09.03.2016
Man ließt ja ab und an, dass man beim Laufen durch die Nase einatmen soll; besonders im Winter.
Neben einer Filterung der Luft soll diese auch angefeuchtet und (vor)temperiert werden, bevor sie in die Lunge strömt.
Aber ist das wirklich sinnvoll?
Die normale Atemfrequenz eines Erwachsenen beträgt ~12 Atemzüge pro Minute in Ruhe. Das Atemzugvolumen in Ruhe liegt bei 0,5-0,7l. Das ergibt ein Atemminutenvolumen (AMV) von ~6-8,5l/Min..
Bei gut trainierten Ausdauersportlern kann das AMV um das bis zu 15fache ansteigen => 90-130l/Min.
Beim Blutkreislauf sieht es wie folgt aus:
Untrainierter: Ruhepuls ~60-80 1/Min. Herzschlagvolumen ~60-90ml => Herzminutenvolumen 3,6-6,4l.
Unter Belastung ~160-180 1/Min. Herzschlagvolumen ~75-105ml => Herzminutenvolumen 12-19l.
Trainierter: Ruhepuls ~40-60 1/Min. Herzschlagvolumen ~95-115ml => Herzminutenvolumen 3,8-6,9l.
unter Belastung ~160-180 1/Min. Herzschlagvolumen ~170-200ml => Herzminutenvolumen 27-36l.
Für meine weitere Betrachtung mache ich folgende Annahmen:
Atemminutenvolumen : 28 1/Min * 4l = 112l/Min
Herzminutenvolumen: 150 1/Min * 150ml = 22,5l/Min
Umgebungstemperatur: 0°C
Spez. Wärmekapazität Luft: 1,005 kJ/(kg*K)
Dichte Luft (0°C): 1,292 kg/m³
Bluttemperatur: 37°C
Spez. Wärmekapazität Blut: 3,64 kJ/(kg*K)
Dichte Blut: 1,057 kg/l
Wenn ich dann mal ein wenig rechne, komme ich auf einen "Heizwärmebedarf" zum aufheizen der Einatemluft auf Körpertemperatur von 5,45 kJ/Min. Wenn ich durch den Mund einatme und diese Temepraturerhöhung in der Lunge stattfinden muss, komme ich auf eine Abkühlung des Blutes in der Lunge von gerade einmal 0,063°C !
Zu bedenken gilt es, dass nämlich der gesamte, vom Herzen geförderte Blutvolumenstrom durch die Lunge fließen muss (!) und zum Erwärmen der Luft zur Verfügung steht.
Beim Einatmen durch die Nase steht nur ein Bruchteil der Blutmenge für Heizzwecke zur Verfügung; nämlich der Anteil, der durch die Nasenschleimhaut fließt (der größte Teil muss die Bewegungsmuskeln versorgen und durchfließen). Hier muss also eine deutlich stärkere Abkühlung stattfinden.
Wer schon mal zu schnell zu viel Eis gegessen hat, kennt den Effekt, dass man davon kruzfristige stechende Kopfschmerzen bekommen kann. Mein Sohn nennt das "Frostschmerzen". Ähnliches kann durchaus auftreten, wenn man zu schnell zu viel zu kalte Luft durch die Nase einsaugt.
Die "Vortemperierung" ist daher meiner Meinung nach kein Argument für ein Atmen durch die Nase bei Ausdauersport. Bleiben höchstens noch "Filtern" und "Anfeuchten".
"Anfeuchten" wird sich vermutlich ähnlich darstellen, wie "Temperieren". Das wird mit dem vollen Blutvolumenstrom in der Lunge einfacher sein , als mit dem eingeschränkten Volumenstrom durch die Nasenschleimhäute (abgesehen davon dass die deutlich kleineren Schleimhäute in der Nase dadurch deutlich stärker austrocknen würden und dadurch die Filterwirkung deutlich herabgesetzt würde).
Bleibt, zumindest ansatzweise, das Filtern (abgesehen von der reduzierten Filterwirkung durch austrocknende Nasenschleimhäute, s.o.). Wenn man nicht gerade während der Getreideernte oder bei hohen Feinstaubwerten sportelt, sollte das aber kein KO Kriterium sein.
Beim Laufen durch den Mund zu atmen, auch im Winter, sollte daher meiner Meinung nach nicht zu Problemen führen; ganz im Gegenteil.
Ich würde mich freuen, wenn ihr eure Ansichten und Erfahrungen beisteuern würdet.
LG,
Thorsten