Menopause, Gehirn und Hormonersatztherapie: Was sagt die neue Großstudie? (Teil 1)
Noch nie wurden Frauen in der Breite so alt wie heute. Um 1900 lag die durchschnittliche Lebenserwartung vielerorts bei etwa 50 Jahren. Natürlich gab es auch damals Frauen, die deutlich älter wurden, aber das war eher die Ausnahme als die Regel. Heute ist es für die meisten von uns normal, mehrere Jahrzehnte nach der letzten Regelblutung zu leben. Das bedeutet: Wir „überleben“ in der Regel unsere Eierstöcke. Und genau deshalb kommen fast alle Frauen irgendwann mit den Wechseljahren in Kontakt – nicht als Randphänomen, sondern als ganz typischer Abschnitt eines langen Lebens.
Umso wichtiger ist die Frage, was diese hormonelle Umstellung im Körper – und besonders im Gehirn – bewirkt, und welche Rolle eine Hormonersatztherapie dabei spielen kann. Denn die Wechseljahre (auch: Perimenopause und Postmenopause) sind für einen Großteil der Frauen mit erheblichen spürbaren körperlichen und psychischen Veränderungen verbunden. Hitzewallungen, Schlafstörungen und vor allem Stimmungsschwankungen gehören zu den bekanntesten Symptomen.
Gut erforscht ist: Mit dem Östrogenrückgang beschleunigt sich bei vielen Frauen der Knochenabbau, und das Herz-Kreislauf-Risiko steigt. Doch was passiert eigentlich im Gehirn während dieser Phase? Und kann eine Hormonersatztherapie (HRT) mögliche negative Auswirkungen auffangen?
Eine im Januar 2026 veröffentlichte, groß angelegte Auswertung liefert hierzu neue, solide Daten. Die Forschenden nutzten die UK Biobank – eine der weltweit größten Gesundheitsdatenbanken – und analysierten Angaben von knapp 125.000 Frauen. Für einen Teil der Teilnehmerinnen lagen zusätzlich MRT-Aufnahmen des Gehirns vor, sodass nicht nur Selbstauskünfte und Testergebnisse, sondern auch messbare strukturelle Hirnmerkmale einbezogen werden konnten.
Das Ziel der Studie war, systematisch zu prüfen, ob und wie sich der menopausale Status (prämenopausal vs. postmenopausal) und die Einnahme einer Hormonersatztherapie (HET) mit vier Bereichen verbinden:
- psychischer Gesundheit (z. B. Angst, depressive Symptome, Schlaf),
- kognitiver Leistungsfähigkeit (z. B. Reaktionszeit, Gedächtnis),
- Gehirnstruktur (insbesondere in Regionen, die für Emotion und Gedächtnis wichtig sind),
- und dem Zusammenspiel dieser Faktoren.
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Mit den Wechseljahren geht im Durchschnitt eine höhere psychische Belastung einher. Prä- und Postmenopausale Frauen berichteten signifikant häufiger über:
- Angstzustände und Panikattacken
- Depressive Symptome
- Schlafprobleme
Diese Befunde bestätigen, was viele Betroffene subjektiv erleben: Die hormonellen Umstellungen gehen nicht nur mit körperlichen, sondern auch mit emotionalen Veränderungen einher.
Die hormonellen Veränderungen während der Menopause – insbesondere der Rückgang von Östrogen – gelten als möglicher biologischer Mechanismus. Östrogen wirkt im Gehirn unter anderem regulierend auf Neurotransmitter wie Serotonin (wie in meiner News vom 8.2.26 beschrieben) und auch auf Dopamin. Beide spielen eine zentrale Rolle für Stimmung, Schlaf und emotionales Gleichgewicht. Ein Absinken von Östrogen könnte daher direkt zur erhöhten Anfälligkeit für depressive Verstimmungen beitragen.
Diese Ergebnisse sind keine Alarmbotschaft, aber sie machen deutlich: Die mentale Gesundheit verdient in den Wechseljahren mehr Aufmerksamkeit in der Medizin. Genau das fordern viele Frauen und Initiativen schon lange. Welche weiteren Erkenntnisse die Studie zur Hirnsubstanz (MRT-Befunde) berichtet und wie sie einzuordnen sind, erläutere ich in der nächsten News.
Quelle:
Zuhlsdorff K, Langley C, Bethlehem R, Warrier V, Romero Garcia R, Sahakian BJ. Emotional and cognitive effects of menopause and hormone replacement therapy. Psychological Medicine. 2026;56:e24. doi:10.1017/S0033291725102845
Über die Autorin:
"Kyra Kauffmann, Jahrgang 1971, Mutter zweier kleiner Söhne, Volkswirtin, seit 20 Jahren niedergelassene Heilpraktikerin, Buchautorin, Dozentin, Journalistin und seit 3 Jahren begeisterte Medizinstudentin.
Zur Medizin kam ich durch meine eigene schwere Erkrankung mit Anfang 30, bei der mir seinerzeit kein Arzt wirklich helfen konnte. („Ihre Werte sind alle super – es ist alles rein psychisch!“). Hilfe bekam ich von Heilpraktikern, die zunächst einmal eine wirklich gründliche Labordiagnostik durchgeführt haben, ganz nach dem Vorbild von Dr. Ulrich Strunz. Es war eine neue Welt, die sich mir eröffnete und die Erkenntnisse, haben mich sofort fasziniert (ohnehin bin ich ein Zahlen-Daten-Fakten-Fan und habe nicht umsonst das Studium der VWL gewählt). Die Begeisterung war so groß, dass ich meinen alten Beruf an den Nagel hängte und Heilpraktikerin wurde. Meine Praxis führe ich seit 20 Jahren mit großer Begeisterung und bin – natürlich - auf Labordiagnostik spezialisiert und kann so oft vielen Symptomen auf den Grund gehen. In 2 Jahren hoffentlich dann auch als Ärztin.
