Vergesslich, verwirrt, ständig verlegt man Dinge – ist das schon Alzheimer? Mehr als jeder zweite Deutsche fürchtet sich Umfragen zufolge vor der Demenzerkrankung; diverse Bluttests versprechen heute eine Früherkennung der gefürchteten Krankheit, indem sie z.B. Biomarker wie Peptide aus den typischen Ablagerungen im Gehirn (Beta-Amyloid-Plaques) oder chemisch veränderte TAU-Proteine erfassen. Ein positives Testergebnis ist für Betroffene meist schwer zu verkraften.

Aber schickt wirklich nur ein erkranktes Gehirn solche SOS-Signale ins Blut, oder können nicht auch andere Erkrankungen wie etwa eine gestörte Nierenfunktion diese Testergebnisse beeinflussen? Falls ja – können solche Nierenprobleme auch Demenzleiden fördern? Diese spannenden Fragen hat gerade eine Arbeitsgruppe um Altersmedizinerin Francesca Gasparini vom Karolinska-Institutet in Solna (Schweden) in einer viel beachteten Langzeit-Studie untersucht. Publiziert wurde die Arbeit in „Neurology“, der Publikation der „American Academy of Neurology“.

Die Studie basierte auf den Gesundheitsdaten der „Swedish National Study on Aging and Care in Kungsholmen“, einer bevölkerungsbasierten Langzeitstudie. In die Analyse einbezogen wurden die klinischen Daten von 2.279 Menschen (Durchschnittsalter: 72 Jahre), die zu Beginn der Studie nicht an einer Demenz litten und sich einer gründlichen medizinischen Untersuchung, einer Erfassung ihrer kognitiven Funktionen sowie speziellen Bluttests unterzogen hatten. Letztere umfassten auch die Messung der Nierenwerte sowie verschiedene Alzheimer-Biomarker wie Tau-und Amyloid-beta-Proteine, Neurofilament-Leichtketten (NFL) und saures Gliafaserprotein (GFAP).

In der achtjährigen Nachbeobachtungszeit entwickelten von den 1.722 nierengesunden Probanden 221 Menschen eine Demenz, von den 557 Probanden mit einer eingeschränkten Nierenfunktion waren es 141 Personen. Die Forscher stellten fest, dass Studienteilnehmer mit vorhandener Nierenschwäche häufiger höhere Spiegel der getesteten Alzheimer-Biomarker im Blut, darunter p-tau217, aufwiesen. Sprich: Sie hatten häufiger positive Demenztests. Dennoch schien der Studie zufolge ein Nierenleiden alleine nicht das generelle Demenzrisiko zu erhöhen. Zwar scheine sich unter den Probanden mit erhöhten Blutwerten des Biomarkers NFL die Entwicklung einer – möglicherweise bereits latent vorliegenden - Demenz zu beschleunigen, nicht aber der Auslöser dafür zu sein, wie die Forscher in einer Presseerklärung des Karolinska-Institutets anmerken.

Fazit der Forscher (und Appell an die Ärzte): Bei auffälligen Werten von Alzheimer-Biomarkern im Blut älterer Patienten sollte immer auch der Gesundheitszustand der Nieren mit überprüft werden.

Mein Senf dazu: Wer nicht gerade Nierensteine hat, bemerkt es oft lange nicht, wenn seine Nieren schwächeln. Erst wenn sich u.a. Ödeme (Gesicht, Beine) oder Bluthochdruck (kann Ursache oder Folge kranker Nieren sein) einstellen, finden die vernachlässigten Filterorgane meist Beachtung. Testen lässt sich die Nierenfitness u.a. mit dem GFR-Test (Glomuläre Filtrationsrate). Der Bluttest – ein Standardtest in Arztpraxen – gibt an, wie gut die Nieren noch filtern können.

Was Sie sonst noch für die Gesundheit tun können (z.B. Insulinresistenz vermeiden, Lebensstil rebooten), lesen Sie hier:
https://www.strunz.com/news/spaeterkennung.html


Quellen:
Gasparini F, Valletta M, Vetrano DL, Beridze G, Rizzuto D, Calderón-Larrañaga A, Fredolini C, Dale M, Winblad B, Fratiglioni L, Grande G. Kidney Function, Alzheimer Disease Blood Biomarkers, and Dementia Risk in Community-Dwelling Older Adults. Neurology. 2026 Jan 13;106(1):e214446. doi: 10.1212/WNL.0000000000214446. Epub 2025 Dec 3. PMID: 41337685

https://news.ki.se/kidney-health-affects-alzheimers-blood-biomarkers-but-not-dementia-risk

https://www.sciencedaily.com/releases/2025/12/251205045845.htm

https://www.aerzteblatt.de/news/deutsche-haben-laut-umfrage-am-meisten-angst-vor-krebs-und-demenz-733d7b4f-ae8f-4752-96f1-54585d93adb1



Über die Autorin:


Marion Meiners ist ausgebildete Verlagskauffrau und Journalistin und arbeitete viele Jahre für Zeitschriften als Redakteurin für Gesundheit und Ernährung. Zusammen mit Labor-Professor Hans-Peter Seelig schrieb sie das Buch „Laborwerte klar und verständlich“.
Ihre Begeisterung für Medizinthemen entdeckte sie in frühen Berufsjahren, nachdem ihr eine Verwandte einen Pschyrembel schenkte. Seither heißt ihr digitales „Wohnzimmer“ PubMed und die Faszination für die Ursachen-Fahndung bei Krankheiten sowie die Effekte von Ernährung und Lebensstil auf die Gesundheit hält an.

Das sagt sie über ihre Tätigkeit:

„Alles hängt mit allem zusammen im Körper. Das ist leider in unserer „Schubladen“-Medizin noch nicht so ganz angekommen. Ein Nährstoffmangel kann etwa ebenso fatale Auswirkung auf alle Organsysteme haben wie z.B. ein kranker Zahn. Umgekehrt kann schon eine veränderte Zusammenstellung der Makro-oder Mikronährstoffe in der Ernährung gigantische therapeutische Effekte entfalten. Welche, und wie gut belegt diese sind – darüber möchte ich informieren.“


Das Bild zeigt ein Porträt der News-Autorin Marion Meiners.