Fallen bei einer Ernährungsumstellung: Teil 2
In den letzten News habe ich über einen Arzt, Dr. Sanjeev Balakrishnan, berichtet, der Patienten mit Diabetes Typ-2 behandelt. Ein weiterer Punkt, den Balakrishnan häufig beobachtet: Seine Patienten konsumieren sehr viele Milchprodukte, was zur Folge hat, dass der Körper relativ viel Laktose und Casein verstoffwechseln muss und in Laktose ist nun einmal auch Glukose enthalten. Dadurch wird Insulin vom Körper hergestellt, auch wenn die Person meint, gar keine Glukose in Form von Stärke zu sich zu nehmen. Das Casein-Eiweiß ist zudem ein Eiweiß, das von uns Menschen – ähnlich wie Gluten – nur sehr schlecht verdaut werden kann, weshalb einige Menschen auch sehr sensibel auf Milcheiweiß reagieren. Ich selbst habe genau dieses Problem seit meiner Kindheit. Entdeckt und verstanden habe ich es erst im Jahr 2017, da sich meine Probleme primär auf der Haut zeigen. Auf jeden Fall sind das stille Entzündungsreaktionen durch Unverträglichkeiten, die ihrerseits auch wieder den Körper u.a. Cortisol produzieren lassen. Kaffee mit Milch wäre in diesem Fall dann eine noch stärkere Kombination, da Kaffee auch direkt einen Cortisolausstoß erzeugt.
Ein weiterer Fehler seiner Patienten ist, dass sie zu viel Fett essen. Vor allem wird Fett gern getrunken durch das gute Stück Butter im Kaffee. Das Verhalten beobachtet man auch bei der ketogenen Ernährung, wo zudem häufig sehr viele Nüsse gegessen werden, die eben auch sehr reich an Fett sind. Die Erwartungshaltung bei einigen Patienten ist hier so, dass man Fett in beliebigen Mengen essen könne, da der Körper ja nun Fett verbrennt. Und da muss man erklären, dass die Gesamtenergiemenge über den Tag betrachtet schon noch eine Rolle spielt.
Bei den Frauen, die Balakrishnan behandelt, stellt er häufig fest, dass die sich umgedreht verhalten und viel zu wenig essen, da sie unbedingt abnehmen wollen. Auch das ist ein Problem, da der Körper sich erst einmal komplett auf die ketogene oder karnivore bzw. auch die Low Carb-Ernährung umstellen muss. Und wie ich schon letzte Woche geschrieben habe: Das kann viele Monate bzw. sogar ein ganzes Jahr konsequenter Ernährungsumstellung dauern, weil Insulin sich erst auf ein gesundes Level zurückbilden muss. Ron Rosedale hat in einer Studie sehr schön aufgezeigt, dass sich Insulin infolge einer strikten ketogenen Ernährung binnen 90 Tagen halbiert.
Balakrishnan hat dann auch noch ein schönes Beispiel. Eine Patientin hat 12 Monate lang strikt karnivor mit nur Wasser, Salz und Fleisch gegessen, jedoch kein Gramm abgenommen. Nach diesen 12 Monaten fing sie an, sehr schnell sehr viel Gewicht zu verlieren. Balakrishnan fragt sie: „Wieso haben Sie an der Ernährung festgehalten, obwohl sie so lange keinen Erfolg hinsichtlich des Gewichtes hatten?“ Die Patientin antwortet: „Weil ich mich viel besser gefühlt habe und weil mir das Gewicht egal war.“
Das ist ein Punkt, auf den Balakrishnan nochmals intensiv eingeht: Man soll nicht täglich auf sein Gewicht schauen und sich über diesen einen Wert sozusagen definieren. Der Körper muss sich in der Regel auf vielen Ebenen erholen und das dauert. Man sollte jedoch auf seinen Körper hören und wenn der sich besser anfühlt, dann ist man auf dem richtigen Weg. Alles andere pendelt sich dann schon ein. Und an vielen sehr wichtigen Blutwerten kann man die Verbesserungen auch schon nach wenigen Wochen ablesen, wenn man sozusagen Motivation braucht, um weiterzumachen.
Quelle: Clinical Experience of a Diet Designed to Reduce Aging, Ron Rosedale et. al., 2009, PMID: 20204146
Über den Autor:
“Robert Krug beschäftigt sich seit 2016 intensiv mit dem Thema Gesundheit und Ernährung im Hinblick auf die Biochemie des Menschen. Seit 2019 veröffentlicht Robert Krug Bücher zu den Themen genetisch korrekte Ernährung und zur ganzheitlichen Betrachtung des Menschen. Doch lassen wir ihn selbst einmal zu Wort kommen, wie er seinen Weg zur Biochemie gefunden hat:
"Ich liebe es, Probleme zu lösen. Das wird mit ein Grund dafür gewesen sein, dass ich 1994 Wirtschaftsinformatik studiert und warum ich leidenschaftlich gern Software programmiert habe.
Mein Weg zur ganzheitlichen Medizin erfolgte aus der Not heraus, da ich in 2016 selbst erkrankte und von der Schulmedizin leider keine Hilfe bekam. So fing ich an, mich Stück für Stück mit meinen Problemen zu beschäftigen und zu lesen, um den Problemen auf den Grund zu gehen. Also das gleiche Vorgehen wie bei der Arbeit. Das war sozusagen der Start für mein inzwischen leidenschaftliches Interesse an der Biochemie und somit der Start meiner Reise."
”
