Dem Krebs schmeckt’s nicht – das ist sinngemäß das Fazit einer Meta-Analyse chinesischer Forscher über die Wirksamkeit der Ketogenen Diät bei Tumorpatienten im Fachjournal „Frontiers in Nutrition“. Die Arbeitsgruppe um Meying Zhang von der Chinese Academy of Medical Sciences/ Peking Union Medical College in Peking wertete in dieser Analyse 14 Studien aus, in denen Krebs-Patienten entweder eine Ketogene Diät oder eine „Standard“-Ernährung in der Kontrollgruppe (überwiegend Mischkost) erhalten hatten.

In-vitro-oder Tierstudien wurden in dem Review ausgeschlossen; in die Analyse aufgenommen wurden Studien mit Patienten, die an verschiedenen Formen von Krebs (u.a. Brust, Darm, Eierstöcke, Gebärmutter, Gallengang) litten. Verschiedene Parameter der Patienten, die auf Entzündungen oder andere Störungen hindeuteten, wurden in der Arbeit analysiert. Die Forscher wollten dadurch herausfinden, ob und wie eine Ketogene Ernährung den Gesundheitszustand der Krebspatienten verbessert.

Das Ergebnis weist darauf hin: Eine Ultra-Low-Carb-Ernährung mit viel Fett kann vieles verbessern, von der Immunabwehr bis hin zum Energiehaushalt und der Lebensqualität. Im einzelnen änderten sich für die Krebspatienten aus den Studien unter dieser Kost:


  • Das C-reaktive Protein. Der Blutmarker für Entzündungen und deren Verlauf, sank unter der fettreichen Kost deutlich – was einmal mehr bestätigt, dass die Ketogene Diät anti-entzündlich wirkt. Die Forscher merkten an, dass sich der Effekt um so stärker bemerkbar macht, wenn man diese Ernährung mit einem Proteinanteil von 16 bis 18 Prozent, einem Kohlenhydrat-Anteil von zwei bis vier Prozent sowie einem Fettanteil von 80 bis 85 Prozent länger als drei Monate durchführt.

  • Insulin-und Blutzucker-Werte. Sie sanken. Was nach bisherigen Erkenntnissen auch Tumoren ihre Leibspeise bzw. ihre Wachstumshelfer entzieht.

  • Die Körperfettmasse. Sie verringerte sich signifikant – ohne zu negativen Nebenwirkungen zu führen. Ein höherer Körperfettanteil kann Entzündungen begünstigen - und damit auch das Tumorwachstum fördern. Gleichzeitig verbesserte sich die Proteinaufnahme bei den Patienten.

  • In fast einem Drittel der ausgewerteten Studien sank das Gesamtcholesterin, in sieben Arbeiten wurde auch eine signifikante Verringerung des LDL-Cholesterins nachgewiesen.

  • Noch interessanter: Auch erhöhte TSH-Werte sanken, was auf eine bessere Schilddrüsenfunktion und gesteigerte Energie hinweisen kann. Das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH, auch Thyreotropin genannt) regt die Schilddrüse zur Bildung von Hormonen (T3, T4) an; erhöhte TSH-Werte deuten auf eine Schilddrüsen-Unterfunktion hin.

Mein Senf dazu: Auch wenn immer noch vereinzelt Kritiker versuchen, durch „Gegenstudien“ eine Ketogene Ernährung als gefährlich oder nutzlos zu verteufeln – therapeutische Effekte bei geringen Nebenwirkungen wurden inzwischen vielfach nachgewiesen. Nicht nur bei neurologischen Störungen oder Demenz, mittlerweile auch für Tumore (speziell Hirntumoren). Mehr gut designte Langzeitstudien wären wünschenswert.


Quelle:
Zhang M, Zhang Q, Huang S, Lu Y, Peng M. Impact of ketogenic diets on cancer patient outcomes: a systematic review and meta-analysis. Front Nutr. 2025 Jul 18;12:1535921. doi: 10.3389/fnut.2025.1535921. PMID: 40756563; PMCID: PMC12313497.



Über die Autorin:


Marion Meiners ist ausgebildete Verlagskauffrau und Journalistin und arbeitete viele Jahre für Zeitschriften als Redakteurin für Gesundheit und Ernährung. Zusammen mit Labor-Professor Hans-Peter Seelig schrieb sie das Buch „Laborwerte klar und verständlich“.
Ihre Begeisterung für Medizinthemen entdeckte sie in frühen Berufsjahren, nachdem ihr eine Verwandte einen Pschyrembel schenkte. Seither heißt ihr digitales „Wohnzimmer“ PubMed und die Faszination für die Ursachen-Fahndung bei Krankheiten sowie die Effekte von Ernährung und Lebensstil auf die Gesundheit hält an.

Das sagt sie über ihre Tätigkeit:

„Alles hängt mit allem zusammen im Körper. Das ist leider in unserer „Schubladen“-Medizin noch nicht so ganz angekommen. Ein Nährstoffmangel kann etwa ebenso fatale Auswirkung auf alle Organsysteme haben wie z.B. ein kranker Zahn. Umgekehrt kann schon eine veränderte Zusammenstellung der Makro-oder Mikronährstoffe in der Ernährung gigantische therapeutische Effekte entfalten. Welche, und wie gut belegt diese sind – darüber möchte ich informieren.“


Das Bild zeigt ein Porträt der News-Autorin Marion Meiners.