05.08.2017
Hallo Asgard,
als Eiweißgrundlage nutze ich a) ein gutes Pulver mit allen wichtigen Aminos, Vitaminen, Antioxidantien, Mineralstoffen und Spurenelementen, b) Fisch (speziell Seelachs) und Fleisch, beides in Maßen, so drei- oder viermal pro Woche. Shakes gibt es häufig, zwei-, drei- oder viermal am Tag, abhängig von der Trainingsintensität. Ich reichere sie immer mit speziellen Aminosäuren an, v. a. Carnitin, Glutamin, BCAA, Lysin, ferner Whey, Glycin, Cystein. Bei Carnitin und Cystein ziehe ich die acetylierten Varianten vor.
Das Aminogramm spiegelt nach 3 Jahren mein Essverhalten recht genau wider. Über Maximum liegen die Werte der spezifischen Supplementierung: Phenylalanin, BCAA (Valin, Leucin, auch Isoleucin hoch), Lysin, Taurin. Entsprechend weniger stark: Tryptophan und Arginin. Arginin könnte ich als Ausdauersportler durchaus mehr gebrauchen, doch sind meine Wettkampfzeiten trotzdem gut genug. Schön zu wissen, dass man Reserven hat.
Cystein habe ich bislang ebenfalls nur schwach eingebunden. Das ist ein Fehler, wenn man bedenkt, wie entscheidend diese Aminosäure für das zentrale Antioxidans Glutathion ist. Glutathion bildet der Körper aus Glutamin, Glycin (auch so ein unterbelichteter Stoff) und eben Cystein, das den geschwindigkeitsbestimmenden Faktor ausmacht und stellvertretend als Cystin (Dimer, 2 Cystein-Moleküle) gemessen wurde. Cystein wiederum kann aus Methionin hergestellt werden – sofern man genug davon im Körper hat. Kriegt man zwar über Carnitin, aber sicherlich nicht genug, folglich muss man substituieren, denn Methionin ist der zentrale Stoff für die Pflege der DNA (Methylierung). Glutathion ist gerade für Ausdauersportler unabdingbar, da freie Radikale entschärft werden müssen. Wer will schon oxidativen Stress!? Gleiches gilt für Nitrostress (daher B12, B9, B7, B6, Selen & Co.).
Lysin ist mir wichtig (und deshalb hoch), weil ich zu Herpes labialis neige (bzw. neigte). Lysin ist insofern ein guter Indikator für den Zustand des Immunsystems und überdies für ein gesundes Gefäßsystem wichtig.
Wie erwähnt, Kohlenhydrate minimal, etwa 40 bis 60 g pro Tag (die Bauchspeicheldrüse soll auch nicht leben müssen wie ein Hund). Fett (alle Formen) als Energiestandbein. Gemüse (nebst Smoothies) viel, naturbelassen, keine Verfeinerungen. Keep it simple!
Da ich seit vielen Jahren systematisch und diszipliniert vorgehe, interessieren mich die schulmedizinischen Standarduntersuchungen nicht. Der entscheidende Punkt ist für mich die tägliche Leistungs- und nächtliche Regenerationsfähigkeit – und beides ist top. Insoweit passt alles. Ein Standardblutbild wurde letztes Jahr eher zufällig erstellt, im Rahmen der Prüfung der immunologischen Verträglichkeit zahnprothetischer Materialien (umfangreiche Spezialtests beim IMD inkl. Bestimmung des genetischen Entzündungsgrads; sehr interessant das Ganze, die Schulmediziner haben von all dem keine Ahnung, daher interessieren sie sich auch nicht dafür – sonst kämen sie ins Nachdenken, und das wäre schlimm). Jedenfalls war das Blutbild wie erwartet gut – bis auf eine Ausnahme: die Lebertransaminasen, ausgerechnet. Stellt sich die Frage nach den Ursachen.
Kann man HP und HF übertreiben und das Zentralorgan Leber überlasten? Als Ausdauersportler mit BMI 20 und 12 % KFA eher nicht. Der Körper muss mit allen Vitalstoffen gut ausreichend versorgt werden, doch halte ich überkalorische Ernährung aus mehreren Gründen für einen groben Fehler. Das sollte einfach im Lot sein. Gewicht und KFA geben genau Auskunft darüber, ob der Körper die Fettdepots oder die (laufend zugeführten) freien Fettsäuren nutzt.
Auf meine Frage, ob das Problem beim Eiweiß oder eher beim Fett zu suchen sei, meinte der Schulmediziner: Eiweiß, möglicherweise verunreinigt. Falsch getippt, Verehrtester, sehr wahrscheinlich falsch. Eiweiß gilt als Lebertherapeutikum, und Taurin ist ein ganz besonders potentes. Verunreinigungen können hier keine Rolle spielen, weil drei Vergleichspersonen, die sich, wenn auch Nichtsportler, exakt gleich ernähren wie ich selbst. Deren Leber- und Fettwerte sind perfekt oder haben sich kontinuierlich verbessert. Und zum Thema Fett: Wenn es stimmt, dass die Leber dieses Substrat nicht nur gern akzeptiert, sondern sogar präferiert (Horn usw.), liegt auch hier nicht das Problem.
Es geht hier um den Leberstoffwechsel, ein offenkundig ganz zentrales, aber erstaunlich unterbelichtetes Thema, wie ich finde (zB Substratnutzung und ‑interkonvertibilität). Den Schulmedizinern fällt in diesen Zusammenhängen nichts Besseres ein, als auf Hepatitis zu untersuchen. Hat mein Hausarzt auch komplett gecheckt – mit dem Negativ-Ergebnis, das ich ihm vorhergesagt habe. Hepatitis bei meinem langjährigen Fitnessniveau? Eine irre Vorstellung. Und Entzündungswerte wird er in meinem Körper generell nicht viele finden, nicht einmal in den Gelenken, ungeachtet der über vierzigtausend Kilometer, die ich in den letzten sechs Jahren so ganz nebenbei gelaufen bin (wirklich nebenbei – was sind schon zwei bis drei Stunden Training täglich, der Tag hat ja 24 Stunden). Außerdem: Wofür mache ich das eigentlich? Damit der Arzt eine Krankenakte führen kann?
Fazit: Ich habe den Anteil der gesättigten Fette ein wenig reduziert, habe Taurin, Cholin (Eier, auch Cholin-Bitartrat) und Mariendistel betont. Nach drei Wochen waren zwei der drei Transaminasen wieder im Lot, ASAT war noch geringfügig erhöht. Dem Thema Leberstoffwechsel werde ich weiter nachgehen. Und was ich noch nicht erwähnt habe, ist der Hinweis von Dr. Strunz in seinem Blutbuch (82): dass erhöhte Werte auch durch „hartes Training“ bedingt sein können. Nun, diese Bedingung trifft in aller Härte zu: Die Blutentnahme hat immer nach hochintensivem Training (Marathonvorbereitung) stattgefunden. Training nicht nur tags zuvor (morgens und abends), sondern auch Tempolauf am Morgen direkt vor der Abnahme. Das ist mein (außerordentlich bewährter) Lebensrhythmus, und so bleibt das auch. Ich möchte aber, bitteschön, noch genau wissen, welche biochemischen Prozesse hier involviert sind.