27.10.2017
Hallo Sina,
witzig formuliert. Du solltest Dich kundig machen und schnellstens den Zahnarzt wechseln. Suche Dir einen wirklich kompetenten Parodontologen!
Witzig vor allem das Thema Partner. Natürlich werden diese Keime übertragen. Von Partner zu Partner wird noch eine Menge mehr übertragen. Grund genug, sich genau anzusehen, mit wem man umgeht - Kontaminationsgefahr auf allen Ebenen! (Noch ein kleiner Scherz am Rande, Gebiet Ethik: Potenzielle Überträger sind natürlich nicht nur die anderen ...)
Grundsätzlich: Wenn beim Zähneputzen oder bei der Sondierung durch den Zahnarzt auch nur an einer Stelle eines einzigen Zahnes Blutung auftritt, besteht eine Parodontitis. Bei der parodontologischen Untersuchung wird um jeden Zahn herum an sechs Stellen gemessen, d. h. geprüft, ob Zahnfleischtaschen vorhanden sind. Ab 3 mm Taschentiefe wird es kritisch.
Falls bei der Sondierung Blutung auftritt, hat sich der Erreger, das Bakterium, erfolgreich eingenistet und abgekapselt - und wird sich weiter verbreiten, von Zahn zu Zahn, verbunden mit Lockerungen. Es hilft hier keine normale Mundhygiene mehr. Die gängigen Mundwässer sind ohnehin vollkommen wertlos. Die übliche Augenwischerei, die übliche Geldmacherei. Toll, dass sich in unseren neokapitalistischen Zeiten kein Raffke und Betrüger mehr zu schämen braucht.
Bei den Erregern gibt es Unterschiede (5 Klassen), folglich Unterschiede im Schweregrad der Parodontitis. Beim Erregertest wird auch die Keimzahl geprüft. Davon hängen die Maßnahmen ab (chirurgisch oder medikamentös).
Therapie und Prophylaxe: Das ist offenkundig der wichtigste Punkt. Schulmedizinisch werden natürlich Antibiotika eingesetzt. Ob es ohne geht? Schwierig zu sagen. Die Taschen müssen zunächst auf jeden Fall ausgeräumt/saniert werden, es sei denn, es gibt ein exogenes Mittel, das auch eingenisteten Bakterien beikommen kann. Meines Wissens kommt hier nur Wasserstoffperoxid (H2O2) in Frage. Dieser hochinteressante (vielleicht sogar optimale) Stoff wurde im Forum ja bereits diskutiert. Siehe die Monographien von Gartz und Pies.
Die Prophylaxe ist im Prinzip überhaupt kein Problem. Man kann hier exogene und endogene Maßnahmen unterscheiden und sollte sie tunlichst kombinieren:
1) Exogen: Was Dr. Strunz in seinen News über Jahre (2009, 2011, 2013, 2015) geschrieben hat, halte ich für absolut korrekt und bewiesen. Orthomolar ist ein hervorragendes Mittel, mit dem sich auch kleine Zahnfleischtaschen und Zahnlockerungen beseitigen lassen (Einschränkung mittlere oder schwere Parodontitis). Exzellent auch "Ölziehen" mit erstklassigem Sonnenblumen- oder Kokosöl oder mit Xylitol. Ferner tägliche Pflege der Zahnfleischränder mit Spitzbürste und Zahnseide. Der regelmäßige Einsatz von Chlorhexidin ist laut Hendrickson/Brandt ebenfalls zu empfehlen. Um eine Zahnarztlüge handelt es sich hier oft deshalb, weil die Branche versucht, dieses Wissen zu monopolisieren - Geschäftsmodell halt.
2) Endogen: Noch viel wichtiger, da von gesamtsystemischer Bedeutung, sind die Mikronährstoffe. Auch hier herausragend: Dr. Strunz natürlich. Aber auch Gröber (Indikationsplan S. 515), Kuklinski, (27, 154, 195) und diverse Websites. Parodontitis heißt Entzündung. Also Vitamin C als Allererstes und im zweistelligen Grammbereich (das Herumreiten auf Obergrenzen bei Vitalstoffen ist Symptom eingehämmerten Denkens, das von interessierten Kreisen nach Kräften gefördert wird). Und nicht zu vergessen: Lowcarb.
Zur Bedeutung der Mikronährstoffe sei noch eine Metastudie aus 2010 erwähnt. Die Zahl der Probanden (inkl. Kontrollgruppen) dieser epidemiologischen Studie beläuft sich auf etwa 100.000. In ca. 90 % der Fälle ließ sich eine inverse Beziehung zwischen bestimmten Mikronährstoffspiegeln und Parodontitis (Parameter: Taschentiefe, Blutung bei Sondierung, Lockerungsgrad, Knochenverlust) feststellen. Mikronährstoffe: Vitamine C, D3, B und E, Mg, Mg/Ca, Antioxidative Kapazität, Gluthation, Bilirubin, Beta-Carotin, Folsäure, Omega 3 (EPA/DHA). Interessant auch der Hinweis auf oxidativen Stress und die Bildung von ROS und AGE (Ref. Battino et al., 1999): „Oxidative stress may result from mitochondrial electron leakage at complex III of the hydrogen-electron transfer chain [Atmungskette] on the inner mitochondrial membrane during normal metabolism … This gives rise to the single electron reduction of molecular oxygen forming the superoxide radical. In this situation increased nutritional intake of refined sugars or saturated fats … can overload the Krebs cycle, producing excess superoxide radical formation and downstream reactive oxygen species (ROS), which overwhelm mitochondrial antioxidant defence systems (superoxide dismutase 2), generating oxidative stress.”
Das ist "nur" eine Korrelationsstudie. Glaubt aber wirklich jemand, dass es erst noch 100 doppelblinde Studien von ebensolchen Forschern braucht, bevor es hell wird am Horizont?
Hoffe, dass meine durchaus subjektive Einschätzung hilfreich ist.
Anhang: Van der Velden, Kuzmanova und Chapple (Amsterdam/Birmingham), „Micronutritional Approaches to Periodontal Therapy“, J Clin Periodontology 2010, 38 (Suppl. 11): 142-158 doi. Ca. 150 Belegstellen. „Abstract:
Aim: Periodontitis results from the loss of a delicate balance between microbial virulence factors and a proportionate host response. Nutritional factors have been implicated in several chronic inflammatory diseases that are associated with periodontitis. The manuscript reviews the evidence for nutritional exposures in the etiology and therapeutic management of periodontitis, and makes recommendations for daily nutritional intake for vitamin C (ascorbic acid), vitamin D, calcium, and antioxidants.
Results and conclusion: Periodontitis is associated with low serum/plasma micronutrient levels, which may result from dietary and/or life-style factors as well as nutrigenetic characteristics. Early evidence suggests beneficial outcomes from nutritional interventions; supporting the contention that daily intake of certain nutrients should be at the higher end of recommended daily allowances. For prevention and treatment of periodontitis daily nutrition should include sufficient antioxidants, vitamin D, and calcium. Inadequate antioxidant levels may be managed by higher intake of vegetables, berries, and fruits (e.g. kiwi fruit), or by phytonutrient supplementation. Current evidence is insufficient to support recommendations of mono-antioxidant vitamin supplements and randomised controlled double-blind intervention studies are needed to provide evidence to underpin future recommendations. Inadequate supply of vitamin D and calcium may be addressed by implementing changes in diet/life style or by supplements.”