01.10.2018
Etwas Off-Topic aber hier eine kleine Muskelkater-Kunde:
Wie Jean S. schon schrieb, ist Muskelkater nach gegenwätiger (Er)Kenntnislage auf Mikrotraumata im Muskel (feinste Anrisse) zurück zuführen. Die Laktat-Hypothese ist 80er Jahre Wissensstand.
Ursache dieser Mirkotraumata ist ganz schlicht und ergreifend lokale mechanische Überlastung der Muskel- bzw. Eiweißstrukturen.
Diese muss/will der Körper wieder instandsetzen/reparieren. Dazu löst er eine Entzündungsreaktion aus. Der Flüssigkeitseinstrom in den Zellzwischenraum wird erhöht, die Durchlässigkeit der Blutgefäße in der Umgebung steigt, Reparaturzellen treten aus der Blutbahn in die Zellzwischenräume ein, Fresszellen entsorgen Zellschrott.
So weit so gut. Bis hierhin merkt man davon noch nicht viel, da es innerhalb des Muskels kaum Schmerzrezeptoren gibt (die sitzen außen). Erst wenn die Entzündungsfolgen sich bis an den Perimeter des Muskel vorgearbeitet haben wird das Ganze schmerzhaft. Das dauert halt seine Zeit (daher auch Muskelkater nicht direkt nach der Belastung, sondern erst einige Zeit/Tage später). Dieser Entzündungsprozess ist ein elementarer Teil des Regenerations- bzw. Reparaturprozesses!
Was kann man zur Linderung tun?
Wärme kann helfen (erhöht die Durchblutung und Regeneration).
Kälte kann helfen (unterdrückt Entzündungsgeschehen).
Entzündungshemmende Substanzen können helfen (s.o.).
Entzündungshemmende Ernährung kann helfen (s.o.).
Leichtes(!), vorsichtiges(!) Dehnen kann lindernd wirken (Muskelspannung / -tonus reduzieren).
Massagen sind i.d.R. kontraproduktiv, da sie weitere mechanische Belastungen in ein bereits mechanisch geschädigtes System einbringen.
Der den Muskelkater hervorrufende Entzündungsprozess ist ein elementarer Teil des Regenerations- bzw. Reparaturprozesses. In stumpf unterdrücken zu wollen (Ernährung, NEM, Medikamente) kann wohl kaum genetisch korrekt sein. Ihn in physiologisch sinnvoller Weise zu modulieren und ein Überschießen zu vermeiden dagegen sehr wohl (Optimieren statt Extremieren!).
Was ist jetzt bei allen oben genannten Varianten stets gleich?
Richtig, die mechanische Schädigung des Muskels (Mikrotraumata) durch mechanische Überlastung bleibt von allen genannten Maßnahmen unbeeindruckt.
Der Umstand, dass es nicht weh tut (Muskelkater) heißt nicht, dass es auch keine Mikrotraumata gab. Was es im Zweifelsfall bedeutet, mit einem geschädigten Muskel weiter zu trainieren (tut ja nicht weh), kann sich wohl jeder selber vorstellen.
Wie kann man nun feststellen, ob es diese Mikrotraumata ohne gefühlten Muskelkater tatsächlich gab?
Einen Maximalkraft-Test oder Schnellkraft-Test machen. Der geschädigte Muskel kann nicht seine volle, gewohnte Kraft /Schnelligkeit entwickeln (z.B. Beinpresse oder Standhochsprung o.Ä.). Dazu muss man natürlich seine Referenzwerte kennen.
Das Einzige, was wirklich hilft, ist ein guter Trainingszustand! Und eine gute innermuskuläre Koordination (Achtung: ist eigentlich eine neuromuskläre Anpassung). Sprich gelegentliches Maximalkrafttraining, damit auch bei moderater Belastung (Ausdauertraining) möglichst alle zur Verfügungstehenden Muskelfaser gleichzeitig aktiviert werden können, ohne dass einige wenige überlastet werden und der Rest sich "einen faulen Lenz" macht.
LG,
Thorsten