06.06.2017
Ich bin Arzt und möchte etwas über den Tellerrand blicken, deshalb lese ich mich u.a. durch die Strunz'schen Bücher durch. Angefangen hatte ich mit "Wunder der Heilung" und habe dazu eine Frage:
Es wird darin gebeten, immer selbst scharf nachzudenken. Ich hafte nun nicht besonders an Doktrinen meiner Ausbildung, aber eine Aussage des Buches deckt sich überhaupt nicht mit meinen Erfahrungen.
Strunz schreib, man könne Krebszellen, die nur von Glucose lebten, aushungern. Dazu wird eine ketogene No-Carb Diät vorgeschlagen und dazu 90 Minuten Sport, um alles Glykogen abzubauen.
Aber auf welchen BZ kommt man damit? 60mg/dl vielleicht? Das müsste doch für eine glucosehungrige Zelle ausreichen, um sich weiterhin zu bedinen?
Also - wie tief kann man realistisch den Blutzucker absenken? Und - reicht das?
Meine Erfahrungen dazu:
1. Mein tiefster eigener erreichter Blutzuckerwert (gemessen im Serum): 48mg/dl durch Fasten und Sport. Fühlt man sich recht schlapp mit, mag aber Gewöhungssache sein.
2. Ich habe viel intensivmedizinische Erfahrung. Intravenös längerfristig ernährte Patienten (NUR Aminosteril plus Vitamin- (FrekaVit) und Mineralstoffpräparat (Addaven)), die mit Propofol (= 98% Fette) sediert sind haben in der Regel immer einen erhöhten Blutzucker, so dass man Insulin zur Kontrolle geben muss. Dabei wird keine Glucose jedweder Form zugeführt. Vielleicht mag es an der häufig dazu gegeben Katecholamintherapie liegen, aber auch ohne scheint mir eine solche (de facto ketogene) Diät eher zu einem normalhohen Blutzucker als zu einem Niedrigzucker zu führen. Erfahrungsberichte von Ketodiäten nicht kranker Menschen mit BZ-Messung liefern wohl auch ähnliche Daten.
3. Wenn bei obigen Patienten akzidentiell zu viel Insulin gegeben wird - dann verlieren sie, wenn nicht sediert, das Bewusstsein, wenn sediert, habe ich Reanimationszustände erlebt. Es scheint also, als könnte der Körper ohne einen Mindest-BZ von ~40 einfach nicht leben. Trotz Ketose.
4. Erfahrungen aus dem Notarztdienst mit einem Atlethen, der beim Sport unterzuckerte (ketogene Diät, Marathon) sagen mir, dass dieser gleich wie "der" typische Diabetiker ab < ~40 mg/dl erst wesensverändert, dann bewusstlos wird.
Sprich: Wie soll das "Aushungern" klappen, wenn eben doch immer Glucose (wenn auch weniger) im Blut ist und bleibt?