Suchmaschine an!
Forever young wurde ihm mit seinem Einstieg in den Profisport sozusagen „in die Wiege gelegt“. Sein Trainer sagte immer: „Wer hier mitmachen will, muss mindestens ein Strunz-Buch gelesen haben.“ Zu Wettkämpfen verteilte er den Sportlern immer Vitamineral 32. Mit den Jahren in Leipzig hat sich in seinem 24 Jahre jungem Kopf so einiges zusammengesammelt, was er gerne mit Sportlerkollegen unter anderem hier in den News teilt. Dabei unterstützen wir als forever young ihn als Sponsor."
