27.04.2016
Haha, Daniel, da hab ich doch in der Tat "schon etwas vorbereitet". Wie beim Fernsehkochen, wenn man den bereits vor Sendungsbeginn ins Rohr geschobenen fertigen Braten herausholt. Und es ist wiedermal - weil Du das ja so magst - ein Mammutbraten geworden ;-). Du, jeder hat so seine Steckenpferde. Bei Dir ist es die Darmgesundheit bzw. die hierfür notwendige Bakterienlandschaft. Oder neuerdings das BGE. Und das respektiere ich auch. Andere haben wiederum andere Schwerpunkte. Es bleibt einem ja unbenommen, ob man das dann lesen möchte oder doch lieber zu anderen Beiträgen oder Internetseiten wechselt und wieder mehr in den Darm blickt. Noch dazu, wo Thorsten es ja gleich als "Experiment" bezeichnet hatte.
Hallo Thorsten St.! Tolles Rechenexempel! Kompliment! Und soweit ich das beurteilen kann, ist es unter den von Dir getroffenen Annahmen und Zielsetzungen auch korrekt. Allerdings zwei Punkte …
200g Glukose täglich in Ruhe benötigt man nur, wenn man einen glukoseabhängigen (ich würde fast sagen, glukosegetriebenen) Stoffwechsel hat. Wenn man praktisch ausschließlich über jene „zuckerverbrennenden Enzyme“, von denen der Doc. gerne spricht, verfügt. Ja, dann benötigt man diese Menge Glukose selbst dann, wenn man mal gar nix macht. In Ruhe also. Glaube ich gerne! Anders sieht es aus, wenn man auch ausreichend „fettverbrennende Enzyme“ hat. Wenn man durch gelegentliches intermittierendes Fasten, entsprechende kohlenhydratarme Ernährung und die richtige, nicht zu intensive Bewegung an einen höheren Anteil der Energiebereitstellung aus Fetten (bzw. Ketonkörpern) gewöhnt ist – bei geringer Belastung und vor allem in Ruhe. Also ein „fatburning beast“ ist. Da benötigt man so gut wie keine Glukose, nicht einmal für das Gehirn.
Zweitens: Ein monotoner Dauerlauf von 1,5 oder gar 2 Stunden Dauer – selbst, wenn man den Energieverbrauch von Läufer „A“ heranzieht – ist alles andere als artgerechte Bewegung, vor allem, wenn regelmäßig ausgeführt. Ja, ich weiß schon, das hört man auf einer Seite, bei der der Ausruf „lauf!“ zentraler Bestandteil ist, nicht so gerne. Aber wenn man mal über unsere Jäger&Sammler-Vorfahren nachdenkt (und Völker beobachtet, die heute noch annährend so leben – nein, die Massai sind da nicht das richtige Beispiel ;-) ), dann stellt man schnell fest, dass sich die nie so fortbewegt haben – nämlich mittels langer, gleichmäßiger, ziemlich fordernder Dauerläufe. Lange Strecken haben die vor allem gehend (!) zurückgelegt, mit vielen Unterbrechungen (Sammeln, Aufspüren und Verfolgen potenzieller Beute, sowie das Heimtragen der allenfalls erlegten Beute). Und dann gab es auch noch die kurzen, intensiven Fight-or-flight-Situationen (finales Erlegen der aufgespürten Beutetiere, oder Flucht vor Raubtieren), gepaart mit kurzen, gelegentlichen Kraftanstrengungen (im Zuge des Tranchierens der Beute oder im Rahmen von regelmäßigen Reproduktionsarbeiten udgl.). Aber ein Dauerlauf von 2 Stunden Dauer, selbst bei „nur“ 8kcal/Minute,… nein, denn da ist man schon in der Vergangenheit als unfreiwilliger Namensgeber für eine berühmte Dauerlaufdistanz eher gestorben als aufgeblüht ;-).
Dein Beispiel stimmt also aus meiner Sicht nur vor dem Hintergrund Deiner Prämissen, es muss jedoch angemerkt werden, dass diese Prämissen und Zielsetzungen – so ehrenwert, erstrebenswert, reizvoll udgl. sie auch sein mögen – vielleicht nicht ganz dem entsprechen, wofür der Mensch (sein Stoffwechsel) gemacht ist. Das ist nicht ganz artgerecht und erfordert daher auch nicht ganz artgerechte Kompensationsmaßnahmen, wie zum Beispiel erhöhte Kohlenhydratzufuhr.
Versteh mich aber bitte nicht falsch! Wenn man gerne und viel und oft und gelegentlich sehr fordernd läuft, dann ist das natürlich super und tausendmal besser, als wenn man sein Leben auf dem Sofa sitzend und rauchend verplempert. Allerdings liegt das - zumindest so, wie Du es beschrieben hast – bereits im Bereich der chronischen Überforderung (im amerikanischen Bereich gerne als „excessive cardio“ bezeichnet), die eben nur durch chronische und dauerhaft nicht so gesunde Ausgleichsmaßnahmen (kohlenhydratreiche Ernährung) im Griff behalten werden können. Und nach all dem, was ich bisher so von Dir gelesen habe, entspricht das Deinem „Alltag“ und dem, was Du für Dich für gut befindest. Respekt und Anerkennung! Aber das ist eben nur EIN möglicher Weg. Jedenfalls aber eine Erklärung, warum wir im Zusammenhang mit KH-Bedarf, Ketose udgl. gelegentlich aneinander vorbei zu reden scheinen.
Es gibt auch andere, aus meiner Sicht artgerechtere Bewegungsregime, die für viele (ich behaupte, für die meisten, die sich gelegentlich auf diese Seite verirren) angemessener wären. Und das muss ja gar nicht im Widerspruch zur Botschaft des Doc. von wegen „Laufen sie!“ stehen. Insbesondere dann nicht, wenn man sich damit hilft, dass man in weiten Teilen Deutschlands (vielleicht auch der Schweiz) auch zum Gehen gerne „laufen“ sagt („Mensch, dat Stück laufen ´wa!“) und damit eindeutig „gehen“ meint. So ausgelegtes „Laufen“ ist gleich viel eher artgerecht. Und geht immer noch als „Laufen“ durch ;-).Und dann liegt der Glukosebedarf nur noch bei einem Bruchteil des von Dir angegebenen Wertes. Ist aber dann eine ganz andere Welt als die meisten hier auf dieser Seite oder auf Seiten wie „edubily“ anstreben (oder glauben, anstreben zu müssen). Diese andere Welt ist aber für viele eine anzustrebende und im Sinne der Gesunderhaltung auch ausreichend gute Welt.
Und drum gibt es hier immer wieder Missverständnisse, weil jeder andere Prämissen im Hinterkopf hat. Da trifft der wettkampferprobte Triathlet auf die großteils sitzend tätige Bürokraft, die bloß ein paar Kilo abspecken möchte. Und dann … Weshalb ich mir schon oft dachte, die Einführung einer Signatur hier wäre sehr sinnvoll. Einer Signatur, wo jeder reinschreibt, wie alt er/sie ist, wie schwer er/sie ist (auch die magere Körpermasse), ob er/sie abnehmen möchte oder Muskeln aufbauen will, wie er/sie es mit dem Sport hält, ob bereits Fastenerfahrung vorliegt, wo der aktuelle RQ liegt, was die generellen Zielsetzungen sind (Leistungssport, Gesunderhaltung, Leben im Bereich der minimal effektiven Dosis) und so weiter und so fort. Dann könnte man nämlich jeden Beitrag sofort einordnen und müsste nicht herumstreiten, was nun der ideale Absolutwert für den täglichen KH-Konsum sei – um nur ein Beispiel zu nennen ;-).
In Deiner Welt (nochmals: eine legitime und anerkennenswerte Welt, die auch mal meine anzustrebende Welt war!) stimmen Dein Rechenbeispiel und Deine Gedankengänge. Und sie haben mir nochmals klargemacht, warum es in meiner Welt anders läuft. Danke Dir dafür!
Und jetzt gerne wieder zu den Darmbakterien ... :-)