Obwohl ich mich mittlerweile seit 15 Jahren mit dem Thema Lipoprotein(a) befasse, bin ich erst jetzt auf eine Frage gestoßen, der eine besondere Bedeutung zukommen könnte. Die Frage lautet: Haben Personen mit erhöhten Lp(a)-Werten gleichzeitig auch eine erhöhte Darmtoleranzgrenze für die Aufnahme von Vitamin C?
Den Zusammenhang von Vitamin C und Lipoprotein(a) habe ich in meinem Buch zwar hinreichend beschrieben - wie Prof. Linus Pauling und Dr. Matthias Rath gesagt haben, ist Lipoprotein(a) ein Ersatz für Vitamin C („Lipoprotein(a) is a surrogate for ascorbate“). [1] Aber darauf, dass die Untersuchung der Darmtoleranzgrenze bei Betroffenen mit hohen Lp(a)-Werten von entscheidendem Interesse sein könnte, bin ich nicht eingegangen.
Auf die Fragestellung bin ich gekommen, nachdem mir von den meisten, die den Darmtoleranztest ausprobiert haben, berichtet worden ist, dass sie eine deutlich erhöhte Toleranzgrenze bei sich feststellen konnten, nicht so hoch wie meine eigene, die beim ersten Test bei 50 - 60 Gramm Vitamin C lag und heute auf etwa 30 Gramm gesunken ist, aber immerhin höher als die angenommenen „Normalwerte“. Im Vergleich dazu haben meine Frau, mein Sohn mit seiner Familie und viele aus dem Bekanntenkreis Ergebnisse von 5 - 10 Gramm aufzuweisen. Bei ihnen sind allerdings im Gegensatz zu mir weder die Lp(a)-Werte erhöht noch haben sie eine Herzerkrankung.
Laut Dr. Robert F. Cathcart ist ein Testergebnis von weniger als 4 - 15 Gramm ein Beleg für eine gute Gesundheit. [2] Der amerikanische Arzt hatte bei der Hochdosis-Behandlung von 9.000 Patienten beobachtet, dass die Grenzen der Darmverträglichkeit für große Vitamin C-Mengen bei den Patienten sehr unterschiedlich sind. Wie er feststellte, ist die Darmtoleranz eng an den Gesundheitszustand gebunden und steigt an, wenn der Mensch krank ist. Eine Person, die normalerweise schon bei 6 - 12 Gramm Vitamin C Durchfall bekommt, verträgt beispielsweise bei einer Erkältung oder Grippe bis zu 200 Gramm. Je kränker Menschen sind, umso mehr Vitamin C können sie laut Cathcart absorbieren. [3]
Die optimale Dosis ist diejenige, die gerade noch keine Blähungen und keinen Durchfall verursacht. Die Dosis, bei der Durchfall auftritt, wird als Darmtoleranzgrenze bezeichnet.
Der Test der Darmtoleranz, die gleichzeitig als Indikator für den Vitamin C-Bedarf des Körpers gilt, ist einfach durchzuführen, wie in meinem Buch erläutert. [4]
Man beginnt mit einer geringen Dosis und wiederholt die Einnahme jede Stunde, solange bis unangenehme Darmwirkungen (Blähungen, Völlegefühl und weicher Stuhl) auftreten. Die bis dahin gemessene Gesamtdosis bildet die Toleranzgrenze. Daraus kann die optimale Einnahmemenge berechnet werden. Sie beträgt 50 - 90 Prozent der gemessenen Gesamtdosis. Zu beachten ist, dass eine hohe Kohlenhydratzufuhr das Ergebnis beeinträchtigen und fälschlicherweise einen zu niedrigen Grenzwert anzeigen kann (zitiert nach Hickey/Saul: „Vitamin C. The Real Story“). [5]
Soweit mir bekannt, ist der Zusammenhang von erhöhtem Lp(a) und erhöhter Darmtoleranz noch nie untersucht worden. Möglicherweise könnte sich daraus aber ein wichtiger Hinweis zur Risikoeinschätzung und darauf ergeben, ob der Lp(a)-Anstieg auf eine Erkrankung zurückzuführen ist.
Letztlich würde durch eine solche Feststellung auch die Theorie von Pauling und Rath zur Bedeutung von Lp(a) bestätigt, über die ich hier schon berichtet habe. [6]
Haftungsausschluss
Stimmen Sie sich bitte mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ab, wenn Sie den Darmtoleranztest durchführen wollen.
Quellen
- Rath M, Pauling L. (1990a) Hypothesis: Lipoprotein(a) is a surrogate for ascorbate. Proceedings of the National Academy of Science USA; 87, 6204-6207
- „Cathcart‘s Table of Usual Bowel Tolerances“ in: Ascorbate. The Science of Vitamin C. 2004. Steve Hickey, Hilary Roberts. ISBN 1-4116-0724-4
- Cathcart RE. Vitamin C, titrating to bowel tolerance, anascorbemia, and acute induced scurvy. Med Hypotheses. 1981 Nov;7(11):1359-76
- Hans W. Diel mit Dr. Jila Maki. Lipoprotein(a). Der größte Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall? Druckpunkt Ruhr, 2022
- Steve Hickey, Andrew W. Saul. Vitamin C: The Real Story. Basic Health Publications, Inc. 2008
- https://www.strunz.com/news/lipoprotein-a-der-groeste-risikofaktor-fuer-herzinfarkt-und-schlaganfall.html