Günther, ich mag unsere verbalen Scharmützel :-)
Unterm Strich kommt interessanter Weise oft heraus, dass wir mit unseren Ansichten gar nicht weit auseinander liegen.
"Und behaupten dann, es käme bloß darauf an, dass die in der zugeführten Materien steckende Energie kleiner oder gleich der im System Mensch verbrauchten Energie sei."
Die zugeführte kalorische Energie muss "irgenwo" hin. Viele Möglichkeiten gibt es da nicht. Verbrauchen, speichern oder (ungenutzt) ausscheiden kommen in Frage.
"Auf der anderen Seite der Gleichung versucht man mit aller Gewalt, unter anderem einen Grundumsatz und einen Leistungsumsatz zu definieren. Damit die von Haus aus falsche Gleichung doch irgendwie funzt."
Wieso sollte die Gleichung "von Haus aus falsch" sein? Über die numerische Ermittlung und Ausprägung kann man ja gerne streiten, aber wenn die Zufuhr die Abfuhr (dazu zähle ich jetzt mal Verbrauch und Ausscheidung) übersteigt, muss die Differenz "eingelagert" werden.
Dabei ist es unerheblich, wie die betrachtet Zahlenwerte zustandegekommen sind oder wie groß sie sind. Das Resultat zeigt sich auf der Waage bzw. am Maßband (und evtl. noch an der Stoffwechsellage).
"Denn der vom Menschen allenfalls abgegebene Wärmestrom schwankt extrem stark. Bei eiweißreicher aber auch bei fettreicher Nahrung ist die über die Haut und die Atemluft abgegebene Wärmemenge deutlich höher als bei fettarmer und kohlenhydratreicher Ernährung."
Richtig. Das ist aber doch genau das, was ich mit "guten" Kalorien (die, die den Energiumsatz ankurbeln) und "schlechten" Kalorien (die, die den Körper zu ihrer Einlagerung anregen) zu beschreiben versucht habe.
"Obendrein wird ja nicht alle Energie, die in der aufgenommenen Materien steckt, zur Gänze ins System aufgenommen, [...] Ein mehr oder weniger großer Anteil bleibt in der Materie gebunden und wird wieder ausgeschieden."
Da bin ich ganz deiner Meinung (s.o.). Natürlich kommt es auf die vom System Mensch aus dem Verdauungssystem aufgenommene Energiemenge an.
"Wie viel das ist? Pfff, keine Ahnung. Jedenfalls ist mir nicht bekannt, dass sich schon mal jemand die Mühe gemacht hätte, den Energiegehalt der Kacke (sorry!) von Ketariern und DGE-Ernährten zu vergleichen :-)."
Darauf kommt es weder an, noch ist das nötig.
Die offensichtliche Erkenntnis für den Einzelnen ist doch:
* ich nehme Fettmasse zu => ich verbrauche weniger Energie, als ich mir zuführe
* ich nehme Fettmasse ab => ich verbrauche mehr Energie, als ich zuführe
* ich halte meine Fettmasse konstant => ich habe ein Gleichgewicht zwischen Energiezufuhr und Energieverbrauch
Um den zweiten Punkt zu erreichen, habe ich mehrere Möglichkeiten:
* mehr Bewegung (Krafttraining) => Muskelwachstum, Nachbrenneffekt => auch nach der Belastung lange anhaltender höherer Energieverbrauch
* mehr Bewegung (HIT) => Nachbrenneffekt => auch nach der Belastung lange anhaltender höherer Energieverbrauch
* mehr Bewegung (Ausdauer) => höherer Energieverbrauch (wärend der Ausdauertätigkeit)
* Kalorienkomposition der Nahrung ändern; weg von den Speicherwilligen Kalorien (z.B. Fruktose)
* Kalorienzufuhr einschränken (aber nicht den Körper ins Sparprogramm fallen lassen)
* Kalorienzufuhr zeitlich einschränken (IF)
"Ja, Muskeln verbrauchen etwas mehr Energie als Fett. Und helfen ein klein wenig dabei, für eine negative Energiebilanz zu sorgen. Das ist aber enttäuschend wenig, sodass der Hauptgrund, sich Muskeln anzutrainieren und zu erhalten richtigerweise ganz wo anders liegt (Stichwort: Hormonmaschine Muskel)."
Der Grund sich Muskeln (anzu)trainieren, um Fett abzubauen, liegt in der Spannweite mit der sie ihren Energieumsatz steigern können (in Ruhe ~200-300W; bei intensiver körperlicher Belastung kurzfristig bis ~2000W). Positive Auswirkungen auf Stofwechsellage und Hormonhaushalt sind unbestritten.
"Der Einfluß der Ernährung (qualitativ, nicht quantitativ!) auf diese sog. Energiebilanz ist hingegen um ein Vielfaches höher."
Das kann ich nicht seriös quantifizieren, aber ja, die Nahrungskomposition/Nahrungsqualität hat auf jeden Fall einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. Aber das hatten wir ja prinzipiell schon mit "guten" und "schlechten" Kalorien.
"Und man könnte jetzt behaupten, es hätte alleine mit dem Eiweißgehalt zu tun. Mag sein. Für mich persönlich ist dieser beobachbare Zusammenhang aber zumindest ein entscheidender Hinweis ;-)."
Wie gesagt, es gibt Nahrungskalorien, die den Körper dazu anregen, den Energieumsatz zu erhöhen und solche die ihn dazu bringen, den Enrgieumsatz zu senken und sie stattdessen einzulagern (Fettdepots).
"Mein Hinweis zur natürlich sehr spartanischen Formel "180 minus Lebensalter" [...] Damit liegt man jedenfalls auf der sicheren Seite."
Wie ich ja bereits ausgeführt hatte.
"Denn für die Katz´ ist es keinesfalls, wenn man vielleicht ein halbes Jahr bei Puls 150 trainiert hat und auch noch 160 vertragen hätte,"
Aber man bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Meine Erfahrung sagt mir, dass sehr viele Menschen zu lange im belastungsmäßig zu geringen Wohlfühlbereich verharren und dann nach einem Jahr enttäuscht über ihren mangelnden Fortschritt (Gewichtsreduktion, Fettabbau, Leistungssteigerung, Muskelzuwachs) zeigen.
Locker anfangen und sich sukzessiv nach oben, in Richtung steigender Belastung / Intensität rantasten.
"(Jetzt würde mich natürlich interessieren, wie alt Silke ist. Wäre sie ungefähr 38 Jahre alt - plus/minus vier Jahre -, müsste ich ziemlich grinsen ;-) )."
Silke ist 49 ;-)
https://www.strunz.com/de/forum/neuanfang-3/?p=1
LG,
Thorsten
