25.04.2016
Nein, Daniel, nicht die Eiweißaufnahme (anaboler Stoffwechsel) geht munter weiter sondern die Glukoneogenese (also die Umwandlung von Eiweiß in Glukose; der katabole Proteinstoffwechsel). Das Gegenteil somit! Entweder hast Du Dich verschrieben, oder Du hast das mit der Glukoneogenese grundsätzlich falsch verstanden.
Ja, Eiweiß gilt als sättigend. Und ja, davon sollte man lieber mehr als zu wenig zu sich nehmen. Auch, weil durch diese „Sättigung“ dann weniger von anderen, kurzfristigen und schnell verpuffenden Gaumenfreuden zugeführt wird. Aber eben nur, wenn man sich ausreichend bewegt und gesund ist (gesund in Bezug auf den Blutzuckerhaushalt). Anderenfalls kann einem der zweite Aspekt der Glukoneogenese Probleme bereiten. Gut nachzulesen unter anderem bei Lars Johansson „Die Eiweißrevolution! MAP – Master Amino Acid Pattern“.
Was ich sagen wollte: „low carb“ ist nur ein Problem, wenn man gleichzeitig auch „low protein“ macht, was dann eben zur Vermeidung von Verwechslungen als „ketogen“ bezeichnet wird. Zusätzliche Proteinreduktion macht man beim klassischen „low carb“ aber nicht automatisch, sodass der verallgemeinernde Hinweis, „low carb“ würde zu einem insgesamt katabolen Zustand führen, nicht zutreffend ist. Das stimmt allenfalls bei „low carb“ mit gleichzeitigem „low protein“, also bei Ketose. Das und nur das wollte ich ausdrücken. Ein Hinweis auf „low carb“, wenn man nicht gleichzeitig auch dazusagt oder für den Leser klar ersichtlich ist, was man dabei eiweißtechnisch meint, ist eine leere Information (denn dieses „low carb“ könnte ja auch ein „ketogen“ sein).
Und, Thomas, 50 Gramm sind bei einem Mann sicher bereits sehr gut geeignet, um in eine ketogene Stoffwechsellage zu kommen. Es könnte daher leicht sein, dass Du trotz vergleichsweise hoher Eiweißzufuhr in Ketose warst und sich Dein befinden dadurch erklären ließe (ich habe Deine Replik als Bestätigung bzw. Ergänzung verstanden). Um in Ketose zu kommen, gibt es ja bekanntlich zwei Hebel. Der erste und bei weitem größere bzw. zuverlässigere Hebel ist die KH-Zufuhr. Beim durchschnittlichen Mann ist da die Schwelle irgendwo zwischen 35 und 75 Gramm pro Tag. Bei der (zarten) Frau mitunter deutlich weniger. Ebenso einen Einfluss auf das Erreichen der Ketose (bzw. in Deinem Fall für das Vermeiden von Ketose) hat als zweiter Hebel die Proteinzufuhr, da eben zu viel zugeführtes Nahrungseiweiß über die Glukoneogenese in Glukose verwandelt wird, der Blutglukosespiegel aber relevant dafür ist, ob Ketone in ausreichender Menge produziert und genutzt werden können. Ein zu hoher Blutzuckerspiegel – egal, ob aus Kohlenhydraten folgernd oder aus Eiweiß via Glukoneogenese gebastelt – verhindert die Ketose. Der Proteinhebel ist aber viel größeren individuellen Schwankungen unterworfen und hängt viel mehr vom jeweiligen Bewegungsregime ab als der KH-Hebel. Während man bei den Kohlenhydraten ziemlich genau und verallgemeinernd sagen kann, dass man kaum in Ketose kommen würde, wenn die Zufuhr 1 Gramm pro Kilogramm an magerer/fettfreier Körpermasse übersteigt, ist eine diesbezügliche Prognose in Bezug auf den Eiweißkonsum viel schwieriger, da es hier viel größere individuelle Schwankungen gibt. Manche fallen bereits bei 1 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht aus der Ketose, während bei anderen auch der dreifache Wert einen noch in Ketose bleiben lässt. Bei Dir war das vielleicht so. Und das würde dann wahrscheinlich Dein damaliges Befinden erklären – vor allem, wenn Du das über einen langen Zeitraum gemacht haben solltest. Muss man aber zum Glück ja nicht machen ;-).
Wenn Du nicht gerade ein schmächtiger Mann bist, sind KH/EW/F mit 100g/175g/200g, wie von Dir beschrieben, sicher eine klassische und gesunde „low carb“ Ernährung, wohingegen eine Reduktion auf 50g KH pro Tag bei Dir (!) dann trotz der noch relativ hohen Eiweißzufuhr (bei rund zwei Drittel der Energie aus Fett) bereits ketogen gewirkt haben könnte.
Da gibt es jedenfalls kein Patentrezept. Ich würde daher nicht sagen, dass eine KH-Zufuhr von bis zu 100g als „low carb“ gelten würde, auch wenn das bei den meisten Männern sicher stimmt. Wie ich schon an anderer Stelle sagte, muss man da unbedingt auf das Körpergewicht und insbesondere auf die magere Körpermasse abstellen (vor allem beim Nicht-Normalgewichtigen). Denn auf keinen Fall sollte jetzt eine allfällige schlanke/zarte/kleine Leserin Deine 100g KH/150g-200g EW/200g Fett unreflektiert übernehmen, weil sie glaubt, dadurch ein Runterfahren des Stoffwechsels vermeiden zu können. Denn Deine 100g KHs und vor allem die 150 – 200g Eiweiß könnten für sie dann schon deutlich zu viel sein - schon alleine gesamtkalorisch betrachtet, falls man Fan des Kalorienzählens ist. Wie groß/schwer bist Du denn ungefähr? Also ich weiß, dass 200g Protein pro Tag meinen Blutzucker bereits deutlich anheben würden und dass meine diesbezügliche Schwelle eher bei 100 bis 120g regelmäßiger Eiweißzufuhr liegt (ich bin aber auch nicht gerade der Größte und mache auch kein intensives Muskelaufbautraining oder sonst einen besonders fordernden Sport, sodass ich 200g pro Tag nicht zur Gänze anabol nutzen könnte ;-) ). Gilt aber nur für mich.