Ich bin doch manchmal immer wieder erstaunt darüber, was man so an Informationen im Leben zugespielt bekommt. Wir haben schon oft über Vitamin D gesprochen und sicherlich werden sich die meisten Menschen nicht an die angeratenen 600 IE am Tag im Winter halten, sondern einfach mehr nehmen. Trotzdem möchte ich Ihnen nun auch das „schlechte Gewissen“ nehmen, dass man sich mal wieder nicht an die Regeln der „Experten“ hält.

Was haben die Wissenschaftler gemacht? Sie haben in Summe 32 Studien analysiert hinsichtlich der Menge an Vitamin D, die man einnehmen muss, um einen Spiegel von 50 nmol/L zu halten. Sie wollten dabei folgenden Wert ermitteln, der sicher bei 97,5 Prozent aller Teilnehmer garantiert, dass sie einen Spiegel von diesen 50 nmol/L über den Winter halten. Was sie jedoch laut Paul Veugelers berechnet haben, ist etwas anderes: Sie ermittelten, dass die Wahrscheinlichkeit bei 97,5 Prozent liegt, dass die Teilnehmer einen vorhergesagten Wert über 50 nmol/L haben. Klingt ähnlich, ist es aber nicht. Denn das Team um Paul Veugelers hat die Daten jener 32 Studien nochmal ausgewertet, unter dem Gesichtspunkt, dass 97,5 Prozent der Teilnehmer einen Wert von 50 nmol/L und höher haben und kommt zu folgendem Ergebnis:



Man erkennt sehr schnell, das ganz offensichtlich niemals 97,5 Prozent der Teilnehmer einen Blutspiegel über 50 nmol/L besitzen, sondern eher so um die 10 bis 20 nmol/L. Nur in einer Studie wird sozusagen der Mindestwert bei ca. 1000 IE erreicht. Alle anderen Studien liegen z.T. recht deutlich darunter und spiegeln daher wohl eher die Realität wider.

Ich möchte anfügen, dass man das auch sehr schnell selbst herausfindet, wenn man einmal selbst den Blutwert 25-OH Vitamin D im Januar misst, was ich jedem auch gern empfehlen möchte, da es auch eine individuelle Komponente gibt. Ich selbst benötige mit meinen 70 Kilogramm 8000 IE, um zu einem Wert von 130 nmol/L (entspricht 52 ng/mL) zu kommen bzw. diesen zu halten. Meine Frau hingegen mit 56 Kilogramm benötigt dafür nur 3000 IE. Und natürlich möchten wir beide gern einen Wert im Blut haben, der wohl normal ist, wenn man unter dem Äquator wohnt, nämlich ca. 130 nmol/L und nicht einen ausgedachten Wert, der wohl schon richtig für uns sein sollte, von lediglich 50 nmol/L.

Was nehmen wir mit?

Die Angaben zur „optimalen“ Menge an Vitamin D berufen sich auf eine falsche Auswertung, aber immerhin hat man es versucht. Die Menge, damit 97,5 Prozent aller Teilnehmer sicher auf einen Wert von 50 nmol/L kommen, liegt laut Paul Veugelers bei 8895 IE pro Tag.


Quelle: A Statistical Error in the Estimation of the Recommended Dietary Allowance for Vitamin D, Paul J. Veugelers et al., 2014, DOI: 10.3390/nu6104472

Quelle: Traditionally living populations in East Africa have a mean serum 25-hydroxyvitamin D concentration of 115 nmol/l, Remko S. Kuipers et al., 2011, DOI: 10.1017/S0007114511007161


Über den Autor:


“Robert Krug beschäftigt sich seit 2016 intensiv mit dem Thema Gesundheit und Ernährung im Hinblick auf die Biochemie des Menschen. Seit 2019 veröffentlicht Robert Krug Bücher zu den Themen genetisch korrekte Ernährung und zur ganzheitlichen Betrachtung des Menschen. Doch lassen wir ihn selbst einmal zu Wort kommen, wie er seinen Weg zur Biochemie gefunden hat:

"Ich liebe es, Probleme zu lösen. Das wird mit ein Grund dafür gewesen sein, dass ich 1994 Wirtschaftsinformatik studiert und warum ich leidenschaftlich gern Software programmiert habe. Mein Weg zur ganzheitlichen Medizin erfolgte aus der Not heraus, da ich in 2016 selbst erkrankte und von der Schulmedizin leider keine Hilfe bekam. So fing ich an, mich Stück für Stück mit meinen Problemen zu beschäftigen und zu lesen, um den Problemen auf den Grund zu gehen. Also das gleiche Vorgehen wie bei der Arbeit. Das war sozusagen der Start für mein inzwischen leidenschaftliches Interesse an der Biochemie und somit der Start meiner Reise." ”


Das Bild zeigt ein Porträt des News-Autors Robert Krug.