Hallo Albrecht,
vielen Dank für Deine Bemühungen! Grob gesehen ist die automatische Übersetzung recht ordentlich, tauglich für eine ungefähre Einordnung der Thematik. Mehr ist auch nicht zu erwarten. Computer können rechnen, aber nicht denken (und werden es auch nie lernen). Der Humanübersetzer ist unersetzlich. Auch im vorliegenden Fall müsste der Text komplett überarbeitet werden, wenn er sprachlichen Mindeststandards genügen soll. Mit der Bereinigung eklatanter Fehler wäre es nicht getan.
Ich habe den englischen Text einfach nur zitiert und mit einigen Hervorhebungen versehen, weil sich eine intensive Auseinandersetzung mit solchen Arbeiten überhaupt nicht lohnt. Warum? Weil erstens der Fokus nicht stimmt und zweitens in typisch szientistischer Manier selektiv verfahren wird. Jeder pflegt halt sein Gärtchen und Ego.
Schon konzeptuell grundlegend falsch ist meines Erachtens die Dichotomisierung Genetik/Umwelt bzw. intrinsisch/extrinsisch. Es geschieht intrinsisch (endogen) gar nichts, was nicht auch extrinsisch mitinduziert wäre. Insofern ist der „dritte Faktor“ (Gesamtzahl der Stammzellteilungen) purer Schwachsinn, solange man die DNA-Replikation als isolierten, zunehmend fehlerträchtigen, aber leider unbeeinflussbaren Mechanismus definiert. Epigenetik und Molekularmedizin postulieren nicht nur, sondern beweisen ja, dass hier Interdependenz herrscht und dass anhand der genetischen Schalter, vermittelt über Mikronährstoffe wie Methionin, tatsächlich Einfluss genommen werden kann. Und nicht nur „kann“, sondern dass dies - systembedingt - nolens volens der Fall ist, eben auch im gesundheitsschädlichen, mutativen Sinn.
So gesehen ist es auch äußerst fraglich, ob man zwischen „deterministischen“ und „replikativen“ Tumoren sinnvoll unterscheiden kann. Ähnliches gilt für die praktische Relevanz der Rückkehr postmitotischer (sich nicht mehr teilender) Zellen in den Zellzyklus.
Bezeichnend ist auch, dass extrinsische (exogene) Faktoren im Wesentlichen auf Strahlungseinflüsse und Karzinogene beschränkt bleiben. Von Ernährung, Bewegung und Denken keine Spur.
Schön, dass zumindest die absurde Zweidrittel-These kassiert wurde. „Weniger als ca. 10-30 %“ macht nicht gerade einen kleinen Unterschied. Und dass in Bestreitung der (fatalistischen) Pech-Hypothese auf die wichtige Rolle extrinsischer Faktoren gepocht wird, ist zu begrüßen (obgleich selbstverständlich).
Ob man die Arbeit von Tomasetti und Vogelstein produktiv („refreshing“) nennen kann, sei dahingestellt. Der Vorwurf, dass ihre Messungen (Stammzellenzahl, Teilungsraten) unzuverlässig seien, wiegt schon mal schwer. Dass das Ganze auf „rigoroser mathematischer Modellierung“ (Stochastik) beruht, wiegt noch schwerer.
Zweimal wird festgestellt, dass das intrinsische Risiko besser anhand des Grenzrisikos (des noch tolerablen Risikos; ein Begriff aus der stat. Regressionsanalyse im Unterschied zur Korrelationsanalyse) unter Berücksichtigung der gesamten Stammzellteilungen zu bewerten sei. Diese technisch-methodischen Spitzfindigkeiten ändern meines Erachtens nichts am falschen Fokus. Immerhin bleibt das Fazit, dass intrinsische Risikofaktoren nicht genügen, sondern dass es weit mehr („heavily influenced“) auf die extrinsischen Faktoren ankomme.
Das soll nun wirklich genügen. Zurück also zu Biochemie, Molekularmedizin, Epigenetik! Alles andere ist Energieverschwendung.