16.02.2024
Katabolie und Muskelschwund in der Nacht?
Die Leber zieht soviel Aminosäuren (wofür überhaupt) und muss dafür die Muskeln abbauen? Zum verheizen oder für die Proteinsysnthese? Robert verweist hier auf einer seiner früheren News "Ketonkörper schützen die Muskeln".
[Hier geht es aber um einen Schutz im Kontext einer (gemimten) akuten Infektion (gesteigerter Aminosäurebedarf für Proteinsysnthese für das Immunsystem?), nicht um nächtliche Katabolie aufgrund von Nahrungskarenz!]
Robert will mit Ketonen dagegen halten. Daraus muss man dann wohl schlussfolgern, dass es hier um energetische Betrachtungen geht. Sprich die Leber müsste Aminosäuren in Energie umwandeln; also Gluconeogenese (GNG) betreiben. [Darum ging es eben nicht, in der News "Ketonkörper schützen die Muskeln"!].
Warum sollte/müsste die Leber das machen? Bzw. bei wem?
Der Energiebedarf in Ruhe (schalfen) liegt bei ca. 1kCal/(h*kG KG), bei einem 80kg Erwachsenen also bei ca. 640kcal (8h Schlaf). Das entspricht 64g Fett oder 160g Glukose. Eine Fettmenge, die ein Mensch mit halbwegs normelem KFA von 10-15% locker nachts zur Verfügung stellen kann. Und wer nicht gerade mit entleerten Glykogenspeichern schlafen geht, kann auch noch eine ausreichende Menge Glukose freisetzen und wer metabolisch halbwegs gesund ist, auch noch eine Handvoll Ketone (Ja, der metabolisch flexible Organismus nutzt alle Energieträger gleichzeitig, in unterschiedlichen und sich verändernden Anteilen). Fun-Fakt am Rande: Die Leber ist ein sehr guter Speicher für Glykogen und kann dieses auch bei Bedarf wieder freisetzen. Kein Grund für gesteigerte GNG und Muskel-Selbstverdauung, um Energie bereitzustellen. Es sei denn, man ist deutlich Gkukose-defizitär und/oder in in einem starken Energiedefizit.
Warum also sollte die Leber jetzt in größerem Umfang Muskeleiweiß verwerten wollen?
Was wollen wir denn wirklich? Dass der Körper (nachts) "aufräumt", also Abfälle beseitig, Eiweißschrott entsorgt (z.b. flasch produzierte Proteine, Stichwort: Frameshifting, nennt sich Autophagie). Dazu muss der Stoffwechsel grundsätzlich katabol werden, d.h. in ein (leichtes) temopräres Energiedefizit rutschen und AMPK aktivieren. Übrigens, Freisetzen von Fettsäuren und Freisetzen von (Leber)Glykogen sind auch katabole Stoffwechselvorgänge und können i.d.R. die nächtliche Energiversorgung sicherstellen, selbst wenn man abends keine größeren Nährstoffmengen über die Verdauung bereitstellt. Sinnvollerweise sollten diese beiden Energielieferanten (Leber + Fettgewebe) neben den zellulären Reserven so viel Energiesubstrat liefern, dass eben nicht zusätzlich GNG und dadurch zusätzlicher Aminosäure-/Eiweißabbau erforderlich wird. Achso, durch eine Eiweißreiche Ernährung versuchen wir ja auch den Blut-Eiweißspiegel ausreichend hoch zu halten; auch ein Reservoir, aus dem sich die Leber bei GNG oder Proteinsynthese bedienen kann, bevor es in größerem Umfang an die Muskeln geht. Muskeln kann man übrigens auch dadurch vor Abbau schützen, indem man sie benutzt und dem Körper signalisiert, dass sie gebraucht werden. Gewebe, die offenbar nicht gebraucht werden abzubauen, ist ein normaler biologischer Vorgang, da der Körper dann deren "kostspielige" Versorgung sparen kann ("use it or lose it").
Wieder einmal drängt sich der Eindruck auf, dass Themenkomplexe in unzulässiger Weise miteinander verknüpft werden, um das Dogma von LC=Supergut zu transportieren.
Wer IF ausprobieren will, soll es machen. Egal ob 16/8, 14/10 oder 12/12. Egal ob morgens, mittags oder abends. Schaut einfach, ob ihr damit klar kommt und ob es euch damit besser geht.
Spoiler: IF ist eben nicht gleichermaßen für Jedermann sinnvoll und geeignet, kann aber ein möglicher Baustein sein, metabolische Flexibilität zur erlangen und/oder zu bewahren.